Berliner Kunstgriff
19.02. – 25.02.19

19. Februar 2019 • Text von

Die Akademie der Künste verleiht Hito Steyerl den Käthe-Kollwitz-Preis, Ashley Berlin zeigt den schwedischen Künstler Albin Loostroöm, Studio Picknick stellt wilde Bildwelten von Sophia Domagala aus und ein Vortrag bei Contemporary Fine Arts zu Norbert Schwontkowskis Werk rundet die Woche spannender Kunstangebote ab.

Hito Steyerl, Abstract, 2012 (Detail), Zwei-Kanal-HD-Video, Ton 7:30 Min. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Filmstill © Hito Steyerl, Courtesy: the artist, Andrew Kreps Gallery, New York and Esther Schipper, Berlin.

Vor zwei Jahren wählte das britische Kunstmagazin ArtReview die deutsch-japanische Künstlerin Hito Steyerl auf Platz 1 seines jährlich erscheinenden Rankings „Power 100“ und kürte sie damit zur einflussreichsten Person der weltweiten Kunstszene. In ihren Texten, Performances und essayistischen Dokumentarfilmen setzt sich die Künstlerin mit postkolonialer Kritik sowie Einflüssen der Globalisierung auf unser heutiges Leben auseinander und arbeitet stets an der Schnittstelle von bildender Kunst und Film. Laut Kasper König fungiert Steyerl dabei als „Vorbild für eine ganze Künstlergeneration, die mit ihren Arbeiten unsere digitalisierte Gegenwart reflektiert“. Am Mittwoch, den 20. Februar wird sie für ihr Werk mit dem Käthe-Kollwitz-Preis geehrt, den die Akademie der Künste seit 1960 vergibt.

WANN: Die Preisverleihung und Ausstellungseröffnung mit Kathrin Röggla, Rolf Tegtmeier, Katharina Grosse, Florian Ebner und Hito Steyerl findet am Mittwoch, den 20. Februar, ab 19 Uhr statt.
WO: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Plenarsaal. Der Eintritt ist frei.

Albin Loostroöm, „Der Mottenrat“.

Bunt und fantastisch präsentieren sich die imaginierten von der Natur inspirierten Bildwelten des 1984 geborenen schwedischen Künstlers Albin Loostroöm. Die sich auf der Leinwand windenden Tier- und Pflanzenwelten erinnern an die traumhaften Dschungeldarstellungen eines Henri Rousseaus. Doch auf den zweiten Blick erscheinen die mit schillernden Farben, fast kitschigen Malereien von überzogenen, an Karikaturen erinnernde Tiere und Gestalten als unheimliche, gefährliche Naturerscheinungen. Loostroöm zeigt keine romantisierenden Landschaften, sondern hält den Betrachtern den Spiegel einer Natur entgegen, die als Reaktion auf den Eingriff des Menschen immer „gewalttätiger“ wird. In Kombination mit aus gefundenen Materialien gefertigten Insektenskulpturen verwandelt die Ausstellung „Der Mottenrat“, die am Freitag, den 22. Februar eröffnet, die Räume von Ashley Berlin in eine schillernde Skulpturen- und Gemäldefauna.

WANN: Die Ausstellung „Der Mottenrat“ eröffnet am Freitag, den 22. Februar, um 18 Uhr.
WO: Ahsley Berlin, Oranienstraße 37, 10999 Berlin.

Studio Picknick, Sophia Domagala, „the mirror is my mother“, Ausstellungsflyer.

Wenn sie malen will, dann müsse es auch losgehen, sagt sie. Die Künstlerin Sophia Domagala möchte dann langwierige Prozesse vermeiden, keinem durchdachten Konzept folgen. Sich frei bewegende Formen, bunte Pflanzen, Blätter, Ranken, Früchte, Äste mit Beeren laufen ineinander, umwinden und verdecken sich. Nehmen die Leinwände ein, die sie nur noch selten auf Keilrahmen spannt. 2014 mit dem Berlin Art Prize ausgezeichnet, versucht Domagala ihre eigenen Wünsche in die Kunst zu bringen − Realität mit dem Ideal zu verbinden und das durch eine möglichst naive Herangehensweise mit einfachen Formen. Für ihre kommende Ausstellung „The mirror is my mother“ im Studio Picknick zeigt die Künstlerin neben Malerei auch Keramiken − skulpturale Objekte, die neben ihren wilden Malereien, eindeutige Formen präsentieren.

WANN: Die Ausstellung „The mirror is my mother“ eröffnet am Freitag, den 22. Februar, um 18 Uhr.
WO: Studio Picknick, Potsdamer Straße 118 (im Hinterhof), 10785 Berlin.

Norbert Schwontkowski, Die Kugel (Mitropa), 2009, © Contemporary Fine Arts, Foto: Matthias Kolb.

Es sind mystische Bildräume − unergründbare, fantastische Welten, in die der Maler Norbert Schwontkowski den Betrachter einlädt, besser eintauchen lässt. Der oftmals flache Aufbau und die reduzierte, wenn auch intensive Farbigkeit lassen verwunschene, surreale Sujets, Situation und Szenerien entstehen – oder aber „gemalte Poesien“ als die seine Werke bezeichnet wurden. Und trotzdem schaffte der 2013 verstorbene Maler es seine fantastischen Bildräume mit einem provokanten Humor zu paaren: „Jede gute Geschichte ist ein Drama, der Abgrund muss immer zu spüren sein“, wie er sagte. Am Samstag wird die Kunsthistorikern Dorothea Zwirner über Schwontkowskis Werk und seine derzeitige Ausstellung „Die von da“ bei Contemporary Fine Arts sprechen.

WANN: Der Vortrag „Als begriffen wir Sinn, ohne je danach gefragt zu haben.“ von Dorothea Zwirner findet am Samstag, den 23. Februar, um 15 Uhr statt.
WO: Contemporary Fine Arts, Grolmanstraße 32/33, 10623 Berlin.

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