Über den Dächern der Stadt
Jonah Gebka bei Boutwell Schabrowsky

15. Juli 2025 • Text von

Die Fenster des Nachbarhauses erleuchten die dunkle Nacht, Menschen rücken nah aneinander und abstrakt wirkende Farbfelder entpuppen sich als digitale Landschaften. In seiner Einzelausstellung “Must Be the Weather” zeigt Jonah Gebka bei Boutwell Schabrowsky urbane Stimmungsbilder auf Leinwänden, die sich nahtlos in den unkonventionellen Ausstellungsraum der Galerie einfügen: ein möbliertes Apartment.

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Ausstellungsansicht, Jonah Gebka, Must Be the Weather, Foto: Julia Milberger, courtesy Boutwell Schabrowsky Gallery.

Das Leben in der Stadt kann eng sein. Viele Menschen leben auf engem Raum, nur durch Wände getrennt. Ob allein, mit Partner*innen oder Haustieren – der Platz ist begrenzt, und der Blick schweift nach draußen, über die Skyline der Stadt. Drinnen kommt man sich näher, vielleicht kopfüber auf der Yogamatte. Jonah Gebkas großformatige Gemälde “Who’s a Good Boy” und “What Was That” zeigen jeweils ein Paar in den eigenen vier Wänden beim abendlichen Yoga bei gedimmten Licht. Eine Person beugt sich nach unten, während die andere einen Hund eng umschlungen hält. Zwei Gemälde, die die gleiche, aber nicht dieselbe Situation darstellen – intim und doch austauschbar, eine Abbildung kollektiver, häuslicher Erfahrungen.

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Jonah Gebka, Out of the Picture, 2025, Acryl und Vinyl auf Leinwand, 246 x 110 cm, Foto: Julia Milberger, courtesy Boutwell Schabrowsky Gallery.

Gebka zeigt in seiner Einzelausstellung “Must Be the Weather” bei Boutwell Schabrowsky neue, großformatige Gemälde und kleine Aquarelle, die vertraute Blickachsen in und aus den eigenen vier Wänden abbilden. Dabei nimmt Gebka in seinen Malereien direkten Bezug auf den Raum, in dem sie gezeigt werden: Seit Anfang 2024 finden die Ausstellungen der Boutwell Schabrowsky Galerie in einer Altbauwohnung im dritten Stock statt. Seine Arbeiten füllen die weißen Wände der ungewöhnlichen, bewohnten Galerie. Die schlicht eingerichtete Wohnung beinhaltet eine minimalistische Ausstattung: Bücher, Bett, Schreibtisch, Sofa, Kommode und Sessel. Gebkas Leinwände fügen sich fast nahtlos in die häusliche Umgebung ein, die sich in den Abbildungen widerspiegelt.

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Jonah Gebka, Dim Observer, 2025, Acryl und Vinyl auf Leinwand, 170 x 150 cm, Foto: Julia Milberger, courtesy Boutwell Schabrowsky Gallery.

Die Umrisse eines dunklen Fensterrahmens gliedern den oberen Bereich von Gebkas Gemälde “Dim Observer”. Zu sehen ist der Blick nach draußen, über die Häuserdächer einer dichten, urbanen Siedlung. Eine runde Deckenleuchte spiegelt sich in dem leicht bläulich schimmernden Glas des angedeuteten Fensters. Die untere Hälfte der Leinwand ist auf den ersten Blick nicht eindeutig zu entziffern: eine grüne und blaue, monochrome Fläche mit hellen, runden Kreisen, abgegrenzt vom Rest des Bildes durch einen dunklen, dünnen Balken. Was auf den ersten Blick an eine abstrakte Farbfläche erinnert, ist der Blick in eine digitale Landschaft auf einem Computerbildschirm. Die kleine, runde, dunkle Kamera im Rahmen des Bildschirms gibt den entscheidenden Hinweis.

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Jonah Gebka, Back in the City, 2025, Acryl und Vinyl auf Leinwand, 246 x 110 cm, Foto: Julia Milberger, courtesy Boutwell Schabrowsky Gallery.

Die Betrachter*innen von Gebkas Gemälden blicken somit simultan hinein und hinaus – hinein in den Bildschirm und hinaus über die Dächer der Stadt. Das Motiv des Fensters und des Bildschirms findet sich inhaltlich und formal in den weiteren Arbeiten der Ausstellung, die zum Teil an den Ausblick und die Maße der Fenster des Galerie-Apartments angelehnt sind. Die Hochformate seiner beiden Arbeiten “Back in the City” und “Out Of the Picture” erinnern an die hohen Balkontüren in der Küche mit Blick auf das schiefe Dach des Nachbarhauses.

Obwohl der in den beiden Werken abgebildete Ausblick  identisch ist, wirken die Abbildungen durch die gewählten Ausschnitte des Computers und die dargestellten Tageszeiten sehr unterschiedlich. Das warme Licht der Abenddämmerung und das kalte Blau eines sonnigen Tages erzeugen konträre Stimmungsbilder. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die gewählten Hintergrundbilder der Bildschirme, die überdimensional groß auch hier den unteren Bereich der Leinwände einnehmen.

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Jonah Gebka ,Ins and Outs (Serie) 2024, je Aquarell auf Papier, 22 x 19 cm, Foto: Julia Milberger, courtesy Boutwell Schabrowsky Gallery.

Gebka schafft es, vertraute Momente der Gegenwart in den eigenen vier Wänden auf der Leinwand einzufangen – persönlich und abstrakt zugleich. In stimmungsvolle Lichtsituationen getaucht erscheint das Alltägliche plötzlich poetisch. Der leuchtende Bildschirm wird zum atmosphärischen Abbild, der Ausblick aus der Wohnung zur träumerischen Landschaft. “Must Be the Weather” bei Boutwell Schabrowsky zeigt wortwörtlich intime Einblicke in den Wohnbereich, in den sich Gebkas Arbeiten harmonisch integrieren, und richtet gleichzeitig den Blick nach draußen, über die Dächer der Stadt. Vielleicht erinnert uns der Künstler auch einfach daran, innezuhalten und den Ausblick zu genießen – egal wie banal dieser erscheint.

WANN: Die Ausstellung “Must Be the Weather” läuft noch bis Samstag, den 6. September. 
WO: Boutwell Schabrowsky, Sandstraße 31, 80335 München.

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