Im Wohnhaus verwirbelt
Johannes Felder im Bernsteinzimmer

19. Mai 2020 • Text von

Wie begegnen sich Volumen und Fläche in einer Ausstellung? In Johannes Felders aktueller Werkschau, die kurz nach ihrer Eröffnung der Krise zum Opfer fiel und jetzt bis Ende Mai verlängert wurde, wird ein neugotischer Innenraum mit gestisch-abstrakter Malerei konfrontiert. Das Ergebnis ist bemerkenswert.

Blick in die Ausstellung: Johannes Felder, „Spiegelflut“ © und Foto: the artist und VG Bildkunst Bonn, 2020

In der aktuellen Ausstellung geschieht etwas Wundersames mit dem Innenraum der Galerie und den Bildern von Johannes Felder: „Spiegelflut“ ist eine Sammlung von Werken aus verschiedenen Schaffensphasen des Malers, der seit Jahren mit figürlichen Assoziationen, barocken Gesten und abstrakten Farbsetzungen ringt. Die Arbeiten sind hochdynamisch, sie ziehen den Blick in ihre monumentalen Wirbeln oder versetzen den Bildraum in Drehung wie ein tanzender Derwisch. Dabei ist eine formale Entwicklung in den Schaffensphasen erkennbar: Waren die frühen Arbeiten noch erzählerischer und leichter als etwas zu benennen, das man als Betrachter kennt, so haben sich manche der neuen Arbeiten von diesen gewohnten Assoziationen entfernt. Das Bild „o. T.“ von 2020 lässt womöglich noch entfernt an Wolkenformationen denken, oder an die malerischen Lichteffekte, die von der Sonne an leicht bewölkten Tagen gezeichnet werden. Aber diese Erinnerungen treten in den Hintergrund angesichts der Pinselstriche, der verschieden ausgeführten Areale und der hochkomplexen Farbmischung. Je näher man dem Bild kommt, desto mehr löst das Motiv sich in seine Einzelteile auf, in die verschiedenen Maltechniken und Schichtungen.

Johannes Felder, o. T., 2020, 100x58cm © und Foto: the artist und VG Bildkunst Bonn, 2020

Das ist eine grundlegende Basis von Johannes Felders Arbeiten, die man auch schon in der Ausstellung 2018 in den villenartigen Räumen BÜHLERS beobachten konnte (gallerytalk berichtete), und auch damals stellten die Bilder sich in eine sehr sensible Beziehung zur Architektur: damals betonte die Ausformung der Innenräume die barocken Farb- und Formwelten, die Werke erinnerten hier mitunter vom Bildaufbau her an die dynamisch verzwirbelten Bildkompositionen von Rubens. In der Galerie Bernsteinzimmer kann man diese Wechselwirkung erneut beobachten, diesmal steht den Malereien die raue, etwas verwachsene Umgebung eines Wohngebäudes gegenüber. Die an dieses ehemalige Wohnhaus angrenzende Mühle und ihre bauliche Umgebung wurde bereits von Albrecht Dürer als pittoresk wahrgenommen; das heutige Galerie- und Ateliergebäude wurde im Lauf der Jahrhunderte innen und außen mehrmals umgebaut und modernisiert, der aktuelle bauliche Eindruck beruht auf Ein- und Umbauten aus dem 17. und 19. Jahrhundert.

Johannes Felder, Spiegelflut, 2019, 60 x 80cm © und Foto: the artist und VG Bildkunst Bonn, 2020

In dieser Umgebung scheinen die Bilder sich nun zu wandeln, die erdigen Farbtöne und die unebenen Strukturen treten optisch hervor. Manche der kleinen Arbeiten fügen sich in den Raum wie abstrakte Andachtsbilder. Das sind Erfahrungen, die sich im Digitalen nicht angemessen vermitteln lassen, darum sollte man den analogen Besuch unbedingt einplanen.

WANN: Die Ausstellung läuft noch bis zum Sonntag, den 31. Mai. Die Galerie ist geöffnet am Samstag und Sonntag von 15 bis 19 Uhr und nach telefonischer Terminvereinbarung (0176 / 84 56 55 65). In den Räumen dürfen sich aktuell zwei Personen gleichzeitig aufhalten.
WO: Galerie Bernsteinzimmer, Großweidenmühlstraße 11, Nürnberg-Johannis.

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