Last Show
Über die Grenzen hinweg

17. Juni 2016 • Text von

Thomas Schrenk, Autodidakt mit Blick für das Wesentliche. Meistens anzutreffen im siebten Bezirk in seinem Hinterhof-Atelier. Oft mit von der Partie: Gert Resinger. In „Last Show“ haben die beiden Künstler nun gemeinsam mit Sophia Süßmilch den Hürden des internationalen Kunstmarktes den Kampf angesagt. Touché!

Thomas Schrenk in seinem Atelier, © Thilo Rimini.

Thomas Schrenk in seinem Atelier, © Thilo Rimini.

Hinter den Fassaden und Einfahrten Wiens verbirgt sich ein Zufluchtsort, um den Radau des städtischen Treibens abzustreifen. Ein Ort, über dem manchmal der Jubel der laufenden Fußballübertragung weht oder sich Nachbarn ein verhaltenes „Hallo“ zuwerfen. Ein Schauplatz des kreativen Prozesses, Arbeitsplatz und Sammelpunkt der Wiener Kunstszene. Der Hinterhof. Mit der Ausstellung „Last Show“ wird er zum Display der schöpferischen Blüte dreier Künstler, die in Aufbruchsstimmung sind. Im Interview erzählt uns Thomas Schrenk, wie es zur Zusammenarbeit mit Gert Resinger und Sophia Süßmilch kam, über Künstlerbekanntschaften in Wien und noch vieles mehr. 

gallerytalk.net: Mit „Last Show“ wollt ihr einen Aufbruch in den internationalen Kunstmarkt signalisieren, Grenzen sollen überschritten werden. Wie können wir das verstehen?
Thomas Schrenk: Ich kann nur für mich sprechen und ich verstehe mich als europäischer Künstler. Als Künstler macht es keinen Sinn in nationalen Grenzen zu denken. Ich male keine österreichischen Bilder, es gibt darin keinen Heimatbezug und dem Sammler ist es egal, wo sich das Atelier befindet. Ich will mich mit der in der Ausstellung gezeigten Qualität nur noch international orientieren. Nur weil ich momentan in Wien arbeite, heißt das nicht, dass ich die meisten Ausstellungen in Wien haben will. Ich will auf die große Bühne und werde auch dort gewesen sein. Diesbezüglich weist das Plakatsujet bewusst auf Bilder hin, die momentan umso stärker in unserem Unbewussten lauern. Dort bilden sie die Grundlage für die absurden Ängste, die ein Großteil der Bevölkerung hat und dadurch kann man diese Leute auch durch populistische Aussagen und Bilder triggern. Diese Ängste sind dumm und falsch! Wie kann es sein, dass ein Herr Ingeneur Hofer genau dort Stimmen bekommt, wo es wenig Berührung mit Migranten gibt. Die Leute haben vergessen, dass es ihre Aufgabe ist sich zu informieren und zu denken. Man sollte vorsichtig sein unseren beiden Propagandaparteien das Denken zu überlassen.

Sophia Süßmilch, die sich in ihren Arbeiten mit Körperkonstruktionen, dem Kunstmarkt, Authentizität und dem Universellen in der Kunst auseinandersetzt, wurde als internationaler Gast eingeladen. Wie ist der Gedanke einer gemeinsamen Ausstellung entstanden?
Erstens: Sie ist eine Frau. Zweitens ist Last Show nicht als Last Show forever gedacht, sondern ich will alsbald in München ausstellen und dafür braucht man als mäßig bekannter Künstler Kontakte. Drittens halte ich sie für eine interessante und witzige Künstlerin. Ihr Spiel mit Sexualität und Geschlechtlichkeit wirkt durchdachter, als das der meisten populären Künstler.

Sophia Süßmilch, Beautiful Minds, 90 x 60 cm, © Sophia Süßmilch.

Sophia Süßmilch, Beautiful Minds, 90 x 60 cm, © Sophia Süßmilch.

