Hamburger Kunstgriff
08.12. - 14.12.16

8. Dezember 2016 • Text von

Unsere Überschrift für diese Woche lautet „Geben und Nehmen“. Gewichtszunahme durch Zimtsterne in Kauf nehmen, wegen der OSZE lieber’s Rad nehmen, auf der Weihnachtsfeier diesmal echt nur ein bisschen die Kante geben. Und so langsam aber sicher Geschenke…äh, kaufen.

Dave the Chimp: The Flower Thrower

Dave the Chimp: The Flower Thrower

Fündig werden könntet ihr dazu beispielsweise unter dem Dach unserer Lieblingsprimzahl. City Canvas haben sich mit der Urbanshit Gallery und Urbanskills zusammengetan und laden zur „Edition 1“ in die Schanze, genauer ins Haus 73. Das neue Schanzenkino 73 wird bis zum 17. Dezember zu einem temporären Show Room für zeitgenössische Druckkunst. Hamburgs größter (con)temproary art store hat für euch Prints und Editionen von nicht weniger als 80 internationalen Künstlern und mit einer preislichen Obergrenze von 350 Gold ist sicher für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.

WANN: Die Eröffnungsrakte steigt morgen, Freitag den 9.Dezember ab 19 Uhr mit guten Drinks, Musik und live Printing bzw. Painting. Am Wochenende jeweils von 12 bis 19 Uhr, Dienstag bis Freitag zwischen 16 und 20 Uhr.
WO: Im Obergeschoss des Haus 73. Das ist, ihr ahnt es, in der Schanzenstraße 73 zu finden.

Gerald Chors: Campbell Dog

Gerald Chors: Campbell Dog

Mehr um’s Nehmen geht es in der xpon: Was ist in Zeiten von Reposts auf Facebook oder Instagram noch Original und was schon Kopie? Was ist Inspiration, was Urheberrechtsverletzung? Vierzehn künstlerische Positionen stellen sich unter der gemeinsamen Überschrift „[r] klaʊd“ diese und andere Fragen. Gerald Chors beispielsweise treibt es auf die Spitze – er stellt Fotos aus, die er nicht selbst angefertigt hat. Vielmehr stammen sie aus dem Nachlass von Konrad Kujau. Maler, Fälscher, Schlitzohr.  Auch, aber nicht nur, als Fälscher der Hitler-Tagebücher in die Geschichte eingegangen. Wobei nicht außer Acht gelassen werden darf, dass letztlich sogar Kujau selbst gefälscht wurde. Falls euch bei dem Stichwort Fälschung bloß der Name Beltracchi einfallen will oder ihr Kir Royal und Monaco Franze mochtet, sei euch anstelle eines Wikipedia-Artikels „Schtonk!“ vom großartigen Helmut Dietl ans Herz gelegt. Wo wir schon bei Ikonen sind. Sogar Andy Warhol steht bei „[r] klaʊd“ Pate. Warhol bediente sich großzügig an Motiven aus der Konsumwelt, auf Chors respektive Kujaus Polaroid bedient sich ein Hund aus der Campbell-Dose. Und apropos Wauwau: In Hamburg sagt man mopsen. Das Künstlerkollektiv Karento tut dies bei Jeff Koons und ist damit diese Woche nicht bloß in der Münzburg, sondern auch in der Galerie Genscher zu sehen. Doppelt gemoppelt hält halt besser.

WANN: Die Eröffnung ist bereits heute um 20 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 22. Januar 2017 jeweils Samstag bis Dienstag von 18 bis 21 Uhr. Vom 21. Dezember bis zum 1. Januar  bleibt die Galerie jedoch geschlossen.
WO: Fernab der OSZE-Sicherheitszonen, in der Repsoldstr. 45, findet ihr die xpon art gallery.

Doppeldenk: FreshIce

Doppeldenk: FreshIce

Die Affenfaust Galerie präsentiert euch schließlich mit „Totentanz“ eine große Einzelschau von Marcel Baer und Andreas Glauch aka. Doppeldenk. Die im Mittelalter aufkommende Darstellung des Totentanzes zeigt den Tod als gleichmachende Gewalt, die jeden zum Tanz auffordert. Egal, ob Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer oder Bettelmann – der Tod ist gewiss. Dem Wissen um die Sterblichkeit hat sich das Leipziger Künstlerduo gewidmet, das für die Verbindung von popkultureller Bildsprache und Mainstream-Symbolik mit subversiven Inhalten bekannt ist, und damit die Darstellungsform des Totentanzes in die Gegenwart geholt. 

WANN: Die Vernissage ist am Samstag, den 10. Dezember von 19-24 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 7. Januar und ist sowohl im alten als auch im neuen Jahr Mittwoch, Donnerstag und Samstag zwischen 14 und 18 Uhr zu.  Zwischen den Jahren ist auch die Affenfaust geschlossen.
WO: In der Paul-Roosen-Str. 43.

Zu guter Letzt noch einmal Inspiration für Lebensfreude und Gabentisch: In der Kunstbuchhandlung Sautter+Lackmann kann man sein Geld ausgesprochen gut in Geschenke umsetzen. Die Institution in der Admiralitätstraße lädt an den Adventssamstagen eigens eine Stunde länger, von 11 bis 19 Uhr, zum Stöbern ein.

 

Weitere Artikel aus Hamburg