All eyes on: unttld contemporary
Junger Wind in der Schleifmühlgasse

23. September 2016 • Text von

Seit 2014 hat die Galerie unttld contemporary unter der Leitung von Barbara Pretterhofer ihre Tore in der Schleifmühlgasse geöffnet. Vertreten sind neben internationalen Künstlern auch verstärkt junge Positionen. Ganz toll finden wir und hatten die Freude bei der viennacontemporary mit Barbara über ihren Galeriestart, ihre Arbeit und Pannen bei Kunstmessen zu plaudern. 

Einblick in den Galerieraum, copyright: unttld contemporary.

Einblick in den Galerieraum, copyright: unttld contemporary.

gallerytalk.net: Seit 2014 hat die Galerie unttld contemporary in der Schleifmühlgasse als eine „Galerie der neuen Generation“ aufgesperrt. Wie habt ihr die letzten zwei Jahre erlebt. War es ein schwerer Start
Barbara Pretterhofer: Nachdem das Alphaville (Anm.: eine Videothek) frei wurde und auch zur Vermietung bereit stand, war für mich klar „ok das passt“. Es hat dann eigentlich nach dem Umzug alles ganz gut begonnen. Die Kollegen haben mich alle sehr herzlich aufgenommen. Ja, natürlich ein bisschen skeptisch waren sie schon. Da kommt jetzt die junge Galerie und setzt sich hier einfach rein, aber das ist auch völlig in Ordnung, dass man mal schaut. Das Qualitätsniveau von meinen Kollegen in der Gasse ist ja sehr hoch. Ansonsten finde ich die Schleifmühlgasse großartig und sie hat natürlich auch ihre Vorteile. Man muss nicht so hart kämpfen um Besucher, da  Leute, wenn sie sowieso in der Gasse vorbeischauen, auch zu uns kommen.

Vor einigen Wochen kam die Nachricht von Andreas Huber, dass er seine Galerieräume schließen wird. Wie habt ihr diese Nachricht in der Gasse aufgenommen?
Ich kann nicht sagen, was die ganze Gasse denkt, das muss jeder selber kundtun. Ich persönlich finde es schade, verstehe Andreas Huber aber auch. Das ganze System ist momentan nicht einfach und ich kann es bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Für mich ist es momentan jedoch keine Option.

Dieses Jahr war die Galerie unttld-contemporary bereits bei einigen, auch internationalen Messen, wie der Art Brussels, vertreten. Wie wichtig schätzt du die Präsenz auf Art Fairs ein?
Für mich ist es sehr wichtig, weil ich einen Zugang zum internationalen Sammlerklientel bekomme. In Österreich gibt es nicht so viele Sammler. Diese Sammler schauen sich schon an, was die Jungen da überhaupt machen, aber die meisten werden auch schon sehr gut bedient von anderen österreichischen Galerien. Für mich sind internationale Messen also irrsinnig wichtig. Ich verkaufe auch international mehr und habe im Vergleich nur wenige österreichische Kunden. Die meisten davon kommen aus Europa, es gibt aber auch einige amerikanische Ausreißer.  

Einblick in die Vienna Contemporary 2016, copyright viennacontemporary / A. Murashkin.

Einblick in die viennacontemporary 2016, copyright viennacontemporary / A. Murashkin.


Die unttld contemporary ist nun zum zweiten Mal bei der viennacontemporary vertreten. Wie hat sich die Messe entwickelt? Was unterscheidet sie von anderen Messen in Österreich?
Also für mich gibt es in Österreich, was Gegenwartskunst betrifft, nur die viennacontemporary. Auch hinsichtlich des Qualitätsniveaus. Die Messe hat sich auch vom letzten Jahr noch mal weiter entwickelt. Man merkt, dass sie sich sehr bemüht haben. Alle anderen Messen, wie etwa der Versuch die Vienna Fair an der Frieze Masters zu orientieren oder die Art Austria, bei denen natürlich renommierte Galerien wie Rosemarie Schwarzwälder oder Thoman mitmachen, sind ok, aber ich habe einfach nicht die Kunst, die dort hinein passt.

