Berliner Kunstgriff
Berlin Art Week 2019 Special

10. September 2019 • Text von

Mit zahlreichen Ausstellungseröffnungen, Preisverleihungen, den beiden Messen art berlin sowie Positions Berlin Art Fair bietet die Berlin Art Week 2019 für die kommende Woche ein vielfältiges Programm. Und auch drum herum passiert einiges. Wir haben eine Liste unserer zehn Favoriten zusammengestellt!

Jenny Brosinski, Untitled (Cool, Fool, Pool), 2019, © CRONE SIDE.

Mit einer spannenden Künstlerliste eröffnet die Galerie Crone in ihren Zweigräumen am Tempelhofer Damm die Ausstellung „Zwei Alter: Jung“. Gezeigt wird ein durchaus interessanter Mix aus jungen und alten sowie deutschen und internationalen Künstlern von Rosemarie Trockel, Martin Kippenberger, Thomas Schütte, Amoako Boafo oder Kamilla Bischof. Ein absolutes Must-See!

WANN: Die Ausstellung „Zwei Alter: Jung“ eröffnet am Dienstag, den 10. September. Die Ausstellung läuft bis 10. November.
WO: Crone Side, Tempelhofer Damm 2, 12101 Berlin.

Text: Teresa Hantke

Metahaven, „Elektra”, 2019, production still © Metahaven.

„Elektra“ heißt das neueste Filmprojekt des Künstlerkollektivs Metahaven, das sich aus Vinca Kruk und Daniel van der Velden zusammensetzt. Eine mobile Kuppel inmitten des Mariannenplatzes in Kreuzberg dient dabei als Projektionsfläche einer visuell entschleunigten und lyrischen Erkundung des Raum-Zeit-Kontinuums. Im Zusammenspiel der klassischen Architektur der Kuppel, der Langsamkeit der Filmeinstellungen und dem menschlichen Suchen nach einer höheren Ordnung eröffnet sich ein neues Kapitel in Metahavens künstlerischer Praxis an der Schnittstelle von Design, Film und Theorie. „Elektra“ ist im Rahmen der von den Berliner Festspielen/Immersion und dem Hamburger Planetarium koproduzierten Reihe „New Infinity – Neue Kunst für Planetarien“ entstanden. Neben Metahaven sind im „Mobile Dome“ Arbeiten von Agnieszka Polska und Robert Lippok & Lucas Gutierrez sowie Live-Konzerte zu sehen.

WANN: Metahaven: Elektra ist von Mittwoch, den 11. September, bis Montag, den 16. September, täglich von 11-15 Uhr und 16-21 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos gibt es hier. Die Installation „Mobile Dome auf dem Mariannenplatz“ ist bis Sonntag, den 22. September, zu sehen.
WO: Mobile Dome auf dem Mariannenplatz, 10997 Berlin.

Text: Marie-Therese Bruglacher

Oli Epp, ‚Death by Chocolate‘, 2019, oil and acrylic on canvas © Oli Epp und DUVE Berlin.

Eben noch Existenzangst ausgeschwitzt? Dann kommt „Karma“ gerade richtig. Die Ausstellung von Oli Epp und Roxanne Jackson bei DUVE Berlin lenkt Kontrollverlust in geordnete Bahnen. Es ist ein Nachdenken über Aktion und Reaktion, was Epp und Jackson da anstoßen könnten. Die beiden arbeiten derzeit gemeinsam und dabei völlig unterschiedlich. Das gilt für Medium und Motiv gleichermaßen. Epp verfrachtet einen kollabierten Schoko-Junkie auf eine violette Chaiselongue. Jackson drapiert gold bezahnte Einhornfragmente auf ein Tischchen mit fliederfarbener Spiegelplatte. Er auf Leinwand, sie im Raum. Und irgendwie geht das dann auf.

WANN: Eröffnung ist am Donnerstag, den 12. September, von 18 bis 21 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 25. Oktober.
WO: DUVE Berlin, Michaelkirchstraße 15, 10179 Berlin

Text: Anna Meinecke

Ryan Trecartin, The Re’Search (Re’Search Wait’S), 2009-10, HD Video © Ryan Trecartin Courtesy of Ryan Trecartin; Regen Projects, Los Angeles; and Sprüth Magers.

