Münchner Kunstgriff
31.10. – 06.11.18

31. Oktober 2018 • Text von

Nicht sehr große Auswahl, dafür eine sehr hohe Qualität diese Woche in München. Forensic Architecture und Spot The Silence im Haus der Kunst und die Ausstellung “Weltempfänger” im Lenbachhaus.

77sqm_9:26min_4: Fluid dynamics simulation of gunpowder residue particles (ammonia) within the front room of the Internet cafe. Bild: Forensic Architecture und Dr. Salvador Navaro-Martinez, 2017, Haus der Kunst.

Auch wenn der NSU Prozess im Juli 2018 beendet wurde, ist der Themenkomplex noch lange nicht abgeschlossen. Zu viele Fragen sind noch offen. In Kooperation mit dem Festival Politik im Freien Theater präsentiert das Haus der Kunst nun ab Donnerstag zwei Installationen, die den NSU Komplex neuverorten und kontextualisieren. Das Video „77sqm_9:26min“ der Londoner Gruppe Forensic Architecture war eines der einflussreichsten Projekte der documenta 14, das Recherchekollektiv unter der Leitung von Eyal Weizman wurde außerdem für den renommierten Turnerpreis nominiert. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem NSU-Mord an Halit Yosgat steht immer noch die Frage im Raum, ob ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, entgegen seiner Aussagen, nicht doch Zeuge des Verbrechens war. Künstler, Architekten, Filmemacher, Kulissenbauer und Performer haben dafür den Tatort anhand geleakter Akten und einem Polizeivideo minutiös rekonstruiert. Die von spot the silence konzipierte Medieninstallation „Gespräche // Assemblage – Den NSU-Komplex kontextualisieren“ vermittelt wiederum die Hintergründe rassistisch motivierter Gewalttaten sowie Formen des institutionellen Rassismus. In neun Videos richtet sie den Fokus auf diejenigen, deren Wahrnehmung in der öffentlichen Darstellung nur selten Platz findet: Betroffene, WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen äußern sich in Wort und Bild.

WANN: Zu sehen vom 1. November bis 11. November.
WO: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München.

Georgiana Houghton: The Flower of Samuel Warrand, 1862, Victorian Spiritualists‘ Union, Melbourne, Foto: VSU, Lenbachhaus.

Es gibt KünstlerInnen, die von der Kunstgeschichte erst spät gebührlich gewürdigt werden. Unter dem Titel “Weltempfänger” wird im Lenbachhaus ab Sonntag ein außergewöhnliches und weitgehend unbekanntes Kapitel der Moderne in den Fokus gerückt. Völlig unabhängig voneinander entwickelten Georgiana Houghton in England, Hilma af Klint in Schweden und Emma Kunz in der Schweiz eine jeweils eigene abstrakte Bildsprache. Alle drei wollten in ihren Arbeiten Naturgesetze, Geistiges und Übersinnliches sichtbar machen, dabei folgten sie mit Ausdauer und Durchsetzungsvermögen ihren Überzeugungen. Ihren Werken werden kaum bekannte Filme von Harry Smith und den Brüdern John und James Whitney an die Seite gestellt. Die Künstler produzierten im Kalifornien der Nachkriegsjahre experimentelle Filme, in denen sie nach einer Einheit verschiedener Sinneswahrnehmungen strebten.

WANN: Die Eröffnung ist am Sonntag, den 4. November, zu sehen bis 10. März.
WO: Lenbachhaus und Kunstbau München, Luisenstraße 33, 80333 München.

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