Nürnberger Kunstgriff
16.03. – 22.03.18

16. März 2018 • Text von

Erinnert euch an die guten alten Zeiten, denn Thema der dritten Märzwoche ist Nostalgie: Das New York der 70er wird im Kunsthaus heraufbeschworen, das ferne Istanbul im Neuen Museum, die Akademie Galerie zelebriert das Reiseglück und im Kunstverein Kohlenhof sendet die Malerei Signale aus vergangenen Zeiten. Auszuscheren wagen nur die Galerie Sima mit waghalsigen Wortkonstrukten und das Galeriehaus Nord mit gemalter Einsamkeit.

Sejin Kim: o. T., 2017 © the artist

Zarte, durchscheinende Pinselstriche in sanften Farben prägen die Bilder der südkoreanischen Künstlerin Sejin Kim. Mit auf das Wesentliche reduzierten Techniken werden verblüffend tiefe Bildräume oder Farbschichtungen erschaffen, Tunnel und Dioramen aus Licht füllen die Leinwand vollständig aus. Durch die Kompaktheit der Formen entsteht eine Abgeschlossenheit der Figuren und Detailstudien, die bei den gezeigten Lebewesen eine spezielle Gefährlichkeit und auch Vereinzelung erzeugt, jedoch nicht im tragischen Sinn, sondern als Möglichkeit von Freiheit und Heiterkeit.

WANN: Die Ausstellung „erwachen“ wird am Freitag, den 16. März eröffnet und läuft bis zum Sonntag, den 15. April.
WO: Im Galeriehaus Nord, Wurzelbauerstraße 29, 90409 Nürnberg.

Anna Maria Schönrock: Crossing, 2018 © the artist

Kann ein Bild klingen? Mit dieser einfachen Frage, die jeder Synästhetiker sofort mit Ja beantworten würde, setzt sich Anna Maria Schönrock in ihrer aktuellen Ausstellung auseinander. Ihre Bilder umfangen den Betrachter wie wabernde Schatten aus geschichteten Flächensymphonien. Die Figuren bleiben dabei anonym, wie vage Erinnerungen aus einer fernen und dennoch vertrauten Zeit.

WANN: Die Vernissage zur Ausstellung findet am Samstag, den 17. März um 19 Uhr statt. Die Ausstellung läuft bis zum Samstag, den 14. April.
WO: Im Kunstverein Kohlenhof, Grasersgasse 15/21, 90402 Nürnberg.

Alex Hanimann: If you’re looking you’re fantastic © the artist

Die Werke von Alex Hanimann sind hochkomplexe sprachliche Stolperfallen. Der freischaffende Künstler, der in Zürich Professor für visuelle Kommunikation ist, nutzt Wörter als Werkzeug der Verunsicherung, zerlegt gewohnte Sätze in ihre Bedeutungsatome um ihr inneres Gewebe neu zu arrangieren und in bestechender Typografie rundum erneuert wieder auszuwerfen. Das Ergebnis ist oft poetisch, manchmal surreal, immer nachdenklich und auf eigentümliche Weise von kommunikativem Ballast entledigt. „Wer das beste Pferd hat, reitet schnell“ schrieb er einmal mit gewaltigen, weißen Buchstaben an eine schwarze Wand. Die Ausstellung wird wohl hier anknüpfen.

WANN: Die Vernissage findet am Samstag, den 17. März, von 18 bis 21 Uhr statt. Die Ausstellung „in other words“ läuft bis zum Samstag, den 19. Mai. Die Galerie ist Dienstag und Mittwoch von 17 bis 19 Uhr und Samstag von 11 bis 14 Uhr geöffnet, außerdem können Sondertermine vereinbart werden.
WO: In der Galerie Sima, Hochstraße 33, 90429 Nürnberg, im 2. Stock.

Ausstellungsansicht „Glück“ @ the artists

Klappaufsteller zeigen in der Ausstellung „Glück“ heiße Schlitten mit posenden Menschen, deren Details sich aber fast völlig in der schrill-poppigen Monochromie der Malerei verlieren. Daneben wurde ein Junk-Food Triptychon von seinem Schöpfer Christian Kölbl über Eck gehängt. Gemeinsam mit Jonas Höschl inszeniert der an der HGB Leipzig studierende Maler die sinnlichen Ausschweifungen des Reisens frei nach Walter Benjamins Texten aus dem Jahr 1930. Dass die Ideen des hedonistischen Nomadentums und der Selbstverschwendung zeitlos aber schwer greifbar sind, beweist auch Jonas Höschl. Der Grafik-Design-Student der AdBK Nürnberg stellt in seinen eindrücklich extravaganten Zusammenstellungen aus Fotografie und Druckgrafik den fragilen Begriff jugendlicher Glückseligkeit auf die Probe.

WANN: Die Ausstellung ist Mittwoch bis Sonntag von 14-19 Uhr zu besichtigen und läuft noch bis zum 24. März.
WO: Das temporäre Glücks-Reisebüro befindet sich in der Akademie Galerie, Auf AEG, Muggenhofer Straße 135. 

Jürgen Becker – Foto aus der Serie „New York, 1972“ © the artist

Ein Crossover von Literatur und Fotografie bietet die Ausstellung „New York 1972“ von Jürgen Becker. Der Schriftsteller, ein Freund von Max Frisch, fotografierte die krisengeschüttelte Stadt während einer Lesereise durch Nordamerika und fügt damit der street photography eine eigenständige Position hinzu. Sein Sohn, der Fotokünstler Boris Becker (der mit dem Wimbledon-Sieger absolut nichts zu tun hat), hat 80 dieser Bilder für die Ausstellung ausgewählt und für die Präsentation aufbereitet.

WANN: Die Ausstellung wird am Donnerstag, den 22. März eröffnet und läuft bis zum Sonntag, den 6. Mai.
WO: Im Kunsthaus Nürnberg, Königstraße 93, 90402 Nürnberg.

Füsun Onur – Resimde Ücüncü Boyut © ARTER, Istanbul. Foto: Murat Germen

In politisch verworrenen und nicht selten überlauten Zeiten schenkt das Neue Museum den Besuchern mit der Ausstellung „Saum der Zeit“ eine stille, sinnliche Ausstellung über die aktuelle türkische Kunst. Die beiden Künstlerinnen Bilge Friedlaender und Füsun Onur und der männliche Newcomer Ahmet Doğu İpek öffnen in verwinkelten Kabinetten einen Blick auf orientalische Farbigkeit und zarte Materialität, kurz, auf die sanfte Schönheit Istanbuls, eingefangen in zeitgenössischen, künstlerischen Positionen.

WANN: Die Vernissage findet am Donnerstag, den 22. März statt. Die Ausstellung läuft bis zum Sonntag, den 10. Juni.
WO: Im Neuen Museum, Klarissenplatz 1, 90402 Nürnberg.

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