Berliner Kunstgriff
15.10. - 21.10.19

15. Oktober 2019 • Text von

Wie das Wetter trotzt auch die Berliner Kunstwoche der Melancholie des Jahreszeitenwechsels: Eröffnungen im Haus der Kulturen der Welt, im Museum of Now und bei SAVVY Contemporary, eine Tanzperformance im HAU Hebbel am Ufer und ein Talk bei Diskurs Berlin.

Alair Gomes, Fotos aus der Serie „The Course of the Sun“, 1975–1980 | Archives of the National Library Foundation, Brazil

„Liebe und Ethnologie – die koloniale Dialektik der Empfindlichkeit (nach Hubert Fichte)“ bildet den Abschluss des mehrjährigen Publikations- und Ausstellungsprojekts „Hubert Fichte: Liebe und Ethnologie“, das seit 2017 in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und lokalen Kurator*innen Stationen in Lissabon, Salvador da Bahia, Rio de Janeiro, Santiago de Chile, Dakar und New York durchläuft. Auf der Basis einer kritischen Rezeption der Schriften von Hubert Fichte stößt das von S. Fischer Stiftung und S. Fischer Verlag unterstützte Projekt eine vielschichtige Debatte über die koloniale Moderne, Ethnografie, Poesie und Sexualität an. 

WANN: Die Eröffnung findet am Donnerstag, 17. Oktober ab 18 Uhr statt.
WO: Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin.

© Simone Scardovelli

Josep Caballero Garcías erste choreografische Oper “Melancholía“, eine HAU-Koproduktion, ist ein Plädoyer für die Aufhebung von Identitätskategorien. García befragt das seit 1724 überlieferte romantische Beziehungskonzept aus Händels Oper “Giulio Cesare in Egitto” und macht das ganze Spektrum menschlicher Affekte zur Grundlage seiner Inszenierung über begehrende Körper: Die einst von Kastraten gesungenen macht- und erotikgesteuerten Opernheld*innen des Barocks sind für ihn ein guter Test, über die Widersprüchlichkeit abendländischer Körperkonstrukte nachzudenken und sie am eigenen Leib umzubauen.

WANN: Die Tanzperformance läuft am Donnerstag, 17. Oktober und Freitag, 18.Oktober, je um 20 Uhr.
WO: HAU1, Stresemannstraße 29, 10963 Berlin.

Auf die Suche nach dem Jetzt begibt sich das Museum of Now. Ab Donnerstag, den 17. Oktober, sind Positionen von 14 Künstler*innen aus elf Nationen zu sehen, die sich mit dem Hier und Heute beschäftigen. Mit Skulptur, Malerei, Grafik, Fotografie, Video, Installation oder Performance soll die globalisierte Welt erforscht werden.

WANN: Das Museum of Now eröffnet am Donnerstag, den 17. Oktober, um 19 Uhr. Die Ausstellung wird bis Sonntag, den 27. Oktober, laufen.
WO: Museum of Now, Ziegrastraße 1, 12057 Berlin.

 

„THE LONG TERM YOU CANNOT AFFORD. ON THE DISTRIBUTION OF THE TOXIC“ ist ein Projekt zu den  komplexen Vorstellungen und Ungerechtigkeiten des Toxischen sowie dessen fortdauernden Machtkämpfe, Beziehungen und Rhetoriken, die alle tief in historischen Strukturen verwurzelt sind. Ziel hierbei ist es, einen Raum für künstlerische und kritische Register zu schaffen, der es uns ermöglicht, innezuhalten, um toxische Präsenz und Textur wahrzunehmen. Seine immer neuen Opfer zur Kenntnis zu nehmen und zu betrauern, den Bewegungen seiner Schatten zuzuhören. Wir hoffen, dadurch die Empfindungen weg von paranoider Beherrschung und Angst hin zu einem nachdenklichen und nuancierten Ausblick zu verschieben und dabei den wichtigen Akt des Wahrnehmens, inwiefern die intimsten Handlungen eng mit dem Globalen verbunden sind – denn überall ist letztendlich immer auch ein Hier. 

WANN: Die Eröffnung findet am Freitag, 18. Oktober ab 19 Uhr statt.
WO: SAVVY Contemporary, Plantagenstraße 31, 13347 Berlin.

Amit Goffer , X marks the spot, 2019, radius 290 X 30 X 170 cm; mixed media, stainless steel, iron, Plexiglas, wood, electronics, light © Artists & Diskurs Berlin.

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „God’s Biometric Data“ findet ein Talk mit Erik Andersen, Jung Me Chai und Amit Goffer statt. Amit Goffer und Erik Andersen befassen sich mit philosophischen Fragen der Existenz, besonders mit der einzigartigen Biometrie jedes Menschen. Der Philosoph Marcus Steinweg gibt mit seinem Text „Was ist Realität?“ den theoretischen Kontext.

WANN: Der Talk findet am Freitag, 18. Oktober von 18 bis 19 Uhr statt.
WO: Diskurs Berlin, Novalisstrasse 7, 10115 Berlin.

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