Kauft jetzt Kunst!
Künstler*innen supporten, Gutes tun

5. Mai 2020 • Text von

Selbstverständlich ist es schön, wenn ihr euch Ausstellungen anschaut, auf Instagram Fotos davon teilt oder – gesetzt dem Fall ihr, seid irgendwie schreibend tätig – vielleicht sogar darüber berichtet. Aber Künstler*innen leben eben von Verkäufen. Und deswegen ist gerade jetzt die Zeit, zu investieren.

Arbeiten der Künstlerinnen Daisy Parris und Emma Fineman, die die Londoner Guts Gallery im Rahmen der Aktion "Guts Claps Back" verkauft hat.

Daisy Parris: „I Feel Everything“, ink on paper, 20,5 cm x 15,5 cm, 2020. Courtesy of the artist and Guts Gallery. // Emma Fineman: „Layered Nudes“, monoprint on paper, 28 x 35,5 cm (framed), 2020. Courtesy of the artist and Guts Gallery.

Künstler*innen leben und arbeiten oft ohnehin schon unter prekären Umständen. Finanzielle Einbußen aufgrund der Coronakrise fallen da besonders ins Gewicht. Sichtbarkeit ist schön gut, aber besser als das nächste hastig abgefackelte Instagram-Live sind vielleicht einfach ein paar wohl investierte Euronen. Schon klar, die wenigsten von uns können mit tiefen Taschen im ganz großen Sammel-Game mitspielen. Wir haben allerdings ein paar Angebote ausfindig gemacht, die auch mit schmalerem Budget interessant sein könnten.

Gemeinsam mit der Londoner Guts Gallery nehmen Künstler*innen in die Hand, was die Regierung nicht hinbekommt – so beschreiben jedenfalls die Beteiligten die Aktion „Guts Claps Back“. Alle drei Tage bietet die Guts Gallery auf Instagram eine neue Arbeit zum Verkauf an. Die Arbeiten kosten immer 200 Pfund (knapp 230 Euro). 50 Prozent des Gewinns gehen an „Masks 4 NHS Heroes“. Damit wird Geld gesammelt für Schutzmaterial für Angestellte im medizinischen Bereich, damit sie in Zeiten von Corona sicherer arbeiten können. Die verbleibenden 50 Prozent gehen an die Künstler*innen. Die Guts Gallery nimmt dabei keine Prozente und bietet lediglich die Plattform. Wir sind ohnehin Fans der Galerie sowie ihrer Gründerin Ellie Pennick und finden, „Guts Claps Back“ ist ein hervorragender Anlass, sich das gesamte Programm mal etwas genauer anzusehen. Ein Fokus liegt dabei vor allem darauf, unterrepräsentierten Stimmen in der Kunstbranche eine Stimme zu geben, sie zu vernetzen und ihnen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen.

Eine Skulptur von Angelika Loderer, die über chicane.space verkauft wurde.

Angelika Loderer: Pretend to be fine, 2020, egg, concrete unique pieces, Open Edition, chicane.space.

Schikanen werden einem in den Weg gelegt, sie verursachen Schwierigkeiten. Oft sind sie böswillige, kleinliche, eigentlich unnötige Quälereien. Die jetzige Situation könnte man auch als die Mutter aller Schikanen wahrnehmen. Das haben sich Andy Boot, Jonny Niesche und Mariam Arcilla gedacht und sich entschieden, online etwas gegen diese Schikane zu unternehmen. Gemeinsam haben sie den chicane.space gegründet, ein kuratierter Projektraum für Künstler*innen, um während dieser schwebenden Zeit online mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben. Wöchentlich werden virtuelle Ausstellungen präsentiert, die von Gastkuratoren organisiert werden. Ergänzt wird das Programm durch laufende Gespräche zwischen Künstlern und Kuratoren über neue Modelle der Kunstvermittlung. Im Geiste der Solidarität gibt es Editionen zum Verkauf, wobei der volle Erlös direkt an die Künstler*innen geht. Den Anfang hat die österreichische Bildhauerin Angelika Loderer gemacht, deren Edition prompt ausverkauft waren. Weiter geht es mit dem in Berlin lebenden kanadischen Künstler Jason Gringler. Auch hier heißt es wohl: Beeilt euch.

Der Tipp kommt von Quirin Brunnmeier.

Das Keramik-Kunstwerk "Blind spot in a corridor" von Monika Grabuschnigg. Es kann über den Online-Shop von Kuba Paris erworben werden.

Monika Grabuschnigg: „Blind spot in a corridor“, 2019, glazed ceramic and ink, 26.5 x 21 x 1.5 cm, 13/13. KubaParis Editions. Courtesy of the artist and KubaParis.

Insbesondere junge Sammler*innen – und diejenigen, die es noch werden wollen – spricht das Kunstmagazin KubaParis mit dem hauseigenen Shop an. Geboten werden Editionen angesagter Künstler*innen wie Monika Grabuschnigg, Hannah-Sophie Dunkelberg oder Andi Fischer. Die Preise sind für Kunstmarktverhältnisse denkbar fair. Drum sind denn viele Arbeiten auch schon ausverkauft. Doch keine Sorge: Nachschub trudelt stets ein, jüngt von Mary-Audrey Ramirez.

