Gallery Night: Galerientour zur Berlin Art Week Diese Ausstellungen solltet ihr nicht verpassen
9. September 2025 • Text von Anna Meinecke
Feierabend und die Galerien sind noch offen? In den Genuss kommen Besucher:innen der Gallery Night. Im Rahmen der Berlin Art Week eröffnen die Galerien des Gallery Weekend Berlin alle zeitgleich neue Ausstellungen. Unsere Favoriten könnt ihr mit etwas Einsatz vielleicht sogar an einem Abend abklappern.

Ebensberger Kapelle: Arhun Aksakal
Einst wurde im hessischen Werratal in großem Stil Salz gefördert, heute zieht der „Monte Kali“ genannte Kalisalzberg Tourist:innen an. Die antike Stadt Hasankeyf im Südosten der heutigen Türkei ist versunken unter den Wassermassen moderner Staudammprojekte. Und wo einst Braunkohle abgebaut wurde, feiern auf der „Ferropolis“ getauften Halbinsel in Sachsen-Anhalt Zehntausende zwischen alten Industriemaschinen. Bilder dieser Orte verbindet Arhun Aksakal in seinem Videoessay „Land Before Time“. Wie vergangene und gegenwärtige Zivilisationen auf Landschaften, Architektur und Erinnerung wirken, zeigt der Künstler am temporären Standort der Galerie Ebensberger in Moabit.
WANN: Die Ausstellung „Land Before Time“ von : Arhun Aksakal eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis zum 4. Oktober.
WO: Ebensperger Kapelle, Waldstraße 52, Hinterhof, 10551 Berlin.

Heidi: “Rapunzel, Rapunzel”
“Aha, du willst die Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest.” Wer hat’s gesagt? All denjenigen, die seit Jahren nichts mehr von den Brüdern Grimm gelesen haben, sei geholfen: Es war die böse Zauberin, kurz nachdem sie den Königssohn aufs Glatteis beziehungsweise hinauf in Rapunzels Turm gelockt hatte, um ihn über die Ausweglosigkeit seines Werbens in Kenntnis zu setzen. Die Galerie Heidi nutzt das Ende des Märchens als Text für die Gruppenausstellung “Rapunzel, Rapunzel”. Dort kreist, man ahnt es, alles ums Thema Haare – wie es verbindet, einschränkt, empowert oder isoliert. Arbeiten von sieben Künstler:innen, darunter Oscar Enberg, Frida Orupabo und Jim Shaw, beleuchten die unterschiedlichen Lesarten des Symbols Haare von Stärke oder Schönheit, über Verletzlichkeit bis hin zu Kontrolle.
WANN: Die Ausstellung “Rapunzel, Rapunzel” eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis zum 1. November.
WO: Heidi, Kurfürstenstraße 145, 10785 Berlin.
KOW: Monsieur Zohone
Unter dem Deckmantel des als schön Formulierten verbirgt sich nicht selten ein Herrschaftsanspruch. Passend also, dass Monsieur Zohone romantische Malerei und andere kunstgeschichtliche Referenzen, aber auch popkulturelle Bilder nutzt, mit Witz und eigenwilligem Materialeinsatz die Konstruktion nationaler Identitäten sowie alltägliche Momente von Gewalt zu visualisieren. Die Galerie KOW hat er während der vergangenen Wochen zunächst in sein Atelier verwandelt, um den Arbeitsort dann wieder zum Ausstellungsraum rückzubauen. Schließlich werden dort seine neu entstandenen Werke gezeigt. Auf Küchenrolle hat Monsieur Zohone visuelle Essays geschaffen. Im Rahmen der Ausstellung “Whether the Wether” sind sie als skulpturale Wand- und Rauminstallationen zu erleben.
WANN: Die Ausstellung “Whether the Weather” von Monsieur Zohone eröffnet am Donnerstag, den 11. September , von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis zum 1. November.
WO: KOW, Kurfürstenstraße 145, 10785 Berlin, Eingang via Frobenstraße.

