Nürnberger Kunstgriff
10.02. – 16.02.17

10. Februar 2017 • Text von

Fragmentierung, Konstruktion, Neuformulierung – in dieser Woche wird in Nürnberg zerlegt, neu zusammengesetzt und hinterfragt. Sven Drühl zeigt seine Landschaftssimulationen im Kunsthaus; das Neue Museum wird zum kühlen Kuriositätenkabinett von Joachim Bandaus Figuren.

Sven Drühl: „S.D.E.T.“, 2017, Lack auf Leinwand, 180 x 180 cm, © Sven Drühl, VG-Bild-Kunst, Bonn 2017, Courtesy: Galerie Tony Wuethrich, Basel

Sven Drühl: „S.D.E.T.“, 2017, Lack auf Leinwand, 180 x 180 cm, © Sven Drühl, VG-Bild-Kunst, Bonn 2017, Courtesy: Galerie Tony Wuethrich, Basel

Kühne Felswände, steile Gipfel, Hochgebirge und Baumwipfel – Sven Drühls gemalte Monumentallandschaften sind vereinnahmend schön, irritierend beklemmend und referieren so nicht grundlos an den Erhabenheitsbegriff der Romantik. Doch Drühls Landschaften sind keine erlebte Natur, sondern frei erfundene und aus Versatzstücken diverser Vorlagen konstruierte Gedankenbilder. Als Vorlagen dienen ihm dabei häufig romantische Landschaftsgemälde des 19. Jahrhunderts, aber auch digitale Bildwelten der Gegenwart. Einzelne Elemente greift er auf, verfremdet, reduziert und überträgt diese in exakt durchdachter Vorgehensweise und mit ungewöhnlichen Materialien wie Lack und Silikon auf die Bildfläche.

WANN: Sven Drühls Landschaftskonstruktionen sind in der Ausstellung „Simulation – Landschaft jenseits der Wirklichkeit“ ab Mittwoch, den 15. Februar, 20 Uhr, bis zum 16. April in Nürnberg zu sehen.
WO: Das Kunsthaus im KunstKulturQuartier findet sich in der Königstraße 93, unweit des Bahnhofs.

Joachim Bandau: "Weiße Königin", 1970; "Ophelia, badewassergrün", 1967. Foto: Joachim Bandau

Joachim Bandau: „Weiße Königin“, 1970; „Ophelia, badewassergrün“, 1967. Foto: Joachim Bandau

In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren unterzog Joachim Bandau mit seinen Polyester-Plastiken das Menschenbild einer kritischen Neuformulierung. Die menschliche Figur erscheint in seinen Arbeiten dekonstruiert, in Fragmente zerlegt und wird anschließend scheinbar völlig entkoppelt von den Funktionen seiner Einzelteile neu zusammengefügt zu einem scheinbar beliebig austauschbaren, willenlosen Zerrbild seiner selbst. Durch die cleanen, äußerst kühlen Oberflächen der Ergebnisse wirken die Arbeiten jedoch weniger verstörend, als distanzierend fremd. Bandaus Arbeiten artikulieren einen zeittypischen wie auch aktuellen Diskurs um Fragen nach Selbstbestimmung, Demokratie, Humanität und Freiheit.

WANN: Als Teil der Sammlungspräsentation sind Joachim Bandaus Arbeiten unter dem Titel „Ophelia und das Mannequin“ noch bis zum 30. April zu sehen. Einen besseren Einblick bringt aber sicherlich die Kuratorenführung mit Dr. Thomas Heyden am kommenden Donnerstag, den 16. Februar, um 18 Uhr.
WO: Die imposante Glasfassade schaffte es schon prominent in den ersten Franken-Tatort – dahinter verbirgt sich das Neue Museum direkt am Klarissenplatz.

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