Kunst in Quarantäne #2
Isolation mit Iskin, Waschen mit Wurm

24. März 2020 • Text von

Ja, schon klar. Homeoffice kann öde sein. Nie aber war es einfacher, nach Feierabend noch schnell die Prise Kunst abzubekommen, nach der man sich den ganzen Tag über gesehnt hat. Genießt Hochkultur à la #MKonDemand, begafft Alexander Iskin oder wascht euch ein weiteres Mal die Hände – aber mit Erwin Wurm!

Alexander Iskin, Arturbating © Johanna Laleh von Holst.

Alle hat die Quarantäne hart getroffen – nur Alexander Iskin nicht! Der hat sich nämlich schon ganz freiwillig im Februar 2020 selbst isoliert. Einzig solche, die ihm Essen gebracht haben, wurden empfangen. Grund dafür war seine neu ausgerufene Kunstrichtung: Der Interrealismus, bei der die digitale mit der analogen Welt verschmilzt. Die Räumlichkeiten der Sexauer Gallery nutzend, kann Iskin täglich online auf www.arturbating.com live während seines Arbeitsprozesses beobachtet werden.

Der Tipp kommt von Lynn Kühl.

Erwin Wurm: „To Wash Away the Dirt of Our Time“. soap, made in Austria 325g, 50€ plus shipping. Screenshot www.koenig-souvenir.com.

Diverse Angebote mögen Gegenteiliges suggerieren, doch Kunst zu Hause geht auch ohne www. Ganz klassisch, man kennt das: Kunst kann man kaufen. Nur ist das eben oft auch ein teures Hobby. Einer derjenigen, die schnell verstanden haben, dass man seine Käufer*innenschaft nicht nur mit kostspieligem Wandbehang & Co., sondern auch mit zugehörigem Merchandise anfüttern kann, ist Johann König. Der Berliner Galerist vertreibt über seinen Shop König Souvenir auch allerlei Bezahlbares, mit dem sich Zugehörigkeit zum Kunstbetrieb signalisieren lässt. Ein Objekt passt dabei in diese Zeit wie kein zweites: die Gurken-Seife des Österreichers Erwin Wurm. Wenn schon andauernd Hände waschen, dann doch damit, non? Das hat auch schon Lars Eidinger gemacht (ah, Mist, der war ja in Ungnade gefallen) und außerdem hat die so was schön Phallisches. „To Wash Away the Dirt of Our Time“. Fröhliches Einseifen!

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

dgtl fmnsm | HOT MESS *virus version*, Hebbel am Ufer.

Hebbel am Datenstrom. Das Berliner Theater Hebbel am Ufer hat ein künstlerisches Manöver für die digitale Gegenwart gestartet. Schon vor der aktuellen Situation geplant, hat das Online-Festival “Spy on me #2” nun ungeahnte Aktualität. Die Realität des digitalen Wandels, das Leben mit Screens und Apps, gesteuert durch Algorithmen verändert unser Verhalten und schafft so auch eine Re-Organisation des öffentlichen Raumes. Unter den neuen Vorzeichen der Virus-Krise ist der Diskurs um die Idee von Öffentlichkeit aktueller denn je. Das HAU will Beschränkung als Herausforderung sehen, durch die Nutzung und Weiterentwicklung von Online-Formaten, Streaming, Podcasts oder durch den Ausbau der Mediathek HAU3000 soll das Theater als Ort der Versammlung den neuen Bedingungen angepasst werden. Hier gelangt ihr zum Youtube-Channel von „Spy on me #2“.

Der Tipp kommt von Quirin Brunnmeier.

#homealone mit Titus Schade, Instagram-Story vom 22. März 2020. Screentshot Instagram/galerie_eigenart

Wer für gewöhnlich auf Bürostühlen der Lohnarbeit nachgeht, der sitzt auch im Homeoffice hinterm Bildschirm. Vielleicht in Jogginghose, aber zu sehen gibt es da außer Chipskrümeln im Bauchnabel eigentlich wenig. Wesentlich interessanter (und im Grunde nicht nur dieser Tage): wie Künstler*innen arbeiten. Die Galerie Eigen + Art und das Eigen + Art Lab teilen in ihren Instagram-Storys derzeit regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen. Unter dem Hashtag #homealone bespaßen Künstler*innen wie Uwe Kowski oder Titus Schade von zu Hause oder aus dem Atelier die Follower ihrer Galerie.

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

#GENESIS – A STARTING POINT, Wiebke Puls, Daniel Lommatzsch, Samouil Stoyanov, Jeff Wilbusch (from left to right) © David Baltzer, Kammerspiele, München.

Nicht nur die Museen und Galerien sind Corona-bedingt erst einmal geschlossen, auch die darstellenden Künste wurden in die lange Pause geschickt. Doch auch die Theater setzen nun aufs Internet und halten so auf ihre Weise einen „Spielplan“ aufrecht. Die Kammerspiele in München haben neben den realen Spielstätten Kammer 1, 2 und 3 eine vierte, virtuelle Kammer eröffnet. Während die Türen des Theaters geschlossen bleiben müssen, stellen sie hier jeden Tag unter dem Motto #MKonDemand den internen Mitschnitt einer Inszenierung aus dem Spielplan online. So gibt es 24 Stunden lang Theater für zu Hause.

Auch die Staatsoper geht neue Wege: Nach der Absage aller Veranstaltungen werden einzelne Vorstellungen als Live-Stream oder als Video-on-Demand auf www.staatsoper.tv zur Verfügung gestellt. Zudem gibt es seit dieser Woche eine Serie von „Montagskonzerten“: Liedgesang, Solo-Instrumentalisten sowie kammermusikalische und tänzerische Darbietungen, live und kostenlos.

Der Tipp kommt von Quirin Brunnmeier.

Ausschnitt aus dem Instagram Takover #KunstInQuarantäne des Instagram Accounts @jungemeister. Hier zu sehen: Arbeiten der Künstlerin Eva Dittrich.

Normalerweise gemeinsam unterwegs zu Studio Visits, Ausstellungs- und Sammlungsbesuchen rund um die zeitgenössische Kunst, unterstützt das Berliner Kunstnetzwerk „Junge Meister“ nun seit Anfang März Künstler*innen über ihren Instagram-Kanal. Auf diesem Wege soll denjenigen zu Sichtbarkeit verholfen werden, die stark vom „Shut-down“ betroffen sind. Die ersten Take-Over übernahmen bisher Absolventinnen des Goldrausch Künstlerinnenprojekts wie Eva Dittrich, sowie Marlene Bart und Fritz Can Poppenberg. Um die eigenen Arbeiten beim digitalen Studio Visit vorzustellen, kann man sich ganz einfach per Mail an info@jungemeister.net melden.

Der Tipp kommt von Lynn Kühl.