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

Screeshots des Instagram-Accounts vom Artist Support Pledge. Links steht "I share you share we all share", rechts "generosity is infectious".

Screenshot Instagram/artistsupportpledge.

Wir haben das Projekt an anderer Stelle bereits empfohlen, deswegen halten wir es hier kurz: Der Artist Support Pledge ist eine Idee des britischen Künstlers Matthew Burrows. Das Konzept ist simpel: Künstler*innen können auf Instagram unter dem Hashtag #artistsupportpledge Arbeiten zum Kauf anbieten. Die dürfen 200 Pfund (rund 228 Euro) kosten – exklusive Versand. Die teilnehmenden Künstler*innen verpflichten sich, jedes Mal wenn sie mit dem Verkauf ihrer Arbeiten 1000 Pfund (rund 1144 Euro) verdient haben, ihrerseits 200 Pfund in Arbeiten von Kolleginnen zu investieren. Wieso das auch für euch spannend ist, wenn ihr nicht gerade Künstler*innen seid: Unter dem Hashtag gibt es gerade Kunst zu guten Preisen. 

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

Zwei Poster, die im Rahmen der Spendenaktion von Between Bridges Angeboten werden. Links eine Fotografie von Anne Imhof, darauf eine Frau mit brennendem Rosenstrauch. Rechts eine Fotografie von Elmgreen & Dragset, darauf ein Mann, der eine Statue betrachtet.

Anne Imhof: Eliza Douglas in Anne Imhof „Imagine“, Galerie Buchholz, 2019. Photographer Nadine Fraczkowski, 2019. Offset print on paper, 59,4 cm x 42 cm (23.4 x 16.5 in). // Elmgreen & Dragset: „Incidental Self (No. 21)“, 2007. Offset print on paper, 59,4 cm x 42 cm (23.4 x 16.5 in).

Bei diesem Projekt kommt der Erlös nicht den Künstler*innen direkt zu gute, sondern verschiedenen Organisationen, die das Geld genauso gut brauchen können. Die Stiftung Between Bridges hat unter dem Titel „2020Solidarity“ vierzig internationale Künstler*innen eingeladen, Poster zu gestalten, die auf verschiedenen Crowdfunding-Kampagnen als Dankeschöns für Spenden angeboten werden können. Dabei sind Arbeiten von Ebecho Muslimova, Anne Imhof, Marlene Dumas, Nicole Eisenmann und natürlich von Wolfgang Tillmans, dem Organisator von Between Bridges. Between Bridges setzt sich für Demokratie, internationale Zusammenarbeit, Kunst und LGBT-Rechte ein. Bis 2019 gab es unter dem Namen einen Non-Profit-Ausstellungsraum in Berlin.

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

Logo „Paper Patrons“.

Meist startet künstlerische Arbeit auf dem Papier – spielerisch als Kritzelei oder aber als fertiger Entwurf. Das macht diese Gattung zur Grundlage jeglicher Kunst; die Arbeiten wirken authentisch, scheinen die Idee der Künstler*innen direkt widerzugeben. So hat sich mit „Paper Patrons“ auf Instagram eine neue Plattform etabliert, die es angehenden „Patrons“ ermöglicht, eine Vielfalt an durchaus erschwinglichen Arbeiten auf Papier direkt aus dem Atelier der teilnehmenden Künstler*innen für £50 zu kaufen. Nicht nur eine großartige Initiative, junge Künstler*innen zu unterstützen, sondern auch eine günstige Art, seine vier Wände mit einem Unikat zu verschönern.

Der Tipp kommt von Teresa Hantke.

 

Flyer „New Generaion of Contemporary Art“.

„New Generation of Contemporary Art“ − die Namensliste der teilnehmenden Künstler*innen an der gleichnamigen Online-Auktion verspricht nicht zu viel. Spannende Positionen von Victoria Pidust, Jazoo Yang, Marta Vovk oder Franco Basualdo sind Teil der noch bis Freitag, den 15. Mai, laufenden Auktion, die von der Haimney Gallery gemeinsam mit der Galerie Espai Tactel sowie dem Berliner Ausstellungsprojekt Meanwhile Elsewhere ins Leben gerufen wurde. Ein Überblick der Werke, die zur Versteigerung kommen, ist auf artsy zu finden. 10 Tage sind noch Zeit, um für ein Objekt der Begierde zu bieten!

Der Tipp kommt von Teresa Hantke.

Jenny Holzer, You dreamed ©‎ VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Sandra-Stein.de.

Um Menschen in Not zu unterstützen, hat auch die UNO-Flüchtlingshilfe eine großartige Initiative ins Leben gerufen. Mit einem Mindestbeitrag von nur 40 Euro, der einem der zahlreichen Einsätze des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen zu Gute kommt, nimmt man automatisch an einer Kunstlotterie teil, deren Gewinnchancen mit 1:250 nicht schlecht stehen. Namhafte Künstler*innen wie Jenny Holzer, Thomas Ruff, Olafur Eliasson oder Candida Höfer beteiligen sich an der bundesweiten Kunstlotterie. Auf zur Spende!

Dieser Tipp kommt von Teresa Hantke.