Nürnberger Kunstgriff
10.03. – 16.03.17

10. März 2017 • Text von

Es wird laut und bunt: Reinheit und Ritual, Ruhe und wilder Aktionismus, reines Weiß und lautes Rot – in Fürth prallen Gegensätze aufeinander. Außerdem bringt die kommende Woche verzerrt-groteske Portraits und einen radikalen Altmeister des frühen Anti-Pop nach Nürnberg.

Hans Karl Kandel: Gefäße „kiss“, 2016, je Ø 85cm x 89cm H 88,5 cm, Hartgips. Foto: ©VG BildKunst, Bonn 2017

Hans Karl Kandel: Gefäße „kiss“, 2016, je Ø 85cm x 89cm H 88,5 cm, Hartgips. Foto: ©VG BildKunst, Bonn 2017

Mit Hermann Nitsch und Hans Karl Kandel treffen in der kommenden Woche zwei ungewöhnliche Künstler in Fürth aufeinander: Während Nitsch, Großmeister der Wiener Aktionskunst und international anerkannt, bekannt ist für seine wuchtigen, lauten Schütt-Bilder, ist der fränkische Künstler Kandel ein „Bildhauer der Stille“, der fragile Skulpturen aus Gips formt. Kandels Gefäße versprühen in ihrer beinahe kultischen Aura Ruhe, Vollkommenheit und Reinheit und stehen so im denkbarsten Kontrast zu Nitschs Werken, die eine glühen vor Sinnlichkeit, Verschwendung und Kraft.

WANN: „Reinheit & Ritual“ eröffnet am heutigen Freitag, den 10. März, um 19 Uhr.
WO: In unserer liebsten Nachbarstadt findet sich die kunst galerie fürth am Königsplatz 1.

Maxim Fomenko: “Lust for Life”, 2016, Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm. © Maxim Fomenko

Maxim Fomenko: “Lust for Life”, 2016, Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm. © Maxim Fomenko

Verzerrt, verwischt, verflüssigt und beinahe zur Unkenntlichkeit entstellt sind die Figuren in Maxim Fomenkos Arbeiten. Klassische Portraits und Persönlichkeiten der Kunstgeschichte greift Fomenko auf und zitiert diese, wenn auch gänzlich verfremdet, humorvoll grotesk und bisweilen auch gänzlich bizarr. Zu Ausstellung erscheint der erste Katalog des 1988 geborenen Künstlers.

WANN: Ebenfalls heute Abend, am Freitag, den 10. März, beginnt die Ausstellung um 19 Uhr.
WO: Die Stadtteilgalerie LeonArt ist in der Lepoldstraße 24 in Nürnberg.

Boris Lurie, "PLEASE", ca. späte 1960er. © The Boris Lurie Art Foundation

Boris Lurie, „PLEASE“, ca. späte 1960er. © The Boris Lurie Art Foundation

Der US-amerikansiche Künstler Boris Lurie hinterließ nach seinem Tod im Jahr 2008 ein radikales Werk, das in Bild und Wort den bürgerlichen Kunstbegriff attackiert und allen idealistischen Erwartungen an Kunst, sowie jeder Form von Ästhetizismus eine unmissverständliche Absage erteilte. Lurie war Mitbegründer der „NO!art“-Bewegung und trat für eine soziale Kunst ein, die ästhetische Innovation als Nebenprodukt ungehemmten Ausdrucks erzielt. Als großer Kritiker der Pop-Art entwickelte Lurie schon früh eine sehr eigenständige Kunst, die sich vor allem im Bereich der Collage entfaltete. „Pop-Art ist reaktionär. Sie verherrlicht die Konsumgesellschaft und mokiert sich nur über den Konsum der unteren Klassen: die Suppendose, das billige Hemd. Pop-Art ist chauvinistisch“, so der Künstler.

WANN: Los geht’s mit „Anti-Pop“ am Donnerstag, den 16. März, um 19 Uhr.
WO: Das Neue Museum ist am Klarissenplatz.

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