Hamburger Kunstgriff
21.03. – 03.04.19

21. März 2019 • Text von

Dreimal Eleganz und einmal Bling – so lässt sich das Kunsttreiben der nächsten Wochen für die Hansestadt zusammenfassen. Da gibt es subtile Papierskulpturen von Angela Glacjars, poetische Gemälde von Goutam Ghosh, kunsttheoretische Referenzen im Nachtspeicher23 und das Kontrastprogramm in den Deichtorhallen. Hier zeigt Lauren Greenfield, was geradezu obszöner Reichtum mit den Menschen macht.

Ausstellungsansicht Angela Glajcar: Terforation, Galerie Nanna Preußners, Hamburg 2015, Foto: Gudrun Gewecke

„Snowblind“ bezeichnet einen äußerst unangenehmen Zustand, eine Art Sonnenbrand auf der Hornhaut, der unter anderem durch die gleißenden Reflexionen der Sonne auf Schnee eintritt. Angela Glajcars Kunst in der Galerie Nanna Preußners hat keine derartigen medizinischen Konsequenzen. Sie sticht stattdessen durch den eleganten Einsatz gerissenen Papiers ins Auge. Das Ausgesparte, das Nichts, ist genauso Teil der Arbeit, wie das weiße Blatt. Hinter- und übereinandergeschichtet ergeben sich geologisch anmutende Formationen, die an Höhlen, Gletscher, Erdschichten oder Wellen erinnern.

WANN: Eröffnet wird am Freitag, den 22. März, ab 18 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend. Die Ausstellung ist Teil des Rundgangs der Galerien im Kontorhausviertel.
WO:
Galerie Nanna Preußners, Klosterwall 13, 20095 Hamburg.

Goutam Ghosh: Trick in the tent, 2018 Foto: Vegard Kleven Courtesy of the artist and Standard (Oslo), Oslo

In direkter Nachbarschaft, im Kunsthaus Hamburg, zeigt Goutam Ghosh seine erste institutionelle Einzelausstellung. Der indischstämmige Künstler verbindet in seinen Gemälden Einflüsse aus Religion, Magie, Naturwissenschaften, Musik und traditioneller indischer Philosophie. In diesem Spannungsfeld entwickelt Ghosh eine poetische Bildsprache. Sie ist gleichsam gestisch und detailreich, zuweilen zeichenhaft, voller akzentuierter Farbigkeit. Neben den Gemälden ist auch der Film „PAARA“ zu sehen, in dem Ghosh in Kooperation mit dem norwegischen Künstler Jason Havneraas die fiktiven Erinnerungen eines indischen Magiers erzählt.

WANN: Los geht’s ebenfalls am Freitag, den 22. März, um 19 Uhr. Am Montag, den 08. April, findet ein Künstlergespräch zwischen Catherine David (Centre Pompidou) und Goutam Ghosh statt.
WO:
Kunsthaus Hamburg, Klosterwall 15, 20095 Hamburg.

Karla Marchesi: Wings of desire, 2018

Völlig aus der Mode – „outmoded“ – so präsentiert sich die kommende Ausstellung im Nachtspeicher23. Katja Schwinn, Virginie Mossé, Annika Unterburg und Karla Marchesi zeigen Kunst, die aus der Zeit gefallen ist. Die Künstlerinnen widersetzen sich der ewigen Raserei nach dem Neuesten und entwerfen eigene Vorstellungen von Gleichzeitlichkeit. Katja Schwinn etwa eignet sich moderne, abstrakte Malerei an und überträgt sie in die Dreidimensionalität. Eine ähnliche Strategie der Aneignung und Transformation ist in den installativen Arbeiten Virginie Mossés zu finden. Verschiedene kunsttheoretische Ideen, etwa zur Farbtheorie, werden von Annika Unterburg in eine eigene, ungewöhnliche Materialität überführt. Karla Marchesi hingegen aktualisiert barocke Stillleben mit bunten Übermalungen und autobiografischen Referenzen.

WANN: Eröffnung wird am Freitag, den 29. März, um 19 Uhr gefeiert.
WO:
Nachtspeicher23, Lindenstraße 23, 20099 Hamburg.

Jackie, 41, und Freunde mit Versace-Handtaschen bei einer privaten Eröffnung im Versace Store, Beverly Hills, 2007. Eine Versace-Anhängerin, Jackie, kaufte regelmäßig aus den monatlichen Lieferungen neuer Ware, die das Designhaus zu ihr nach Hause schickte. Lauren Greenfield/Institute © Lauren Greenfield

Lauren Greenfield befasst sich seit einem Vierteljahrhundert mit dem Phänomen Reichtum beziehungsweise der „Generation Wealth“ – so der Titel ihres aktuellen Films und der Ausstellung in den Deichtorhallen. Greenfield portraitiert in ihren Filmen und Fotografien Menschen, deren ganzes Streben auf der Ansammlung von Besitz, Statusobjekten und Geld liegt. Woher kommt dieser Wunsch, reich zu sein? Dieser Frage geht die Ausstellung in über 200 Fotografien, Filmen und Interviews nach. Für ihre Recherche ist Greenfield um die ganze Welt gereist, hat Superreiche, Berühmtheiten und Wannabes abgelichtet und hinter die Fassade ihres Wohlstandes geschaut.

WANN: „Generation Wealth“ startet am Freitag, den 29. März, um 19 Uhr, die Künstlerin ist anwesend.
WO:
Haus der Photographie / Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstr. 1-2, 20095 Hamburg.

 

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