Wohin während der Berlin Art Week 2025?
Diese Ausstellungen solltet ihr nicht verpassen

7. September 2025 • Text von

Das Programm der Berlin Art Week ist üppig, vielleicht etwas überfordernd und so genau richtig. Wenn ihr aber nur Zeit für ein paar ausgewählte Stopps habt, wählt die Ausstellungen von Fluentum, Remise im Wrangelkiez, Number 1 Main Road, CCA Berlin, Between Bridges, Julia Stoschek, LAS Art Foundation, Schinkel Pavillon und Passage.

jordan strafer fluentum gallerytalk berlin art week 2025 BAW
Loophole, Jordan Strafer, DECADENCE, 2024, Video Still © Jordan Strafer.

Fluentum: Jordan Strafer

Das Verhältnis von Justiz, Medien und Öffentlichkeit untersucht Jordan Strafer mit einer Filmtrilogie. Teil eins, „Loophole“, ist die fiktionale Erzählung eines Vergewaltigungsprozesses, gespeist von historischen Quellen, persönlichen Elementen und popkulturellen Referenzen. Der zweite Film, „Decadence“, imaginiert, wie ein Freispruch gefeiert werden könnte. Beide Filme zeigt Fluentum unter dem Titel „Dissonance“. Teil drei entsteht gerade, während der Eröffnung wird live vor Publikum gefilmt. Das Setting: ein surreales Talkshow-Studio im Jenseits.

WANN: Die Ausstellung „Dissonance“ von Jordan Strafer eröffnet am Mittwoch, den 10. September. Sie läuft bis zum 13. Dezember.
WO: Fluentum, Clayallee 174, 14195 Berlin.

MAXIMAL LANDING
Remise im Wrangelkiez. Courtesy of MAXIMAL.

Remise im Wrangelkiez: „Maximal“

Eine alte Remise im Wrangelkiez wird bald abgerissen, doch solange sie noch Künstlerinnenatelier ist, wird sie zunächst einmal temporär umgenutzt. Cathrin Hoffmann und Sophia Süßmilch haben rund 40 Kolleg:innen eingeladen, unter dem unbescheidenen Titel „Maximal“ gemeinsam mit ihnen auszustellen, darunter etwa Agnes Scherer, Maja Djordjevic, Selma Selman und Zuzanna Czebatul. Die Künstler:innen sind anwesend – durch ihre Arbeiten, in Person, als Performende oder als Schatten. Die Ausstellung ist ein Spiel mit Abwesenheit und Präsenz.

WANN: Die Ausstellung „Maximal“ eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 13 bis 22 Uhr. Sie läuft bis Sonntag, den 14. September.
WO: Remise im Wrangelkiez, Wrangelstraße 52, 10997 Berlin.

Am Freitag, den 12. September, erwartet euch von 18 bis 22 Uhr ein üppiges Performance-Programm, unter anderem mit Beiträgen von Pegasus Product, Sophia Süßmilch, Göksu Kunak und collectif blitzbereit.

most dismal swamp number 1 main road Lukas Luzius Leichtle cca berlin gallerytalk berlin art week 2025 BAW
Most Dismal Swamp, Number 1 Main Road. Courtesy og the artist. // CCA, Lukas Luzius Leichtle, 2025 © Lukas Luzius Leichtle.

Number 1 Main Road: Most Dismal Swamp

Es ist dunkel, als du den Raum betrittst. Smartphone-Bildschirme flimmern, bieten sich an – besser: werden angeboten. Du bist umgeben von Kindergartenkindern, kleine Kreativdirektor:innen und Hypebeasts. Und jetzt hast du dir gefälligst ihre Trendberichte reinzufahren. So will es Most Dismal Swamp, selbsterklärte Vibe-Kill-Maschine und verantwortlich für die Ausstellung „Sending Hate“ bei Number 1 Main Road.

WANN: Die Ausstellung „Sending Hate“ von Most Dismal Swamp eröffnet am Freitag, den 12. September, von 18 bis 22 Uhr.
WO: Number 1 Main Road, Ossastraße 21a, 12045 Berlin.

