Art Weekend Spezial

29. September 2016 • Text von

Unsere Münchner Nachbarn haben’s schon lange; die Schwergewichte Berlin und Hamburg sowieso. Selbst in unseren Nachbarländern ist’s bereits angekommen. Jetzt endlich – längst überfällig, wie wir finden – bekommt auch die kleine, aber durchaus feine Kunstszene Nürnbergs am kommenden Wochenende ihr allererstes Art Weekend. Wir sagen: Gut so! Und haben für Euch ein paar Highlights rausgepickt.

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Anahita Razmi: Filmstill aus „Here Script“, HD-Video, 2016. Installationsansicht Galerie Sturm

Unerklärlicherweise noch immer ein Geheimtipp, aber definitiv unser derzeitiger Favorit ist die kleine Galerie Sturm, die sich in feinster Industrieromantik in einer ehemaligen Hinterhofwerkstatt südlich des Bahnhofs versteckt und mit bewundernswertem Idealismus immer wieder mutige Ausstellung nach Nürnberg holt. Auch Anahita Razmis „Beat Sheets“ gehört sicher in diese Kategorie und begeistert uns mit perfekter Mischung aus verspielter Leichtigkeit und politischer Brisanz.
Beat Sheets“, vergangene Woche gestartet, verdient definitiv viele Besucher, die noch bis 6. November Zeit haben – oder aber ihr setzt die Galerie Sturm auf Eure Liste fürs Art Weekend, was wir Euch dringend empfehlen.

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Julien Prévieux: Filmstill aus „What Shall We Do Next? (Séquence #2)“, HD-Video, 2014. Courtesy the artist; Galerie Jousse Entreprise, Paris

Ebenfalls ein bisschen „ab vom Schuss“, aber nicht minder sehenswert ist der Kunstverein, die Albrecht-Dürer-Gesellschaft, im ehemaligen Milchhofgebäude am Wöhrder See. Oft ein wenig störrisch, manchmal etwas zu verkopft ist das Ausstellungsprogramm, aber trotzdem immer eine wichtige Bereicherung für das städtische Kunstgeschehen. Die aktuelle Ausstellung „Gestures of Tomorrow“ zeigt uns im Handumdrehen eine beeindruckende Huldigung der gesellschaftlichen Relevanz menschlicher Gesten. Wir verlieren uns vor allem in der ruhigen performativen Videoarbeit von Julien Prévieux liebend gerne.

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Oliver Rath beim Shooting in Nürnberg. Foto: Christine Blei

Vom Kunstverein gelangt ihr über die Wöhrder Wiese bald zur Lorenzer Straße. Unmittelbar gegenüber der Kunsthalle befindet sich die Galerie von&von. Hier sind auch die maßgeblichen Initiatoren des Art Weekends zu finden, die das Event in Zukunft als festen Termin im Nürnberger Kunstkalender etablieren möchten. Am ersten Oktoberwochenende jeden Jahres soll dann das Art Weekend stattfinden. Wenn sich hierfür auch noch Sponsoren fänden, wäre die Zukunft dieses großartigen Projektes gesichert.
Die Galerie von&von wollte während dieses Wochenendes eigentlich neue Arbeiten von Oliver Rath zeigen; vor allem für Fotografieinteressierte ein echtes Must mit einer jedoch traurigen Wendung: Der junge Fotograf starb völlig unerwartet vor wenigen Wochen; die bereits angekündigte Ausstellung bei von&von findet unter neuem Titel „Memories“ und mit geändertem Konzept trotzdem statt. Zu sehen sind jetzt überwiegend Making-Of-Bilder von Christine Blei, die bei Raths letztem Shooting in Nürnberg dabei war und ihrerseits den Fotografen beim Fotografieren mit der Kamera festhielt. Herausgekommen sind stellenweise leicht surreal wirkende Fashion-Backstage-Shots und eine stille Hommage auf den Berliner Star-Fotografen.

Johannes Kersting: „Golden Line Extended“, 2016. Installationsansicht Galerie Sima

Quer durch die Altstadt und kurz vor unserem ober-hippsten Stadtteil Gostenhof liegt nahe des Rosenauparks in der Hochstraße 33 die Galerie Sima; seit nun mehr 30 Jahren großartiger Galeriearbeit eine echte Institution in Nürnberg. Traut Euch in den zweiten Stock hinauf! Belohnt werdet ihr mit Arbeiten von Johannes Kersting, die in faszinierender Perfektion und vermeintlich spielerischer Leichtigkeit Fotografie und Malerei auf die Probe stellen, sogar in zwei Arbeiten überbordend aus den Bildflächen ausbrechen und installativ und in vollstem Farbrausch in den Raum wachsen. Ein Vexierspiel der Medien und Color Splash vom Feinsten – we like!

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Copyright Gerhard Mayer / Oechsner Galerie

Raumgreifend wird’s auch bei Gerhard Mayer in der Oechsner Galerie, die definitiv ebenfalls zur Crème de la Crème der Nürnberger Galerienlandschaft gehört. In „Keplers Irrtum“ lernen wir, warum Künstler frei nach Giotto keine perfekten Kreise mehr zeichnen müssen, sondern im Gegenteil Ellipsen wesentlich attraktiver sein können.
Den etwas weiteren Weg in die Gustav-Adolf-Straße sollte man nicht scheuen; neben der durchgehend guten öffentlichen Anbindung zum Galeriehaus Defet, in dem sich Annette Oechsners Galerie befindet, wird uns extra für dieses Wochenende ein Art-Shuttle zwischen den Ausstellungsorten eingerichtet. Für die Entdeckungsreise kreuz und quer durch Nürnberg gibt’s also keine Ausrede mehr!

WANN: Los geht’s am Freitag, den 30. September, ab 18 Uhr. Um 21 Uhr sehen wir euch hoffentlich alle zum Anstoßen auf der Dachterrasse der Design Offices am Königstorgraben 11. Ausgeschlafen habt ihr dann am Samstag, den 1. Oktober, von 11 bis 18 Uhr, und am Sonntag, den 2. Oktober, von 11 bis 16 Uhr alle Zeit zum Ausstellungsgucken.
WO: Quer durch die Stadt verteilt! Hier könnt ihr euch alle Spielorte anzeigen lassen.

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