Berliner Kunstgriff
30.06. – 06.07.20

30. Juni 2020 • Text von

Thematisch vielfältig und medial divers zeigt sich die Kunst, die ab dieser Woche in der Hauptstadt neu zu entdecken ist. Konkrete Malerei bei kajetan Berlin, dokumentarische Video-Installationen in der Berlinischen Galerie, die Fotografien von Larry W. Cook bei Weiss Berlin, und Sprüth Magers zeigt lokale Größen.

Zu sehen ist eine blaustichige Aufnahme einer Stadt. Sie ist Teil der Videoarbeit "Corpo Fechado" von Mario Pfeiffer. Auf dem Still ist der Text: "It's to celebrate what is rightfully ours" zu lesen.

Mario Pfeifer, Corpo Fechado, 2016, © Mario Pfeifer / KOW, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020.

Science-Fiction trifft Dokumentation: Die Video-Installationen Mario Pfeifers beruhen auf dem dokumentarischen Material seiner Forschungsreisen, welches der Künstler mit Musik und Bildbearbeitung zu fesselnden Ensembles zusammensetzt. Die Arbeiten untersuchen sozio-politische und kulturelle Zusammenhänge. Pfeifers „Corpo Fechado“ etwa beleuchtet die Vielfalt religiöser Gruppen und Praktiken in Brasilien und ist nun in der Berlinischen Galerie zu sehen.

WANN: Die Arbeit „Corpo Fechado“ von Mario Pfeifer ist ab Mittwoch, den 1. Juli, zu sehen.
WO: IBB-Videoraum, Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124 –128, 10969 Berlin.

Der Tipp kommt von Christina-Marie Lümen.

Weiße Holzfaserplatte mit Parallel verlaufenden Linien in Pastelltönen.

Matten Vogel, KW 29 – Auflösung 2018, Bleistift, Zeichentusche auf Holzfaserplatte, Foto: Marcus Schneider.

Balance in Anmutung und Schwanken gehören zur Grundlage der konkreten Malerei von Matten Vogel. In der Ausstellung „EOJTGBRÜ“ erschafft er geometrische Formen, deren unregelmäßiger Rhythmus sie aus der Konstanz des Rasters ausbrechen lässt und ihnen so Raum zum Atmen gibt. Die fehlende Erkenntnisgewissheit löst die Betrachtenden aus ihrem eigenen Schema.

WANN: Die Eröffnung ist Freitag, den 3. Juli, von 18 bis 21 Uhr. Die Ausstellung kann bis zum 5. September besichtigt werden.
WO: kajetan Berlin, Gneisenaustraße 33, Fabrikgebäude, 1. Hof, 10961 Berlin.

Der Tipp kommt von Lynn Kühl.

Zwei Arbeiten des Fotografen Larry W. Cook. Links ein Vater mit seinem Sohn, rechts ein Vater mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm.

Larry W. Cook: „Fatherhood 1“, 2018, Archival Ink Jet Print 40 x 30 in, 102 x 76 cm. // Larry W. Cook: „Fatherhood 2“, 2018, Archival Ink Jet Print 40 x 30 in, 102 x 76 cm.

Larry W. Cook porträtiert die US-amerikanische Gesellschaft. Er zeigt Väter mit ihren Töchtern, Männer in den Farben bekannter Gangs, Häftlinge im Strafvollzug. Die Menschen, die er fotografiert, sind oft männlich, meist Afroamerikaner. Ab Samstag, den 4. Juli, sind seine Arbeiten bei Weiss Berlin zu sehen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Cooks Aufnahmen von Menschen im Gefängnis. Die sind als solche nämlich erst einmal gar nicht zu erkennen. Sie posieren vor aufgemalter Skylinekulisse, den Blick gen falscher Horizont gerichtet. Erst der Titel der Reihe „The Visiting Room“, weist die Bilder als das aus, was sie sind. Ebenfalls bemerkenswert: Cooks Porträts von Vätern und ihren Kindern.

WANN: Die Ausstellung ist ab Samstag, den 4. Juli, zu sehen.
WO: Weiss Berlin, Bundesallee 221, 10719 Berlin.

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

Hahn auf Steinweg

„local talent“, Galerie Sprüth Magers.

Die Pandemie ließ Träume verfliegen, Grenzen wurden geschlossen und wir besannen uns wieder mehr auf unsere Umgebung. Für die Kunst bedeutete dies Absagen von Ausstellungen, Schließungen von Museen und Galerien – alles musste ausfallen. Und auch jetzt kann der global vernetzte Ausstellungsbetrieb nicht genauso weitergehen wie vor der Pandemie. Deshalb ist es notwendig sich mit dem direkten Umfeld zu befassen, die lokalen Möglichkeiten auszuschöpfen. So sieht es auch der Künstler Thomas Demand, der ab diesem Samstag, die von ihm kuratierte Ausstellung „local talent“ in der Galerie Sprüth Magers, eröffnet. 20 Berliner Künstler und Künstlerinnen wie Tacita Dean, Thea Djordjadze oder Olafur Eliasson, die alle entweder aus Berlin stammen oder hier ihr arbeiten, sind eingeladen, Werke zu präsentieren, die thematisch die Folgen des Virus’ aufnehmen.

WANN: Die Ausstellung „local talent“ eröffnet am Samstag, dem 4. Juli, von 11 bis 17 Uhr.
WO: Sprüth Magers Berlin, Oranienburger Straße 18, 10178 Berlin.

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