CCA Berlin: Lukas Luzius Leichtle

Glücklich schätzen kann sich, wer ein Spenderherz braucht und ein Spenderherz erhält. So ging es dem französischen Autor Jean-Luc Nancy. Dann bekam er Krebs. Aggressive Immunsuppression nach einer Organtransplantation gilt als erheblicher Risikofaktor für Krebserkrankungen. Nancy hat seine Erfahrungen in seinem Buch „Der Eindringling“ niedergeschrieben. Dessen Titel hat sich Lukas Luzius Leichtle für seine Ausstellung bei CCA Berlin geliehen. Mit Close-ups von Fingernägeln oder Fleischfalten beleuchtet auch er in seiner Malerei die Fremdheit des eigenen Körpers.

WANN: Die Ausstellung „Eindringling“ von Lukas Luzius Leichtle eröffnet am Mittwoch, den 10. September, von 18 bis 21 Uhr. Sie läuft bis zum 22. November.
WO: CCA Berlin – Center for Contemporary Arts, Breitscheidplatz, 10789 Berlin.

Wisrah C V da R Celestino Iris V da Rocha between bridges gallerytalk berlin art week 2025 BAW
A heart-shaped flowerbed composed by Iris V. da Rocha in 2022. Photo: Wisrah C. V. da R. Celestino.

Between Bridges: Wisrah C. V. da R. Celestino

Eine Sammlung verbindlich unterschriebener Vollmachten bietet die Grundlage für die Ausstellung „Solo“ von Wisrah C. V. da R. Celestino. Denn mit neuen Arbeiten setzt Celestino auf dem kreativen Erbe von insgesamt sechs Personen auf. Zeichnungen, Kinderkleidung oder Grundrisse etwa hat Celestino ausgeliehen, um im Residency Space von Between Bridges mit ihnen, an ihnen, über sie zu arbeiten, sich beeinflussen zu lassen und das Ergebnis schließlich auszustellen. Delegation und Widerruf als zentrale Elemente des Ausstellungskonzepts regelt das Vertragswerk. Die involvierten Personen könnten ihre Zustimmung, Teil des Projekts zu sein, jederzeit zurücknehmen. Doch auch wenn sie das nicht tun, wird sich die Ausstellung während der Laufzeit verändern. Celestino nutzt den Raum weiterhin als Atelier.

WANN: Die Ausstellung „Solo“ von Wisrah C. V. da R. Celestino läuft bis zum 29. November.
WO: Between Bridges, Residency Space, Keithstraße 15, 10787 Berlin.

Wenn ihr Celestino live erleben wollt, markiert euch Freitag, den 12. September, im Kalender. Von 19 bis 20 Uhr findet eine Lesung in der Ausstellung statt.

Julia Stoschek Mark Leckey  gallerytalk berlin art week 2025 BAW
Julia Stoschek, Mark Leckey, Fiorucci Made Me Hardcore, 1999, Video still © Courtesy of the artist, Gladstone Gallery and Galerie Buchholz.

Julia Stoschek Foundation: Mark Leckey

Wer eine Horde Briten durch die Jahrzehnte raven sehen möchte, ist in der Julia Stoschek Foundation bestens aufgehoben. Die Ausstellung „Mark Leckey: Enter Thru Medieval Wounds“ kommt nicht ohne dessen ikonische Videoarbeit „Fiorucci Made Me Hardcore“ von 1999 aus. Es ist die bislang umfassendste Werkschau des Künstlers – ein Ritt durch Pop- und Jugendkultur, soziale Klasse und Technologie von 1970er-Jahren bis heute. Auch „Cinema-in-the-Round“, jene Arbeit, für die Leckey 2008 den renommierten Turner-Preis erhalten hat, wird selbstverständlich gezeigt.

WANN: Die Ausstellung „Mark Leckey: Enter Thru Medieval Wounds“ eröffnet am
WO: Julia Stoschek Foundation Berlin, Leipziger Straße 60, 10117 Berlin.

