HUMAN F(R)IGHT - Coco Wasabi

15. Februar 2016 • Text von

Wir haben uns mit der österreichischen Künstlerin Coco Wasabi und ihrem Hund Nerino auf einen Cafe getroffen und über ihre aktuelle Ausstellung Human F(r)ight im „project room“ in der Galerie Hilger Next geplaudert. Dort präsentiert Coco Wasabi gerade ihre Collagen in sehr schönem Ambiente. Neben Madonna, Hitler und Jesus ist auch Mickey Mouse anzutreffen. Bei ihren Arbeiten harmonisieren Farbe und Perspektive, doch ist es die Message, die dazu in „Disharmony“ steht.

gallerytalk.net: Der Titel deiner aktuellen Ausstellung im project room bei Hilger Next heißt Human F(r)ight? Wie bist du zu diesem Titel gekommen?
Es ist ja immer ein bisschen schwierig sich einen Titel für eine Ausstellung zu überlegen. Meine Collagen sind meistens sozialkritisch und für mich liegen Kampf und Angst nahe beieinander. Mir geht es darum die Besucher zum Nachdenken anzuregen und Positionen in Frage zu stellen. Viele Menschen haben es verlernt, sich eine eigene Meinung zu bilden und hier ist die Collage einfach ein gutes Medium: Da ist ein Foto, das eine ganz bestimmte Aussage hat und du reist es nun aus seinem ursprünglichen Kontext und baust eine ganz neue Welt damit. Im project room bei Hilger sind jetzt auf engstem Raum Jesus, Hitler, Madonna und Mickey Mouse ausgestellt. Es war vielleicht etwas gewagt, aber die Galerie ist sehr entspannt damit umgegangen.

Ausstellungsansicht. Copyright of Gallery Ernst Hilger/Katharina Stögmüller.

Ausstellungsansicht. Copyright of Gallery Ernst Hilger/Katharina Stögmüller.

Die zentralen Themen deiner Collagen sind oft politisch und religiös. Was willst du mit diesen Motiven verarbeiten?
Politik und besonders Religion sind Themen, die öffentlich zu wenig hinterfragt bzw. zur Schau gestellt werden. Das Schöne an Kunst ist hier ein Medium zu finden, für genau diese öffentliche Auseinandersetzung mit solchen Themen. Dennoch ist es sehr schwer ein Bild zu erklären und es ist eigentlich auch genau das, was ich nicht will. Ich möchte, dass die Leute selber nachdenken. Mich hat einmal eine Frau gefragt, was auf der Collage „Mickey“ zu sehen ist. Ich habe sie gebeten, mir zuerst ihre Meinung zu verraten. Sie hat geglaubt, dass sich im Hintergrund eine Schneekugel befindet, aus der Wasserstrahlen herausspritzen. Toll – das habe ich noch nie so gesehen. Hätte ich ihr meine Interpretation gesagt, hätte ich ihre Fantasie zerstört. Diese Welt wäre wesentlich friedlicher und harmonischer, wenn die Menschen mehr Fantasie hätten. Wenn du ein Buch liest, hast du zig Bilder in deinem Kopf, schaust du dir dann den Film dazu an, sind alle diese Bilder verschwunden. Das gleiche passiert in der Kunst. Man kann Werke auf verschiedene Arten auf sich wirken lassen, sie fühlen, verstehen oder einfach von ihnen inspiriert werden.

Mickey. Copyright: Coco Wasabi.

Mickey. Copyright: Coco Wasabi.

Du hast Bildhauerei auf der Kunstschule bei Leslie De Melo studiert, jetzt bist du an der Akademie in der Richter-Klasse „Erweiteter malerischer Raum“. Welchen Einfluss hatten diese Ausbildungen auf dein Schaffen?
Die Bildhauerei ist und war auf jeden Fall sehr prägend für mich. Ich war bei diesem Studium noch recht jung und habe in dieser Zeit viel über Perspektive, Tiefe und Symmetrie gelernt. Deshalb habe ich auch immer das Bedürfnis, dass meine Collagen funktionieren: Auch wenn sie nicht alle zusammengehören, sollen sie wie ein gesamtes Werk wirken. Daniel Richter hat mir schon öfter gesagt, ich könnte versuchen diesen Gedanken zu überwinden, diesen Hang zur Perfektion und Symmetrie. Es fällt mir aber beispielsweise sehr schwer den Bildaufbau chaotischer zu gestalten. Wenn ich Rosa hasse, werde ich auch keine Serie nur in diesem Farbton herstellen. Es ist eine Gefühlssache.

Wann hast du angefangen Collagen zu produzieren?
Ich habe aufgehört Bildhauerei zu studieren, davor war ich in der Modeschule. Ich habe gemerkt: Mode ist es nicht, Bildhauerei auch nicht. Mit meinem damaligen Partner habe ich irgendwann begonnen, am Abend winzige Sachen mit Pinzette und Nagelschere auszuschneiden. Nach und nach sind Leute gekommen und haben mich gefragt, ob ich ihnen den einen oder anderen Flyer gestalten kann. So entdeckte ich ein neues Talent an mir und habe diese Technik seitdem immer erweitert und verfeinert und so eine ganz neue Richtung für mich gefunden.

Copyright of Gallery Ernst Hilger/Katharina Stögmüller.

Copyright of Gallery Ernst Hilger/Katharina Stögmüller.

