Kunst kaufen per Krypto-Währung
Smart vernetzt mit Ben Elliot

7. Mai 2020 • Text von

Ben Elliot nutzt und verbreitet formelle Strukturen, Ideen und Mechanismen unserer Zeit. So hinterfragt der französische Künstler die Systeme der (sozialen) Wertschöpfung. Mit uns spricht er über konzeptuelles Marketing, smarte Kommunikationsstrategien und sein neues Projekt, eine eigene Krypto-Währung.

Ben Elliot: #freetoexplore #swipelife, 2019. Exhibition view, Magasins Généraux, Paris, France. Courtesy the artist and Magasins Généraux.

gallerytalk.net: Du arbeitest räumlich, virtuell und im Kontext der sozialen Medien. Würdest du dich selbst als eine soziale Skulptur bezeichnen?
Ben Elliot: Zu Beginn meiner künstlerischen Praxis war ich auf der Suche nach einer globalen und interessanten Form. In diesem Prozess fand ich ein Interesse an der Idee des „Sozialen“. Man kann heutzutage eine Persona kreieren und sie ziemlich fließend in eine Marke transformieren. Ich mache es auf eine ähnliche Art und Weise, wie Influencer dies tun – aber in der Sphäre der Kunst. Influencer verbreiten Ideen und Inhalte für Marken und sich selbst. Ich verbreite die fortschrittlichsten Ideen und Formen des 21. Jahrhunderts.

Deine Arbeiten sind oft immateriell und ephemer. Im Jahr 2016 hast du eine Party in Paris organisiert und sie in ein Kunstwerk verwandelt. Wie hast du das aufgezogen?
Ich habe eine große Gruppe junger und kreativer Leute eingeladen und daraus eine Party gemacht. Eine Social-Media-Party, aber im wirklichen Leben. Diese Party erschien dann in der Presse und wurde online gut dokumentiert. Es war ein Event, wie sie es heute in Marketing und Kommunikation oft gibt. Zu diesem Zeitpunkt begann ich mit den Strategien, die ich jetzt nutze. Es war also mein Plan, meinen Namen und meine Ideen durch das Event zu verbreiten. Das ist intelligentes, konzeptionelles Marketing!

Ben Elliot: Ben Elliot Party, 2016. Photographer: Yulya Shadrinsky. Courtesy the artist.

Mir gefällt der Begriff konzeptionelles Marketing. Am Ende verkauft man nicht ein Produkt, sondern man verkauft seine Persona und seine Ideen.
Ja, ich verkaufe mich selbst, meine Ideen, einen bestimmten Lebensstil und eine bestimmte Ästhetik. Ich versuche, einen smarten, vernetzten Lebensstil zu führen und dadurch Kunstwerke zu schaffen. Marketing ist überall präsent. Und im Marketing gibt es auch eine Menge Kreativität und Kunst. Beides ist eng miteinander verflochten. Einflussmarketing als Form ist für mich interessant, speziell online. Deshalb nutze ich es für meine künstlerische Praxis. Die Grenzen sind dabei durchlässig. Letztlich ist alles Kommunikation, also benutze ich sie konzeptuell und reflexiv.

Unterscheidest du zwischen dir selbst und der Wahrnehmung deiner öffentlichen Person?
Ich habe ein privates Leben. Ich habe bestimmte Interessen, die nicht unbedingt Teil meiner Arbeit sind und die ich auch in den sozialen Medien teile. Ich nutze mich und mein Leben als Kanal, um Kunst und neue Ideen zu kommunizieren und um mich auszutauschen. Ich benutze meine Persona also, um meine Ideen zu teilen, aber die Menschen können auch eine Beziehung aufbauen. Es ist eine Mischung aus Persönlichem und Beruflichen. Sie ist nicht fiktional oder performativ.

Ben Elliot: Ben Elliot Shop, 2018. Exhibition view, Magasins Généraux, Paris, France. Courtesy the artist and Magasins Généraux.