LAS Art Foundation Christelle Oyiri Cank gallerytalk berlin art week 2025 BAW
Christelle Oyiri und Neva Wireko, Hauntology of an OG, Videostill, 2025. Mit freundlicher Genehmigung der Künstler:innen, LAS Art Foundation, Amant, und Pinault Collection. © Christelle Oyiri and Neva Wireko.

LAS Art Foundation im Cank: Christelle Oyiri

Eine pyramidenförmige Mehrzweckhalle in der US-amerikanischen Stadt Memphis und die Kirche, in der Martin Luther King Jr. seine letzte Rede hielt, dienen Christelle Oyiri als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. In ihrem Film „Hauntology of an OG“, den sie gemeinsam mit der Fotografin Neva Wireko entwickelt hat, werden die Gebäude visuelle Anker einer Reflexion über Erinnerung, Trauma und Widerstand. Die Arbeit steht im Zentrum einer Installation aus Video, Sound und Szenografie, die Oyiri auf Einladung der LAS Art Foundation im Neuköllner Cank zeigt.

WANN: Die Installation „Dead God Flow“ von Christelle Oyiri eröffnet ab Mittwoch, den 10. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie ist bis zum 19. Oktober zu sehen – parallel zur Veranstaltungsreihe „Foundations“ des Kollektivs CEL.
WO: CANK, Anzengruberstraße 25, 12043 Berlin.

Oyiris Einzelausstellung „Heaven’s worth, Hell on earth“ eröffnet im Rahmen der „Gallery Night“ am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr in der Galerie Buchholz, Fasanenstraße 30, 10719 Berlin. Sie läuft bis zum 18. Oktober.

issy wood schinkel pavillon gallerytalk berlin art week 2025 BAW
Schinkel Pavillon, Issy Wood © Issy Wood 2024, Courtesy the artist, Carlos/ Ishikawa, London und Michael Werner Gallery, New York. Foto: Damian Griffiths.

Schinkel Pavillon: Issy Wood

Issy Wood bezeichnet sich als „medieval millenial“. Das dürfte dem altmeisterlichen Charme ihrer motivisch denkbar zeitgeistig ausgestatteten Malerei geschuldet sein. Auf Leinwand oder auf samtbezogenen Möbeln fängt sie ein, was sie beobachtet hat: Ereignisse, emotionale Zustände, Objekte. Für ihre Ausstellung im Schinkel Pavillon, „Magic Bullet“, hat Wood neue Arbeiten geschaffen, mit denen sie auf die Architektur des Raums reagiert.

WANN: Die Ausstellung „Magic Bullet“ von Issy Wood eröffnet am Mittwoch, den 10. September, um 18 Uhr. Sie läuft bis zum 31. Januar 2026.
WO: Schinkel Pavillon, Oberwallstraße 32, 10117 Berlin.

passage funkhaus berlin art week 2025 BAW gallerytalk
Credit: Funkhaus.

Passage im Funkhaus: “Polyphonic Views”

Wer des öfteren am Herrmannplatz in die U7 steigt, kennt sicherlich das Schaufenster, in dem seit fast eineinhalb Jahren regelmäßig Ausstellungen zu sehen sind. Nun hat sich der kleine Kunstraum Passage eine deutlich größere Ausstellungsfläche erschlossen. In der Shedhalle im Funkhaus versammelt die Gruppenausstellung “Polyphonic Views” Arbeiten von fast 40 Künstler:innen, darunter Richie Culver, Marcus Nelson, Anne de Vries, Tobias Spichtig, Ju Young Kim und Anna Uddenberg, um das Potenzial von Performance in Abwesenheit einer physischen Handlung auszuloten.

WANN: Die Ausstellung “Polyphonic Views” eröffnet im Rahmen des Spatial Festivals am Freitag, den 12. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis Sonntag, den 14. September.
WO: Funkhaus, Nalepastraße 18, 12459 Berlin.

gallerytalk.net ist Medienpartner Berlin Art Week.

Hierlang zu sehenswerten Ausstellungen in Berlin, die nicht im offiziellen Programm sind.

Transparenzhinweis: Die Autorin dieses Textes hat einen Text für die hier erwähnte Ausstellung „Maximal“ geschrieben.

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