Berliner Kunstgriff
11.09. - 17.09.18

11. September 2018 • Text von

Die Idee, Realität und Potentialität der Andersartigkeit gibt es diese Woche in verschiedenen Formaten und Ansätzen zu erleben. Künstlerische Imaginationen in der Galerie Wedding, eine diskursive Ausstellung bei Savvy Contemporary und ein Symposium im Haus der Kulturen der Welt.

Anne Duk Hee Jordan, Ziggy on the Land of Drunken Trees, 2018, courtesy the artist.

Der Ozean, seine unendlichen Tiefen, unerforschten Bewohner und Geheimnisse bilden das Zentrum von Anne Duk Hee Jordans gut recherchierten künstlerischen Imaginationen. Davon ausgehend, dass der Mensch in Zukunft eher das Weltall als die dunklen Gründe der Tiefsee bevölkern wird, entwirft Jordan in „Ziggy on the Land of Drunken Trees“ eine immersive Landschaft, in der nicht Menschen, sondern marin-technoide Hybride das Weltbild bestimmen. Sie thematisiert auch ihr aktuelles Interesse an Methankratern und dem Phänomen betrunkener Bäume – Bäume, deren Wurzeln im auftauenden Permafrostboden ihren Halt verlieren. Jordans audiovisuelle Installationen sind faszinierend anders und schön, und transportieren im Kern doch eine erschütternde Realität über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die verschiedenen Lebensräume unserer Erde.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am 13. September von 19 bis 22 Uhr, mit einer Sonic intervention von Mikatsiu.
WO: Galerie Wedding, Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin.

Imagination ist radikal, generiert Andersartigkeit und stellt einen potentiellen Raum des Widerstands dar. Das Projekt „Geographies of Imagination“ findet im Rahmen von „Dis-Othering: Beyond Afropolitan and Other Labels“ statt, einer Kooperation zwischen Bozar–Centre for Fine Arts (Brüssel), Kulturen in Bewegung (Wien) und Savvy Contemporary (Berlin). Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage nach Möglichkeiten der Zugehörigkeit jenseits menschlicher Zugehörigkeit, da letztere oftmals in den gleichen Fahrmustern zwischen eigener Identität und der Konstruktion des „Anderen“ endet. In unterschiedlichen Formaten versucht das Projekt die aktuellen Prozesse des „Othering“ zu identifizieren, zu diskutieren und seine spaltenden Wirkmechanismen zu unterlaufen. Mit Werken von Salwa Aleryani, Heba Y. Amin, American Artist, Rossella Biscotti, Chimurenga, Saddie Choua, Michele Ciacciofera, Anna Binta Diallo, Dimitri Fagbohoun, Mahir Jahmal, Jackie Karuti, Anna Líndal, Ibrahim Mahama, Tanja Muravskaja, Oscar Murillo, Daniela Ortiz and Sandra Schäfer.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am 13. September um 19 Uhr und läuft bis zum 11. November. Öffnungszeiten sind von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 19 Uhr.
WO: SAVVY Contemporary, Plantagenstr. 31, 13347 Berlin.

Der Begriff „Alterität“ beschreibt einen Zustand der Andersartigkeit oder Verschiedenheit und ist zu einem integralen Bestandteil der postkolonialen Kritik geworden. Doch welche unmittelbaren Folgen ergeben sich aus künstlerischer und institutioneller Sicht? Wie gehen Künstler*innen, Kurator*innen, Denker*innen und Institutionen mit dieser Begriffskonstruktion um? 
Mit Beiträgen von Emmanuel Alloa, Khadija Zinnenburg Carroll, Hamid Dabashi, Martin Holbraad, Nora Sternfeld, Clio Nicastro, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Elizabeth A. Povinelli, Nigel Rapport, Alya Sebti, Rupert Stasch, Julian Warner u .a. Organisiert von Jonas Tinius (Humboldt-Universität zu Berlin).

WANN: Das Symposium findet am 13. und 14. September, jeweils ab 10 Uhr statt. Das ausführliche Programm gibt es hier. Der Eintritt ist frei.
WO: Die Panels am 13. und 14. September finden in der Hirschfeld Bar im Haus der Kulturen der Welt statt (Haus der Kulturen des Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin), die abschließende Keynote von Hamid Dabashi am 14. September um 19 Uhr ist im SAVVY Contemporary (Plantagenstr. 31, 13347 Berlin).

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