Mit welchen Materialien arbeitest du?
Schere, Uhu, Kleister. Manchmal mit dem Computer für digitale Collagen. Digital hat man mehr Möglichkeiten, kann einzelne Elemente einfach vergrößern, verkleinern oder die Farbe ändern. Das macht aber nicht ganz so viel Spaß, da fehlt mir irgendwie das Haptische. Von der Wertigkeit sind die digitalen Arbeiten für mich aber gleich. Es dauert oft sogar länger sie herzustellen. Bei der Ausstellung „Roter Teppich für junge Kunst“ bei Manuel Gras im Künstlerhaus hab ich eine sechs Meter hohe Wand bespielen dürfen, die Größe von 400 x 170 cm war digital wesentlich leichter umzusetzen.

Du reist Bilder aus ihrem Kontext und setzt sie in eine neue Welt. Hast du einen kunstgeschichtlichen Zugang zu deinen Themen?
Manchmal schon, es kommt darauf an. Manche Bilder entstehen rein impulsiv, bei anderen geht es darum, ein bestimmtes Thema zu bearbeiten. Ich habe mittlerweile ein wahnsinnig großes Sammelsurium an schon ausgeschnittenen Bildern, bei denen ich oft den ursprünglichen Kontext nicht mehr weiß, da die Images mehrere Jahre alt sind. An sich mag ich dieses impulsive Arbeiten lieber.

Love me Tiger. Copyright: Coco Wasabi.

Love me Tiger. Copyright: Coco Wasabi.

Und wann weißt du, ob eine Collage vollendet ist?
Es ist einfach ein Gefühl: Jetzt ist sie fertig. Es gibt auch Bilder, die werden seit Jahren nicht fertig. Wenn zum Beispiel ein Layer gut reinpasst, aber die Farbe oder die Perspektive nicht stimmt, dann ist es nicht vollendet. Bei meinen Collagen ist es ja immer so, dass die Bedeutung disharmoniert, optisch aber sehr wohl Harmonie herrscht. Also die Werke sind symmetrisch, Farben und Perspektive gehen Hand in Hand. Aber die Bedeutung der Collage steht genau im Gegensatz dazu.

Es zieht Künstler ja oft von Wien nach Berlin oder London. Wolltest du nie ins Ausland gehen, um dort Karriere zu machen?
Nein, ich habe ja seit elf Jahren meinen geliebten Hund Nerino. Der ist für mich sehr wichtig und ich lasse ihn nicht im Stich. Außerdem ist die Uni in Wien der Wahnsinn. Man hat genug Platz und Zeit, es herrscht keine Hektik. Ich liebe Wien. Ich war vor meinem Studium fünf Jahre lang auf Reisen, habe viel gesehen und erlebt. Das war eine wahnsinnig wichtige Zeit für mich, aber jetzt es ist Zeit aus der Kunst einen Beruf zu machen, und das ist viel Arbeit. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich das im Ausland bewältigen würde. Für mich macht es einfach absolut Sinn hier zu sein. In Wien habe ich mir in den letzten Jahren ein soziales Netzwerk aufgebaut, das für mich als Mensch und Künstlerin sehr wichtig ist. Ich kann auf die Unterstützung von meinen Freunden und meiner Familie zählen. Und ich habe gelernt: Wien ist die coolste Stadt der Welt! Ich liebe sie, ich kann mich über nichts beschweren. Ja die Österreicher sind manchmal grantig aber ernsthaft: wo geht es einem so gut wie in dieser Stadt?

Copyright: Julie Brass.

Coco Wasabi mit Hund Nerino. Copyright: Julie Brass.

Und was gibt es für dich neben der Kunst? Wovon lässt du dich inspirieren?
Mich inspiriert das Leben im Allgemeinen. z.B. meine Fernbeziehung bringt mich immer auf neue Gedanken. Wir lassen uns ständig etwas Anderes einfallen, treffen uns in Linz, Berlin oder an einem ganz neuen Ort. Aber auch in Wien gibt es so viele coole Orte vom Haus des Meeres bis zum Kunsthistorischen Museum, die mich auf verschiedene Weise inspirieren, ich möchte mich da gar nicht festlegen. Besonders Tiere liebe ich über alles, sie inspirieren mich wahnsinnig! Oder auch Kinder können mit ihrem naiven Weltverständnis sehr viel in mir bewegen, da es ihnen sehr leicht fällt Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Einmal im Monat fahre ich dann nach Hause nach Niederösterreich. Ich hab einen Neffen und eine Nichte, sechs und drei Jahre alt. Letztens erzählt mir mein Neffe, dass er schon voll viel Geld am Sparbuch hat. Ich sagte ihm, das find ich super, sollte auch mehr sparen. Woraufhin er meinte: Soll ich dir sagen warum du kein Geld hast? Ich lachte und sagte: ja bitte lieber Felix. Die Antwort war: Weil du so viel rauchst!

Noch eine letzte Frage Coco, wie schaut denn das kommende Jahr für dich aus?
Ich bin gerade dabei die Technik und vorallem die Grösse der Bilder neu umzusetzen. Auch die erste Serie wird entstehen. Am besten man lässt sich überraschen! Ausstellungen in Berlin, London und Wien sind auf jedenfall geplant, und ich freue mich auf alle kommenden Projekte. 

WANN:  Die Ausstellung läuft noch bis 20.2, also unbedingt die Woche noch hinschauen!
WO: project room @ NEXT. Absberggasse 27/2.3, 1100 Wien

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