Die Videos sind voller Kitsch, laut und meist so schnell, dass das menschliche Auge dem Handlungsverlauf in Ruhe folgen kann – Ryan Trecartins schrille, provozierende Videoästhetik bleibt im Gedächtnis. Die Galerie Sprüth Magers zeigt mit „Re’Search Wait’S“ eine vierteilige Video-Installation aus Trecartins Multi-Movie-Projekt „Any Ever“. Trecartin lässt in diesen Filmen Realität und Fiktion miteinander verschmelzen und zeigt als Post-Digital-Künstler auf immer wieder innovative Weise den Einfluss neuer Technologien auf unsere Sprache und Identität.

WANN: Die Ausstellung „Re’Search Wait’S“ eröffnet am Mittwoch, den 11. September, um 18 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 21. Dezember. Zeitgleich eröffnet Sprüth Magers eine Ausstellung der Künstlerin Hanne Darboven.
WO: Sprüth Magers, Oranienburgerstraße 18, 10178 Berlin.

Text: Teresa Hantke

1km² Berlin – Die Sprache der Spekulation, 2019 (Filmstill), Guerilla Architects in Kooperation mit Philine Schneider und Shahrzad Rahmani, Performerin: Alicia Agustin, Produktion: offscreen.

Mit „1989–2019: Politik des Raums im Neuen Berlin“, einer Koproduktion mit ARCH+, richtet der n.b.k. seinen Blick auf 30 Jahre urbanistischer und architektonischer Entwicklung in Berlin. Die Ausstellung und das laufende Diskursprogramm beleuchten die Verzahnung von Politik, Markt und Architektur und lassen hinsichtlich der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Berlins unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Mittwoch, den 11. September, um 18 Uhr. Mehr Infos zum Diskursprogramm gibt es hier.
WO: Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin.

Text: Marie-Therese Bruglacher

Laure Prouvost, In Refection We Rest, exhibition at carlier | gebauer, Berlin, 14 September – 9 November, 2019 courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid.

„Muuuh“, macht die Kuh. Oder aber es ist ein laut der Entspannung. Bei carlier | gebauer kreiert Laure Prouvost eine Oase der Ruhe. „In Reflection We Rest“ heißt die Ausstellung und sie wird begleitet von einem Gedicht angesiedelt irgendwo zwischen Poesie und Wiederkäuergeräuschen. Prouvosts ist begnadet darin, im White Cube Welten zu schaffen, die zu erkunden zwar dauert, bei Betreten aber umgehend notwendig scheint. Brüste, Tentakel und „metal men“ wollen entdeckt werden. Prouvost lädt ein auf eine Reise von den Pariser Vororten bis ans Mittelmeer. Und ja, dabei darf man sich dann in die Ferne träumen oder tief in sich reinhorchen. Nachdenken. Und ausruhen eben.

WANN: Eröffnung ist am Freitag, den 13. September, von 18 bis 21 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 9. November.
WO: carlier | gebauer, Markgrafenstraße 67, 10969 Berlin.

Text: Anna Meinecke

Imi Knoebel, „daß die Geschichte zusammenbleibt. Schattenraum 6 + 3 Bilder“, 1989. Courtesy the artist and KEWENIG, Berlin. Photographer: Gunter Lepkowski.

Passender könnte ein Ausstellungstitel das historische Ereignis des Berliner Mauerfalls, das sich diesen Herbst zum 30. Mal jährt, kaum sein. Mit „daß die Geschichte zusammenbleibt – Schattenraum 6 + 3 Bilder‘“ zeigt die Galerie Kewenig die historische Ausstellung des deutschen Künstlers Imi Knoebel, die erstmals 1989 in New York gezeigt wurde. In Verbindung mit weiteren ikonischen Arbeiten Knoebels, präsentiert die Galerie die „Schattenräume“, eine sich über mehrere Räume erstreckende Installation aus Hartfaserplatten, die sich in Kewenigs historischen Räumlichkeiten zu einem neuen variabel zusammengesetzten Ensemble entfalten.