Neugerriemschneider: Ho Tzu Nyen
Ein Uhrzeiger tickt, eine Kerze brennt ab, ein Pendel schwingt, ein Tiger beißt sich in den Schwanz. In seiner 43-Kanal-Videoinstallation “T for Time: Timepieces” bettet Ho Tzu Nyen unterschiedliche Zeitstücke ein in eine nichtlineare Erzählung von Zeitlichkeit. Mit seinen Arbeiten verknüpft der Künstler Legenden und Fiktion, Forschung und Fakten, um ungelösten gesellschaftlichen Fragen nachzugehen. Er nutzt dabei historische und formale Elemente aus bildender Kunst, Theater, Kino, Musik und Philosophie, um neue Zusammenhänge sichtbar zu machen. Die Galerie Neugerriemschneider vereint in der Ausstellung “2 stories: voids & times” zwei audiovisuelle Rauminstallationen Hos. Neben “T for Time” ist “Voice of Void” zu sehen.
WANN: Die Ausstellung “2 stories: voids & times” von Ho Tzu Nyen eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis zum 21. März 2026.
WO: neugerriemschneider, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin.

Noah Klink: Irina Jasnowski Pascual
Irina Jasnowski Pascual schafft mit installativen Anordnungen theatralische Szenen. Auf dem Weg dahin verfolgt sie kein starres Konzept. Vielmehr lässt sich die Künstlerin im Prozess von ihrer Intuition leiten, reagiert auf Materialien, fügt Organisches und Künstliches zusammen zu Strukturen, die im besten Fall als Impulsgeber funktionieren. Mit ihren Werken liefert Jasnowski Pascual in der Galerie Noah Klink den Anfang einer Erzählung. Betrachter:innen sind beim Besuch ihrer Ausstellung “Plane Volume” eingeladen, ein Ende zu fabulieren.
WANN: Die Ausstellung “Plane Volume” von Irina Jasnowski Pascual eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 21 Uhr. Sie läuft bis zum 11. Oktober.
WO: Galerie Noah Klink, Kulmer Straße 17, 10783 Berlin.

Isabella Bortolozzi: Marc Kokopeli
Eine gewisse Affinität zu nostalgischer Fernseherfahrung lässt sich Marc Kokopeli sicher nachsagen. Da wäre der Mini-Sisi-TV-Ring, eine Jahresgabe des Bonner Kunstvereins, auch der aufklappbare Apfelfernseher, der jüngst in New York bei Reena Spaulings zu sehen war. Mehr Fernsehskulpturen verspricht Kopelis Ausstellung “Now we are on Easy Street” in der Galerie Isabella Bortolozzi – inklusive kontrovers diskutierter Figuren, die denen aus einer beliebten, schlicht animierten Serie ähneln sollen. Cartman, is this you?
WANN: Die Ausstellung “Now we are on Easy Street” von Marc Kokopeli eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis zum 25. Oktober.
WO: Galerie Isabella Bortolozzi, Schöneberger Ufer 61, 10785 Berlin.

Trautwein Herleth: Carolyn Lazard
Zugang spielt im Werk von Carolyn Lazard eine entscheidende Rolle. Wo, wann und wie werden Kunstwerke erlebt? Wo, wann und wie werden sie verstanden? Vor derlei Fragen stellt die Künstlerin ihr Publikum. Wie Kunst innerhalb der Gesellschaft zirkuliert und wie die Gesellschaft nicht nur im Kunstkontext, sondern ganz allgemein Wert zuschreibt, Fürsorge verteilt oder Abhängigkeiten schafft, untersucht Lazard in unterschiedlichen Medien. Bei Trautwein Herleth zeigt sie eine neue Werkgruppe aus Skulpturen und ortsspezifischen Installationen.
WANN: Die Ausstellung von Carolyn Lazard eröffnet am Donnerstag, den 11. September. Sie läuft bis zum 18. Oktober.
WO: Trautwein Herleth, Kohlfurter Straße 41/43, 10999 Berlin.

Molitor: Jesse Darling
Verformte Absperrgitter, Baumaterialien und allerlei Gebrauchsgegenstände nutzt Jesse Darling, um politische wie gesellschaftliche Strukturen auf ihre Stabilität abzuklopfen. Mit Skulptur, Installation, Zeichnung und Text verweist er auf die oft prekären Bedingungen von Ordnungssystemen. Darlings Ausstellung in der Galerie Molitor reflektiert ein Nachdenken über soziale Ausgrenzung sowie strukturelle Gewalt und knüpft damit auch an Debatten an, die der Berliner Kunstszene vertraut sein dürften.
WANN: Die Ausstellung von Jesse Darling eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis zum 8. November.
WO: Galerie Molitor, Kurfürstenstraße 143, 10785 Berlin.
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