Hamburger Kunstgriff
27.10. - 02.11.16

27. Oktober 2016 • Text von

Winterschlaf halten, wär das nicht fein? Einfach eingemummelt im Bett zu bleiben, bis es draußen weniger garstig ist, klingt erstmal wirklich verlockend. Nicht jedoch, wenn man weiß, was man in Hamburg alles verpassen würde. 

Annette von Bülow: Drei Pyramiden

Annette von Bülow: Drei Pyramiden

Auch Ecken und Kanten können eine runde Sache sein. Eindrucksvolles Beispiel: die thematische Gruppenausstellung „an·ecken“ in der xpon-art gallery. Dem kantigen Titel zum Trotz schlagen die 16 künstlerischen Positionen einen weiten Bogen zwischen vielen unterschiedlichen Themenkreisen. Sind nicht gerade Politik und Medienrealität äußerst kantige Gebilde? Ist Nacktheit anstößig? Und kann Kunst heute noch anecken? Ein großer Teil der Arbeiten widmet sich Tabuthemen und Grenzbereichen, den Ecken und Kanten dieser Gesellschaft – nicht ohne selbst die ein oder andere Spitze zu setzen. Ebenfalls kontrovers, doch eher in einem architektonisch-konkreten Sinne kantig, werden die Ecken des dekonstruktivistischen Jüdischen Museums Berlin von Daniel Libeskind in einer Fotoserie von Helge Mundt dargestellt. Annette von Bülows Objekte spielen formal und inhaltlich mit dem Aufeinandertreffen von Mensch und Natur. Der Betrachter der in ihren Werken vereinten Antagonisten mag vielleicht denken: „Das Runde muss ins Eckige“. Famos, wie bildlich die deutsche Sprache manchmal doch ist.

WANN: Die Eröffnung ist heute um 20 Uhr, begutachten könnt ihr die Arbeiten bis Sonntag, den 27. November. Falls ihr mit einem guten Brunch locken lasst, sei euch die Finissage besonders ans Herz gelegt.
WO: In der xpon-art gallery, Repsoldstraße 45.

Klaus J. Schoen: 158

Klaus J. Schoen: 158

Schön geometrisch geht es auch nebenan in der Galerie Renate Kammer zu. Hier gibt es Werke aus drei Jahrzehnten des Malers Klaus J. Schoen zu sehen. Der in Berlin lebende Künstler gliedert seine Leinwände durch unterschiedlich breite Streifen und Flächen. Farben und Formen werden zu Intervallen, ja harmonischen Rhythmen. Das Zusammenspiel von Ausrichtung und Farbgebung bricht mit den optischen Erwartungen des Betrachters und somit wird der in aller Regel rechteckige oder quadratische Bildträger durch Unregelmäßigkeiten gezielt erweitert. Daraus resultiert eine bestechend klare, konsequent reduzierte Form- und Farbsprache von hohem Wiedererkennungswort.

WANN: Die Vernissage beginnt heute um 19 Uhr, die Werke hängen bis Samstag, den 26. November.
WO: In der Galerie Renate Kammer, Münzplatz 11.

Arne Lösekann: Nest der alltäglichen Optimierung.

Arne Lösekann: Nest der alltäglichen Optimierung.

Traurig, aber wahr: Das Elektrohaus ist auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Wie treffend, dass sich Florian Huber und Arne Lösekann in einer gemeinsamen Ausstellung im E-Haus eindringlich mit den Themen Heimat und Geborgenheit auseinandersetzen. Der seit 2002 existierende Offraum mit 14 Ateliers hat sich als einer der wichtigsten Räume für junge Künstler über Hamburgs Grenzen hinweg etabliert, so dass dessen Verlust schlicht undenkbar scheint. Vielleicht kennt ihr ja jemanden, der jemanden kennt? Zumindest die immer gleichen weißen Wäschereibügel, die kennt wohl jeder. Was dem Einen fester Alltagsbestandteil, begegnet dem Anderen nur auf Dienstreisen fernab der Heimat. Weil es an natürlichem Material fehlt, dienen die Drahtbügel in Tokio Vögeln zum Nestbau. Lösekanns Nest-Installation wäre zumindest groß genug, um einen Menschen zu beherbergen. Mindestens 300qm braucht das Elektrohaus, um weiter bestehen zu können.

WANN: Eröffnet wird „Wiegenlieder“ am Freitag, den 28. Oktober ab 20 Uhr und ist nach Absprache bis zum 03. November zu sehen.
WO: Im Elektrohaus, Pulverteich 13.

Falls Ihr nicht gerade eine derartige Immobilie aus dem Hut zaubern könnt, solltet ihr Solidarität in Form von Rausch und Ekstase zum Ausdruck bringen, wenn in der Nacht von Freitag, dem 28. Oktober der Golden Pudel Club auf Kampnagel zum Tanz bittet. Zur Belohnung werdet ihr am Samstag, den 29. Oktober bei den jungen Freunden an die Hand genommen, die euch von 14-15 Uhr durch die Visualleader 2016 in den Deichtorhallen führen.

Weitere Artikel aus Hamburg