Kunst, die sich selbst ordnet
Nina Rike Springer und die Ordnung der Dinge

26. November 2016 • Text von

Bäckerstraße, Tür Nummer 4. Von außen wirkt die Türe unscheinbar. Doch dahinter eröffnet sich ein riesiger Raum. Ein Raum für Kunst. Auf drei Etagen beschäftigt sich die Ausstellung von Nina Rike Springer mit Ordnung. Genauer gesagt, mit der Ordnung der Dinge.

So lautet auch der Name der Ausstellung. Erdgeschoss, Obergeschoss und Keller sind voller Werke von Nina Rike Springer. Bäckerstrasse4 Plattform für Junge Kunst, zeigt auf drei Stockwerken fast alles – Skulptur, Fotografie, Kollagen. Das Ensemble ist bunt, dynamisch, geometrisch – und wirft Fragen auf.

© Nina Rike Springer, 2016

© Nina Rike Springer, Haufenfalte, 2016

Der erste Raum widmet sich der Fotografie. Doch wagt man einen genaueren Blick, spielen die Fotos mit der eigenen Wahrnehmung. Vereinzelt lassen sich Frauenkörper entdecken, welche sich hinter gerafften Textilien verstecken. Obwohl die Künstlerin selbst abgelichtet ist, geht es ihr nicht um Selbstinszenierung, vielmehr fungiert ihr Körper als Ausdruck von Gefühlen und der eigenen Verfassung. Durch Material-Mix, Kamera, Selbstportraits, und Photoshop entstehen finale, beinahe alt-meisterlich wirkende Werk. Die spezielle Anordnung, Vervielfältigung und Spiegelungen der Figuren ergeben Motive, die einem klaren Bildaufbau folgen. Obwohl die Werke den ersten Raum füllen, machen sie in gewisser Weise das Endprodukt der Ausstellung aus. Der Betrachter wird gleich zu Beginn dazu aufgefordert, sich der Frage nach dem Prozess zu stellen, einem Vorher und einem Nachher, außerhalb der Fotografien.

© Nina Rike Springer, Faltenleger, 2016

© Nina Rike Springer, Faltenleger, 2016

Rike Springer arbeitet gerne mit den unterschiedlichsten Materialien und Strukturen, so auch in den Werken des nächsten Raumes. Zu sehen sind geometrische, bunte Formen, gepaart mit Körpern und einzelnen Körperteilen. Es wirkt, als ob die Körper in den Werken gerade erst am Bau eines Bildes sind. Allesamt folgen demselben Ziel, nämlich das Kunstwerk zu vollenden. Trotzdem finden sich in den Bildern unterschiedliche Herangehensweisen, dieses Ziel zu erreichen. Die Künstlerin bedient sich hierbei der Einfachheit des Bauhaus und des Konstruktivismus. Beim Betrachten stellt man sich selbst die Fragen: was war davor, und wie wird es aussehen wenn es fertig ist? Genau das ist auch Rike Springers Ziel. Die Werke funktionieren als Denkanstoß für das Sein von Produktionsprozessen. Durch die diversen Farb- und Formenkonstellationen begibt man sich in eine Sphäre von Geometrie, Architektur, Kollage, verbunden mit dem Tun der kleinen Figuren. Die Bilder vermitteln das Gefühl, dass die Figuren hier sind, um Ordnung ins Bild zu bringen, wodurch sie zu den Protagonisten selbst werden.

© Nina Rike Springer, Bildbauer geschmeidig, 2016

© Nina Rike Springer, Bildbauer geschmeidig, 2016

Jeder weiterer Raum, den man betritt, zeigt auch die vielfältigen medialen Zugänge der Künstlerin. Haben wir bereits Fotografie und Kollage hinter uns, so darf man im Obergeschoss auch noch einem Video folgen. Das Kollagen-haftige und Formen-fokussierte zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung, und kommt im Kellergeschoss zu seinem Grand Finale. Eine riesige Skulptur rundet die Ausstellung ab, und veranschaulicht den Prozess. Haben wir vorhin gerade noch die Figuren beim Bildbau beobachtet, so stehen wir nun vor einer vollendeten, dreidimensionalen Version.

Die Werke imponieren durch eine anfänglich wirkende Einfachheit, die bei genauerer Auseinandersetzung und Betrachtung neue Fragen aufwirft, die jeder individuell beantworten darf.

WANN: Die Ausstellung „Die Ordnung der Dinge“ läuft noch bis 02. Dezember 2016.
WO: bäckerstrasse4 Plattform für Junge Kunst, Bäckerstraße 4, 1010 Wien

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