Berliner Kunstgriff
19.06. – 25.06.18

19. Juni 2018 • Text von

Mannigfaltige Perspektivwechsel. Narration, Widerstand, Stadt-Körper. Diese Woche in Berlin: Persönliche Geschichten aus der Zeit der Apartheid, gelesen auf der Berlin Biennale, Migration und Postkolonialismus im Hamburger Bahnhof und der ideologische Körper der Stadt im Fokus des Festivals „Claiming Common Spaces. Kunst und urbane Praxis“.

Mangolo, Courtesy Title in Transgression und TransAction Study Group.

Die (Nach-)Frage nach politischem Widerstand ist zumeist direkt. Ausformulierung und Umsetzung sind häufig zu abstrakt, zu flüchtig und allgemein gefasst und wirken aussichtslos, ja entmutigend. Ein sehr konkretes Beispiel für politische, transnationale Solidarität ist die finanzielle Unterstützung der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika zwischen den 1970er und 1990er Jahren. In Form von privaten Briefen floß Geld aus Europa nach Südafrika. Abgesehen von der sehr konkreten finanziellen Hilfe – dem Austausch von Geldern – wurden hier auch persönliche Geschichten übermittelt. Die politische Lage, das tägliche Erleben von Unterdrückung, wird hier in seiner erschlagenden Unmittelbarkeit beschrieben und verdeutlicht. Neben einer politischen Agenda hat Widerstand immer auch private Aspekte. Diese Perspektive dient in „I’m Not Who You Think I’m Not #10: Mangolo“ – Live-Lesungen und Präsentationen einer Zusammenarbeit von Title in Transgression (Johannesburg, ZA) und TransAction Study Group (Stockholm, SE) als sehr konkreter Ausgangspunkt, um über politischen Widerstand nachzudenken. Es ist die zehnte Ausgabe des öffentlichen Begleitprogramms der 10. Berlin Biennale.

WANN: Die Lesung findet am Freitag, 22. Juni von 19 bis 21 Uhr statt. Eintritt ist frei.
WO: KW Institute for Contemporary Art, Studio, Auguststraße 69, 10117 Berlin.

Fotoaufnahme, Daugthers and Sons of Gastarbeiters © Eva Andrades

Um persönliche Erfahrungen geht es auch bei „ICH. Kritik mobil: Autobiografische Werkserkundungen. Perspektivwechsel mit Ok-Hee Jeong, Zoran Terzić und Çiçek Bacik“. In der dialogischen Führung zu der Ausstellung „Hello World. Revision einer Sammlung“ im Hamburger Bahnhof lesen die Journalistin und Filmemacherin Ok-Hee Jeong und Zoran Terzić, Mitinitiator des Literaturprojekts, im Kontext der ausgestellten Werke. Dr. Çiçek Bacik ist Philologin, Politikwissenschaftlerin sowie Initiatorin und Sprecherin der „Daughters and Sons of Gastarbeiters“. In autobiographischen Essays und Bildern erzählen, thematisieren und verarbeiten die Autor*innen der Gruppe ihren Migrationshintergrund und eröffnen somit einen Diskurs über Selbstverständnis und Relevanz von Einwanderer*innen in der deutschen Gesellschaft.

WANN: Die Dialogführung findet am Donnerstag, den 21. Juni, von 18 bis 19:30 Uhr statt. Kostenfrei zzgl. Eintritt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
WO: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart,  Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin. Treffpunkt ist im Glossarraum.

© Grafik m23

Die Stadt als Körper. Die Körper der Stadt. Stadt-Körper. Welche Wechselwirkungen bestehen? Wem gehört die Stadt? Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Welche öffentlichen Räume bestehen und wie können wir, die Bewohner*innen der Stadt, sie gestalten und uns in ihnen bewegen? Welche Rolle spielt dabei die Kunst – Denkraum oder Investitionsindikator? Initiiert vom Bündnis internationaler Produktionshäuser, thematisiert das Festival „Claiming Common Spaces. Kunst und urbane Praxis“ Fragen dieser Art und begreift die Stadt dabei als Forschungsraum. Drei Tage lang diskutieren, intervenieren und bespielen Künstler*innen, Stadtfor­scher­*innen und Aktivist*innen den Berliner Stadtraum in Form von Talks, Performances, Musik, Tanz, Film und Installationen, um ausgehend vom Bild der Stadt aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen zu erforschen.

WANN: Das Festival beginnt am Donnerstag, dem 21. Juni und endet am Samstag, den 23. Juni. Das komplette Programm als PDF gibt es hier
WO: Das Festival findet an mehreren Orten statt. HAU1, HAU2, HAU3 und Outdoor. Mehr Infos sind hier abzurufen.

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