WANN: Die Ausstellung „daß die Geschichte zusammenbleibt“ eröffnet am Freitag, den 13. September, um 18 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 9. November.
WO: Galerie KEWENIG, Brüderstraße 10, 10178 Berlin.

Text: Teresa Hantke

Georg Weise, Just love (Detail), 2018/19, Öl, Gouache, Gold und Silber auf Baumwolle © Georg Weise.

„Just Love“! Ein Ausstellungstitel, bei dem es einem warm ums Herz wird. Jedoch geht es in der Ausstellung im Zentrum für aktuelle Kunst in der Zitadelle Spandau nicht nur um die Liebe, sondern auch um die grundlegenden Fragen nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Sichtbarkeit von Queers in der heutigen Gesellschaft. Im Fokus stehen dabei Themen wie Selbstvergewisserung, persönliche Lebenssituationen und soziales Umfeld, die die sechs jungen Künstler und Künstlerinnen teils provokant, sowie humoristisch in ihren Werken zwischen Pop, Konzept und Realismus wiedergeben.

WANN: Die Ausstellung „Just Love / Malerei & Skulptur“ eröffnet am Freitag, den 13. September, um 19 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 15. Dezember.
WO: ZAK | Zentrum für Aktuelle Kunst, Am Juliusturm 64, 13599 Berlin.

Text: Teresa Hantke

Courtesy of Berlin Art Prize.

Na, wer wird’s denn nun? Der Berlin Art Prize hat es in diesem Jahr besonders spannend gemacht. Statt wie gewohnt in großer Halle alle Finalisten nebeneinander abzufeiern, setzen die Macher auf ein Satelliten-Konzept. In diversen Off-Spaces quer über die Stadt verteilt, dürfen die ausgewählten Künstler*innen jeweils einen Raum ganz alleine bespielen. Für die Besucher macht das die Sache aufwendig und spannend zugleich. Schließlich wollte man doch ohnehin mal wieder in den Wedding, korrekt? Neun Projekträume, neun Nominierte, neun Ausstellungen – und während der Art Week ist es endlich soweit: Im Flutgraben e.V. werden die Auszeichnungen verliehen. Fast noch wichtiger: Danach wird gefeiert!

WANN: Los geht’s am Samstag, den 14. September, um 21 Uhr. Um Mitternacht beginnt dann die Verleihungszeremonie. Ende der Veranstaltung? „Sehr spät“, sagen sie. Alle Einzelausstellungen sind noch bis Freitag, den 27. September, zu sehen.
WO: Flutgraben e.V., Am Flutgraben 3, 12435 Berlin

Text: Anna Meinecke

Blick vom Dach des Parkhauses hinter dem Kottbusser Tor in Kreuzberg.

Disappearing Berlin, das Performance- und Sound-Programm des Schinkel Pavillons, setzt sein Programm der Berliner Ortserkundungen fort. Der Komponist und Schlagzeuger Eli Keszler mischt seine eigenen Kompositionen mit dem Stadtklang des Kottbusser Tors und transportiert dabei das, was außerhalb unseres Blickfelds liegt, auf das Dach eines Parkhauses. Die ortsspezifische Sound-Performance hinterfragt unsere auditive wie auch unsere visuelle Wahrnehmung von sozialer und architektonischer Wirklichkeit. Was geschieht, wenn diese Realität hörbar, aber nicht sichtbar ist? Und wie hängt das mit der menschlichen Fähigkeit zu Empathie, Teilnahme und Fürsorge zusammen?

WANN: Die Performance findet am Sonntag, den 15. September, um 16 Uhr statt. Eintritt ist frei. Einlass ab 15 Uhr.
WO: Disappearing Berlin by Schinkel Pavillon, X-berg Parking, Skalitzer Strasse 134A, Zugang über den Hinterhof, 10999 Berlin-Kreuzberg.

Text: Marie-Therese Bruglacher

Die Autorin Marie-Therese Bruglacher arbeitet für den Schinkel Pavillon.

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