In der Ausstellung werden Gemälde, Textilcollagen und Designobjekte von Gert gezeigt, mit denen der Allrounder seine künstlerische Vielfältigkeit unter Beweis stellt. Was schätzt du an deiner Zusammenarbeit mit Gert?
Die meisten Leute von der Uni haben keine Ahnung wie man von Kunst leben kann. Natürlich schaffen es genug, aber wenn man sich ansieht aus welchen Familien die kommen, dann würden die es auch als Radiomoderatoren schaffen. Zurück zu Gert. Ich umgebe mich gern mit seiner Kunst und er hat einen hochsensiblen Blick auf seine Umgebung und verarbeitet dies direkt in seinen Werken. Bei dieser Ausstellung sehe ich ihn als grandiosen Konterpart zu meinen gezeigten Gemälden.

Gert Resinger, Blumen Sind Nice, Öl und Acryl auf Leinwand, 2014. © Gert Resinger.

Gert Resinger, Blumen Sind Nice, Öl und Acryl auf Leinwand, 2014. © Gert Resinger.

Gert und du haben beide euer Atelier im siebten Bezirk in einem Hinterhof. Gibt es deiner Meinung nach in Wien eine „Gretzl“ Künstlergemeinde?
Nicht, dass ich wüsste. Wobei Gasteiger auch in einem Hinterhof ums Eck residiert. Bacher hat es nicht mal in einen Hinterhof geschafft, Baldinger auch nicht. Der Österreicher liebt Hinterhöfe und Keller, mir ist es eigentlich egal. Hauptsache das Atelier entspricht meinen Vorstellungen.

In deine Serie „Abstrakte Fetzen“ spannst du Malfetzen auf und erklärst sie zum Kunstwerk. Inwiefern hast du einen Einfluss auf das Werk? Kannst du uns diesen Prozess etwas näher bringen?
Das Thema besprechen wir, wenn sie in einer eigenen Show zu sehen sind.

Thomas Schrenk, Abstrakter Fetzen, Öl auf umgrundiertem Stoff, 140 x 198 cm. © Thomas Schrenk.

Thomas Schrenk, Abstrakter Fetzen, Öl auf umgrundiertem Stoff, 140 x 198 cm. © Thomas Schrenk.

Wie bist du nun dazu gekommen Menschenbilder zu malen, was fasziniert dich daran und was bedeuten sie für dich?
In jedem meiner Bilder, inklusive meiner abstrakten, geht es um das Mensch-Sein und das was es für mich bedeutet. Deshalb war es nur eine logische Konsequenz, dass das konkrete Menschenbild in den Fokus rückt. Ich reagiere nicht auf Moden des Kunstmarktes, sondern male was mich fasziniert.

Ich finde die Technik, mit der du Hautstrukturen malst sehr faszinierend. Wie gehst du vor, mit welchen Materialien arbeitest du?
Die Haut als Oberfläche des Menschen ist das Sichtbare, bleibt jedoch nur die Oberfläche. Deshalb versuche ich eine Art und Weise der Hautdarstellung zu schaffen, die einen tieferen Blick ermöglicht. Aus diesem Grund hat das Wachs als Material Zugang zu meinen Bildern erhalten.

Thomas Schrenk, Mädchen von hinten, Öl und Wachs auf Jute, 120 x 150 cm. © Thomas Schrenk.

Thomas Schrenk, Mädchen von hinten, Öl und Wachs auf Jute, 120 x 150 cm. © Thomas Schrenk.

Was passiert nun, wenn die Halle wieder ihre Türen schließt? Was ist euer nächstes Ziel?
Als Business gedacht: berühmter, reicher und besser vernetzt zu werden. Malerisch ergeben sich mit jedem fertiggestelltem Bild neue Aufgaben. Privat lerne ich gerade erst wie sehr Menschen von ihren Emotionen beeinflusst werden. Politisch überlege ich entweder eine populistisch europäische oder eine gemäßigt rechte Partei zu gründen, um Parteien wie der ÖVP, der FPÖ, der AFD, dem Front National, etc. Stimmen wegzunehmen.

WANN: Die Ausstellung eröffnet heute, Freitag 17.06, um 18:00 und läuft bis 24.06. Das ganze Programm findet ihr hier.
WO:
Kalvarienberggasse 17, 1170 Wien. 

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