Du schaffst aber immer noch Bilder und Skulpturen, die in Galerieräumen präsentiert werden. Diese realen Objekte sind auch Teil deiner Praxis?
Sicher, ich bin Künstler, ich mache Kunst. Ich mag es, neue Formen und Ideen zu erforschen, aber ich möchte sie auch allen zugänglich machen. Ich möchte, dass sich jeder mit dem, was ich tue, identifizieren kann – auch die Kunstschaffenden und der Markt. Dahinter steht ein Beruf, ein Geschäft: Künstler*innen müssen Ihre Kunst verkaufen. Mir persönlich gefällt dieser Aspekt. Es ist sehr befriedigend, wenn gute Ideen und Formen verkaufsfähig werden. Das ist keine leichte Aufgabe. Man braucht greifbare Dinge, um sich auf Konzepte beziehen zu können. Für mich ist es interessant, verschiedene Formen der Kunst zu praktizieren: von sozialen Formen bis hin zu physischer oder virtueller Kunst und sogar Merchandise.

Du bist jetzt total virtuell geworden. Du planst eine eigene Krypto-Währung.
Ja, sie heißt „Ben Elliot Token“ und wird 2021 auf den Markt kommen. Man wird diesen Token als Kunst kaufen, sammeln und investieren können, wie man es auch mit jeder anderen Krypto-Währung tun kann. Wenn man ein oder zwei Token kauft, erwirbt man meine digitales Währung und partizipiert an meinem aktuellen und zukünftigen Marktwert.

Ben Elliot: Perfect365, 2020. Exhibition rendering. Courtesy the artist.

Diese „Ben-Elliot-Token“ werden also auch auf einem Markt gehandelt werden?
Ja, sie werden auf der Stellar Blockchain gehandelt und für jeden zugänglich sein, der in Kryptowährungen investieren möchte. Ich werde sie auch auf meiner Website für jedermann leicht verfügbar machen. Und man wird sie mit meinen Kunstwerken austauschen können. Auf diese Weise können die Tokens physisch werden. Man wird meine Kunstwerke mit diesen Tokens kaufen können, und zwar auf meiner Website, über eine Online-Plattform mit Kunstprojekten und Kunstwerken.

Du agierst also im Grunde wie eine Notenbank: Du kreierst eine Währung und auch einen Markt für diese Währung. Das klingt für mich ein wenig größenwahnsinnig.
Ich möchte nicht größenwahnsinnig rüberkommen. Ich nutze gerne Technologien, die das Potenzial haben, das tägliche Leben von uns allen in der Zukunft grundlegend zu verändern und zu verbessern. Diese Technologie ist auch eine Möglichkeit für mich, die Kontrolle über meine eigenen Daten zu haben und sie nicht alle an große Unternehmen zu verschenken. Man sieht es an Google oder Netflix. Google ist eine Suchmaschine, eine Mailbox und sogar eine führende Kraft im Bereich KI, Netflix ist gleichzeitig eine Streaming-Plattform und eine Filmproduktionsfirma. Es ist für digitale Unternehmen zur Norm geworden, sich zu diversifizieren und die gesamte Wertschöpfungskette ihres Bereichs zu integrieren.

Ben Elliot: Ben Elliot Token, 2020. Campaign image. Courtesy the artist.

Hast du Bedenken, deine Informationen und auch deine Kunst auf den großen Plattformen zu teilen?
Nein, das ist für mich in Ordnung. Ich bezahle die Dienste und Plattformen, die ich täglich nutze, mit meinen eigenen Daten. Das ist irgendwie fair. Aber ich bin mir auch bewusst, dass Daten viel mehr wert sind als die Nutzung eines einfachen sozialen Dienstes. Deshalb möchte ich mehr Kontrolle über meine eigenen Daten erlangen und sie so nutzen, wie ich will. Und ich möchte den Menschen die Möglichkeit bieten, sich dieses Tauschgeschäfts mit den großen Plattformen bewusst zu werden. Das ist auch der Grund, warum ich mich für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen wie den Ben Elliot Token interessiere. Die Technologie ist dezentralisiert. Wenn sie sich weiterentwickelt, wird sie wahrscheinlich einen großen Einfluss auf das Leben und die Geschäftsmodelle von morgen haben.

WANN: Der Ben Elliot Token wird 2021 erhältlich sein.
WO: Ben Elliot Token

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