Uns ist euer vielfältiger Messestand schon auf der Art Austria ins Auge gestochen. Auch diesmal, bei der viennacontemporary 2016, zeigt ihr Arbeiten von sieben unterschiedlichen Künstlern. Ist in eurem Booth überhaupt genug Platz für so viel Kunst? Was ist euer Konzept? 
Nein, es sind doch nur Arbeiten von sechs Künstlern geworden. Ich wollte eigentlich Fabian Seiz noch unterbringen, aber aufgrund dessen, dass mir irgendwie 1,5m² Fläche abgehen, weil ich anders gerechnet habe, als offiziell gerechnet wird, musste ich spontan alles noch mal komplett umstellen. Ich habe mich jetzt nur auf schwarz-weiße Arbeiten konzentriert. Die Künstler passen alle natürlich grundsätzlich zusammen vom Galerie Programm her. Es haben alle etwas mit Sprache zu tun. Es geht aber auch sehr stark um den optischen Faktor, also dass der Stand stimmig ist. Für mich war heuer so ein „Punkt“, als ich den Messe-Plan gesehen habe: „Ok relativ klein, wie ziehe ich am besten Menschen in den Messestand?“. Ein klassisches Motiv in der Kunst ist ja immer der Kreis oder der Kreis in seinen Abwandlungen. Darum sind eben die Kreisstudien von Sofia Goscinski ausgestellt, die Arbeiten von Samuel Schaab, aber auch der Traveller von Paul Leitner, der auch diese runde Symbolik wiederholt. Es war also im letzten Moment noch eine spontane Umstellung.

Messetand unttld contemporary bei der Vienna Contemporary 2016, © unttld contemporary

Messestand unttld contemporary bei der viennacontemporary 2016, © unttld contemporary

Ein Künstler aus deinem Programm, auf den auch wir schon länger ein Auge geworfen haben, ist Josef Bauer. Kannst du uns etwas über seine Arbeiten, seine Erfolge und Entwicklungen erzählen?
Er ist ein super Künstler. Er ist eben der Ausreißer in meinem Programm, was das Alter betrifft (Anm.: 1934*). Und ist einer der spannendsten österreichischen Künstler überhaupt meiner Meinung nach. Leider, oder wenn man es so sehen will Gott Sei Dank, war er damals noch nicht so bekannt. Es ist sehr spannend mit ihm zu arbeiten. Er ist über 80 und bringt selber schon so einen großen Erfahrungsschatz mit. Egal wann ich in sein Atelier komme, ich entdecke immer wieder neue Werke, neue Facetten in seinen Arbeiten. Das Atelier ist eine Wunderkammer für mich. Er hat sicher auch viel vorweggenommen, was anderen Künstlern zugute kam. Wie eben West oder Wurm, wenn man es vergleichen will, was man nicht unbedingt muss.

Josef Bauer | ohne Titel | 2014 | Plakatabrisse, Polyester, Lack | 43 x 57 x 20,2 cm © unttld contemporary.

Josef Bauer | ohne Titel | 2014 | Plakatabrisse, Polyester, Lack | 43 x 57 x 20,2 cm © unttld contemporary.

Für uns stellt die unttld contemporary eine Galerie dar, die insbesondere aufstrebenden Künstlern eine Plattform bietet, um mit Sammlern und Kunstinteressierten in Kontakt zu treten. Was sind eure Ziele und Visionen für die kommenden Jahre?
Ich glaube, dass es wichtig ist, eine gute Basis der Zusammenarbeit mit Künstlern zu haben und auch ehrlich zu sein von Künstlerseite sowie von Galerieseite aus. Ansonsten funktioniert das System sowieso nicht. Und ich möchte einfach schöne und gute Ausstellungen machen. Ganz banal. 

WANN: Die viennacontemporary läuft noch bis Sonntag, den 25.September. Der Messestand ist F08.
WO: viennacontemporary Marx Halle Wien, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien. Die Galerieräume von unttld contemporary befinden sich in der Schleifmühlgasse  5, 1040 Wien. 

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