Nürnberger Kunstgriff
27.11. - 03.12.2015

27. November 2015 • Text von

Wie sollen wir mit der immer stärker werdenden Intelligenz von Maschinen umgehen? Wie wohnst du eigentlich so – und was sagt es über dich aus? Und mit welchen Problemen ist unsere Gesellschaft derzeit konfrontiert? Yvonne Hofstetter, die Gruppenausstellung in der Kunsthalle Nürnberg und Olaf Metzel geben euch in dieser Nürnberger Kunstwoche Antworten auf solche Fragen.

Ihr habt euch in letzter Zeit auch immer öfter gefragt, wer in eurer Online-Beziehung die Hosen anhat – ihr oder Facebook? Euch fallen die vielen Menschen in der U-Bahn auf, die, anstatt sich gegenseitig anzuschauen, nur noch in ihre Handys starren – und erschrocken lasst ihr selbst das Gerät der ständigen Erreichbarkeit in eurer Tasche verschwinden? Mit der Digitalisierung verwandeln wir unser Leben, privat wie beruflich, in einen Riesencomputer. Alles wird gemessen, gespeichert, analysiert und prognostiziert, damit es gesteuert und optimiert werden kann. Und wer beherrscht jetzt wen?

Sie wissen alles. Yvonne Hofstetter, C. Bertelsmann Verlag 2015

Sie wissen alles. Yvonne Hofstetter, C. Bertelsmann Verlag 2015

Mit diesem Rollenspiel von Mensch und intelligenter Maschine beschäftigt sich Yvonne Hofstetter heute in der Aula der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Ihre Gedanken zu Big Data und der Nutzung intelligenter Algorithmen zur Optimierung des Menschen hat Hofstetter bereits mehrfach dargelegt, so in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Süddeutschen und gesammelt in Ihrem Buch „Sie wissen alles. Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen“, das 2014  beim Bertelsmann Verlag erschienen ist. Wer heute Nachmittag noch nichts vor hat, sollte sich den Vortrag dazu anhören – letztendlich will doch jeder von uns die Hosen anbehalten im Umgang mit den intelligenten Maschinen.

WANN: 27.November, 17 Uhr
WO: Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, Bingstraße 60, 90480 Nürnberg

Courtesy Galerie Wilma Tolksdorf Frankfurt a. M., © Jörg Sasse

Courtesy Galerie Wilma Tolksdorf Frankfurt a. M., © Jörg Sasse

Wenn du ein Möbelstück in deiner Wohnung wärest, welches würdest du sein? Vom Küchentisch, der immer die besten Partys erlebt und wohl den kommunikativsten Ort in der Wohnung inne hat, bis zur Couch, deren Anblick allein schon entspannt, kann das alles sein. Etwa die alte Diele, die einen mit ihrem Knarzen Willkommen heißt oder verabschiedet, oder die Badezimmer Fliesen, die einen morgen für morgen mit ihrem azurblau in den Tag bringen.

Sasse_W-92-01-01_Duesseldorf_1992Die Einrichtung sagt etwas über uns aus, jedes Stück hat einen eigenen Charakter. Die Kunsthalle Nürnberg zeigt mit der Gruppenausstellung Homebase. Das Interieur in der Gegenwartskunst, dass Interieur eine Reflexion des alltäglichen Lebens sein kann, sowie auch eine Metapher für psychologische Innenwelten. 14 internationale Künstler beleuchten mit verschiedenen Kunsttechniken die sich zunehmend auflösende Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit und stellen die Frage, welche Behausung der Mensch zum Überleben wirklich braucht. Die Ausstellung wird von interessanten Veranstaltungen begleitet, die die verwendeten Techniken der Malerei und Zeichnung, Fotografie und Video näher beleuchten und unsere enorme Medienvielfalt noch intensiver beleuchten. Ein Blick in die fremden sieben Zimmer der Kunsthalle lohnt sich!

WANN: 03.Dezember bis 21.Februar 2016
WO: Kunsthalle Nürnberg im KunstKulturQuatier, Lorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg

Olaf Metzel, "dermaßen regiert zu werden", 2015 © Olaf Metzel / VG Bild-Kunst, Bonn, 2015 · Foto: Leonie Felle

Olaf Metzel, „dermaßen regiert zu werden“, 2015
© Olaf Metzel / VG Bild-Kunst, Bonn, 2015 · Foto: Leonie Felle

Über das reine Abbilden unserer privaten vier Räume geht der Künstler Olaf Metzel hinaus: er möchte unsere Gesellschaft dreidimensional zeigen, oder vielmehr ihre Probleme der Macht, Kontrolle, Überwachung, Medienpolitik, Ausgrenzung oder Migration. Menzel ist gelernter Bildhauer, Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München und seine raumgreifenden Skulpturen kombinieren formalästhetische Ansprüche mit klugen Beobachtungen unseres Zeitgeschehens. Die Schaffensphase seiner Arbeiten haben Bernd Schöppner und Florian Waldvogel von der Produktion Filmhochdrei jetzt in 45 Minuten auf Band festgehalten. In Ihrem Film porträtieren sie den Künstler, besuchen ihn in seinem Atelier und begleiten ihn bei den Vorbereitung zu dieser Ausstellung im Neuen Museum. Olaf Metzel. Deutsche Kiste zeigt Metzels radikalen Anspruch auf die Freiheit der Kunst in seinen provokativen Arbeiten. Auch in einem seiner neuesten Werke, dermaßen regiert zu werden (2015), kommt dieser Anspruch zum Ausdruck.

Als großformatige Installation aus Wellblech, welches mit zerknüllt erscheinenden Impressionen aus der Gegenwart bestückt ist, präsentiert es das vielseitige Werk des Künstlers. Es zeigt so ein mit Zeitmomenten gespicktes Gesellschaftspanorama, das ästhetisch unsere Ära und gegenwärtige Diskurse einfangen soll. Die Einzelausstellung von Olaf Menzel läuft seit dem 13.November und geht noch bis zum 14.Februar 2016. Sie stellt seine Arbeit der letzten Jahre differenziert dar und hat den Anspruch, die Diskussion um sein kontroverses Werk nachzuverdichten. Jedem, der darüber mehr wissen will und den die Hintergründe zu Künstler und Ausstellungsvorbereitung interessieren, empfehlen wir unbedingt die Prämiere des Films Being Olaf Metzel nächsten Donnerstag im Neuen Museum.

WANN: Filmscreening „Being Olaf Metzel“ am 03.Dezember, 19 Uhr.
Ausstellungsdauer vom 13.November bis 14.Februar 2016
WO: Neues Museum, Luitpoldstraße 5, 90402 Nürnberg

Weitere Artikel aus Nürnberg