OPEN art Spezial
Der Kunstherbst ist eröffnet #2

14. September 2018 • Text von

Noch stapeln sich die Rollkragenpullis hinten im Schrank und im Café schlürft sich so ein kühles Bier  passender als irgendein Heißgetränk mit Rum. Bald kommt er wohl, der Herbst. Und da wird alles vielleicht ein bisschen kühler, aber in Sachen Kunst auch wieder richtig spannend. Das beweist die „OPEN art“.

Logo: OPEN art.

Wie in jedem Jahr seit beinahe zwei Jahrzehnten eröffnet am zweiten September-Wochenende gleich ein ganzer Schwung neue Ausstellungen in Galerien, Museen und anderen Institutionen. Die „OPEN art“ ist ein Pflichtevent für Münchner Kunstliebhaber. Doch 2018 bekommt sie Konkurrenz. Unter dem Titel „Various Others“ haben sich ebenfalls Veranstalter zusammengeschlossen, um der Stadt etwas zu bieten.

Innige Liebe weil Tradition oder heißer Flirt weil unbekannt und sexy? Wir wollen beides, ist doch klar! Im Grunde ist ja ganz egal, unter welchem Banner nun die besten Shows des Herbsts debütieren. Nach „Various Others“ nehmen wir die OPEN art unter die Lupe.

Parastou Forouhar: Lettres ouvertes, de la calligraphie au street art. Institut des Cultures d’Islam (ICI), Paris, 2017 / 2018.

Ich lese, also verstehe ich. Angesichts von Unbekanntem und Fremdem finden wir Orientierung und Eineindeutigkeit im geschriebenen Wort. Parastou Forouhar fährt diese Selbstverständlichkeit gegen die Wand. Für ihre Werkserie „The Written Room“ bedeckt die Künstlerin ganze Räume mit persischen Schriftzügen; für einen Großteil des Publikums unverständlich, erschließt sich nur denjenigen, die Farsi sprechen, die klaffende Lücke zwischen Signifikant und Signifikat. Forouhars Wörter haben keine Bedeutung, sind Zeichnung anstatt Zeichen.

Wand, Decke und Boden bedeckend konterkariert die Arbeit auch die westliche Verwertungslogik des Kunstmarktes, indem dessen ewiger Repräsentant, der White Cube, seine ganze Neutralität einbüßt und zum Bildträger degradiert wird. Anschauen könnt ihr euch das bei Karin Sachs.

WANN: Die Eröffnung ist am 14. September, ab 18 Uhr. Zu sehen bis 20. Oktober.
WO: Karin Sachs, Augustenstrasse 48, 80333 München.

Udo Nöger: be water 19, 2013.

Van Gogh malte buntere Bilder, während er an der Côte d’Azur lebte. Obwohl man Farben nicht steigern kann, ist oft das Blau blauer und das Gelb gelber, wenn Künstler und Werk mehr Sonnenstunden erfahren.
Der in Kalifornien lebende Künstler Udo Nöger gibt sich nicht mal damit zufrieden, seine Farben etwas satter anzumischen. Er will gleich mit Licht malen. In Finnland käme niemand auf die Idee, mit Licht zu malen.

Den Effekt, dass das Licht aus dem Gemälde zu kommen scheint, erzeugt er nicht durch eine Birne hinter der Leinwand, sondern durch das Nebeneinander und Übereinander von unterschiedlich lichtdurchlässigen Stoffen. Kann man Malerei nennen, kann man Skulptur nennen – ist in jedem Fall ein humorvoller Umgang mit dem Medium Leinwand und der Eintönigkeit abstrakter Malerei. Überzeugt euch selbst bei Jörg Heitsch.

WANN: Die Eröffnung ist am 14. September, ab 18 Uhr. Zu sehen bis zum 21. Oktober.
WO: Jörg Heitsch, Reichenbachstraße 14, 80469 München.

Heinz Weld: Schwebende, Holz, Thomas Splett, Fotografie, Galerie Klaus Lea.

Im Schloss Nymphenburg, fernab der zeitgenössischen Kunst, befindet sich die sogenannte Schönheitengalerie von König Ludwig I.. Der bayrische Regent prägte den Begriff der „Schönen Münchnerin“ und ließ Bilder von Exemplaren dieser Spezies anfertigen, die noch heute gemeinsam ausgestellt werden.

Die Galerie Klaus Lea versammelt anlässlich von „OPEN art“ 15 künstlerische Positionen unter dem Titel „Die schöne Münchnerin“ – in Zeiten von #metoo, #notsurprised und eines verstärkten Bewusstseins über Cat Calling und andere Formen von Sexismus im Alltag, eine gewagte Ausstellung. Es bleibt abzuwarten, ob der Ausstellungstitel heute noch eine Bedeutung hat, die über Klischees von wohlhabenden, aufgespritzten Ingenieurs- oder Anwaltsgattinnen oder bayrische Tracht hinaus geht.

WANN: Die Eröffnung ist am 14. September, ab 18 Uhr. Zu sehen bis zum 6. Oktober.
WO: Galerie Klaus Lea, Theresienstraße 19 – Eingang Fürstenstraße, 80333 München.

Die OPEN art wird am Freitag, den 14. September, um 17 Uhr an der Hochschule für Fernsehen und Film mit einer Filmpremiere der Dokumentation der Geschichte der Initiative seit den 80er Jahren eröffnet. Die Ausstellungen eröffnen am gleichen Abend von 19 bis 21 Uhr. Am Samstag, den 15. September, sowie am Sonntag, den 16. September, gibt es Rundgänge durch die Galerien jeweils um 11 Uhr, um 14 Uhr und um 16 Uhr. Mehr Infos gibt es am Infostand der OPEN art im Kassenbereich der Kunsthalle Hypo-Kulturstiftung und unter openart.biz.

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