Hybrides Material
"Flachware" bei Bark Berlin und im Internet

25. März 2020 • Text von

Viele Galerien und Museen wagen in Zeiten von coronösen Beschränkungen den beherzten Schritt ins Internet. Auch die Ausstellung Flachware in der Bark Berlin Gallery ist ein Hybrid, das Möglichkeiten sucht, künstlerische Räume neu sichtbar zu machen.

Ausstellungsansicht: Flachware – kuratiert von Polina Piagin, BARK BERLIN*GALLERY. (Bitte Hände waschen nicht vergessen).

Für alle Beteiligten war es eine neue, intensive Erfahrung, in den aktuell unsicheren Zeiten eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Geplant war die Show vor den sich jetzt fast täglich ändernden Verwerfungen. Mit der neuen Situation sind die Beteiligten der Ausstellung “Flachware” unterschiedlich umgegangen. Dennoch haben sich die Kuratorin Polina Piagin und die Künstler*innen Aaron Scheer, Linus Rauch und Ria Patricia Röder gemeinsam gegen eine Absage und für den Versuch entschieden, einen Weg zu finden, auch jetzt Kunst in der Bark Berlin Gallery zu präsentieren.

Aaron Scheer: gogl-drive-icon, 2019, Pigmentdruck (li.), 286 Photos, 2019, Pigmentdruck, BARK BERLIN*GALLERY.

Um eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Repräsentationsebenen verschiedener Medien sollte es in der Ausstellung bereits von Anfang an gehen. Aaron Scheer und Linus Rauch begreifen ihre persönliche künstlerische Praxis als “Malerei” im weiteren Sinn. Auch wenn sie nicht mit den klassischen Mitteln, pastose Farben, die auf einen Bildträger aufgetragen werden, arbeiten, so bedienen sie sich doch bei den Prinzipien von Malerei: Komposition und Schichtung. Aaron Scheer sieht seine Herangehensweise als zeitgenössische Malerei mit digitalen Materialien, angesiedelt irgendwo zwischen den Polen “Post-Analog” und “Post-Digital”.

Linus Rauch: Untitled, 2019, BARK BERLIN*GALLERY.

Linus Rauch verwendet in seiner Arbeit eine Vielzahl von Materialien, von gefunden Stoffen und Gips bis hin zu unterschiedlichen Farbe und Papier, und nutzt sie als Vokabular-Ressourcen bei dem Versuch, ein komplexes Gefüge aus Verweisen und spannen. Seine künstlerische Praxis ist minimalistisch und klar, dennoch entwickelt sie eine Tiefe, die aus der Oberfläche. Ria Patricia Röder wiederum transformiert in ihren „Scanograms“ zwei- und drei-dimensionale Objekte aus dem Analogen ins Digitale, aus dem Räumlichen in die Fläche.

Ria Patricia Röder: Tissue, 2017 (li.), Display, 2018 (re.), BARK BERLIN*GALLERY.

Die Gegenüberstellung der künstlerischen Positionen von Scheer, Rauch und Röder in der Ausstellung „Flachware“ soll Dimensionalitäten und Perspektiven thematisieren und neue Möglichkeiten untersuchen, Räume wahrzunehmen. Angesichts der neuen Bedingungen, die der aktuellen Situation geschuldet sind, eröffnen sich zudem noch zusätzliche Ebenen. Da es in Berlin im Lock-Down-Mode so gut wie unmöglich war, einen Fotografen zu finden, gibt es nur begrenztes dokumentarisches Bildmaterial. Dass die Arbeiten von Ria Patricia Röder zudem mit Photoshop in die Ausstellungsansichten montiert sind, da die Künstlerin das Haus nicht verlassen wollte, vertsärkt den Eindruck einer Ausstellung im Wahrnehmungs-Schwebezustand.

„Flachware“ ist eine Ausstellung, die zwar in der Realität existiert, jedoch keine echten Besucher hat. Sie wird im Web präsentiert, die gezeigten Bilder aber sind digital manipuliert. Auch diese Review kann sich nur auf die Bilder und den Text der Kuratorin beziehen und so lediglich als Meta-Text fungieren. Dass die Präsentation von Kunst unter solchen Bedingungen für Künstler, Vermittler und Rezipienten gleichermaßen funktionieren kann, ist eine der neuen Aufgaben in diesen turbulenten Zeiten.

WANN: Noch zu sehen bis Donnerstag, den 2. April. 
WO: Von außen in der Bark Berlin Gallery, Köthenerstr. 28, 10963 Berlin sowie online.

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