Hamburger Kunstgriff
12.03. – 25.03.20

12. März 2020 • Text von

+++ Aufgrund der Allgemeinverfügung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz vom 15.03.2020 bleiben Museen und Ausstellungshäuser vorerst bis zum 30.04.2020 geschlossen. +++

In den Deichtorhallen zeigen neun Nachwuchsfotograf*innen ihr Können. Im Kunsthaus Hamburg gehen Véréna Paravel und Lucien Castaing-Taylor in ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland dem menschlichen Dasein auf den Grund. Und in der Galerie Evelyn Drewes trifft Buntstift-Fotorealismus auf opulente abstrahierende Figuration in Öl.

Markus Seibel: Europas Herbst / Europe’s Fall, 2012-2019 © www.guteaussichten.org.

Markus Seibel: Europas Herbst / Europe’s Fall, 2012-2019 © www.guteaussichten.org.

+++ ABGESAGT +++

Zum 16. Mal zeigen die Deichtorhallen die Arbeiten von neun ausgewählten Nachwuchsfotograf*innen, die ihr Studium an renommierten Hochschulen im Bereich der Fotografie abgeschlossen haben, in einer gemeinsamen Ausstellung. Spannend ist dabei nicht nur jede einzelne künstlerische Position, sondern auch der gemeinsame Nenner, der sich in thematischer Hinsicht aus den Arbeiten der Nachwuchsgeneration herausdestillieren lässt. Dieses Jahr lautet er: »Krieg und Frieden in Zeiten globaler Desinformation«. Man darf dabei auch gespannt sein, wie sich die zu den Digital Natives gehörenden Preisträger*innen gerade zur Rolle und Macht der Bilder in einer Ära der viralen Phänomene und einer häufigen Verunsicherung in der Bevölkerung positionieren.

WANN: Die Ausstellung „GUTE AUSSICHTEN 2019/2020“ ist ab Samstag, den 21. März zu sehen. Danach habt ihr noch bis zum 14. Juni Zeit für einen Besuch.
WO: Deichtorhallen (Haus der Photographie), Deichtorstraße 1, 20095 Hamburg.

Véréna Paravel / Lucien Castaing-Taylor: Ah humanity!, 2015, Filmstill, Courtesy: Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor & LUX London.

Véréna Paravel / Lucien Castaing-Taylor: Ah humanity!, 2015, Filmstill, Courtesy: Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor & LUX London.

Véréna Paravel und Lucien Casaing-Taylor werfen im Kunsthaus Hamburg herkömmliche Differenzierungen zwischen Film, Dokumentation, anthropologischer Studie und bildender Kunst über den Haufen. Wer braucht denn auch so formalistische Abgrenzungen, wenn es schließlich um ganz Grundsätzliches geht: das menschliche Dasein an sich, die psychologischen und sozialen Eigentümlichkeiten menschlichen Verhaltens und gerade auch um dessen Widersinnigkeit, wenn es um die Beziehung des Menschen zu seinen eigenen Lebensgrundlagen geht – Stichwort Umweltkatastrophen und Klimaschutzdebatte. Der angesichts dieser Inhaltsfülle herrlich pointierte Titel „Ah, humanity!“ sollte dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Künstler den Anspruch haben, ihr Arbeitsthema in aller Vielschichtigkeit zu beleuchten.

WANN: Paravel und Castaing-Taylor laden am Montag, den 23. März um 19 Uhr zur Vernissage. Wer die Eröffnung verpasst, kann danach noch bis zu 24. Mai am Klosterwall vorbeischauen.
WO: Kunsthaus Hamburg,
Klosterwall 15, 20095 Hamburg.

Andreana Dobreva: Leda und der Schwan, Öl auf Leinwand, 90 x 80 cm, 2019 © Andreana Dobreva.

Andreana Dobreva: Leda und der Schwan, Öl auf Leinwand, 90 x 80 cm, 2019 © Andreana Dobreva.

Bei Evelyn Drewes gibt es nicht nur die neuen Galerieräume in der alten Wollfabrik in Rothenburgsort zu bestaunen, sondern auch „Happy painting and God bless“, eine Gemeinschaftsausstellung von Andreana Dobreva und Alexandre Karaïvanov. Karaïvanovs fotorealistische Buntstiftzeichnungen zeigen untypische Ausschnitte unglamouröser alltäglicher Dinge und Orte, von alten Duschschläuchen bis zu Zigarettenkippen auf schlecht verfugtem Fliesenboden. Dobreva findet in ihren verschlungenen und in der Farbwahl und Motivik geheimnisvollen bis unheimlichen Arbeiten ihren eigenen Zugang zum abstrahierten Figurativen. Beide spielen mit der Perspektive und dem ästhetischen Empfinden der Betrachter*innen. Was der schmissige Titel der Ausstellung damit zu tun hat? „Happy painting and God bless“ ist eine Anspielung auf den Maler Bob Ross und seine TV-Show „The Joy of Painting“, denn Dobrova und Karaïvanov geht es trotz ihrer mitunter wenig unbeschwerten Arbeitsthemen vor allem um Spaß und Freude an der Kreativität.

WANN: Die Vernissage ist am Freitag, den 20. März ab 18 Uhr. Die Ausstellung läuft danach bis zum 16. April. Gezeigt werden daneben übrigens im „lab I/2020“ auch Arbeiten von Thorben Eggers.
WO: Evelyn Drewes Galerie, Brandshofer Deich 52 (Hamburger Wollfabrik), 20539 Hamburg.

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