Nürnberger Kunstgriff
08.09. – 14.09.17

8. September 2017 • Text von

Versprochen, die Woche wird bunt und inspirierend! Hintersinniges trifft auf Gesellschaftskritisches, Witziges auf Philosophisches. Macht Euch bereit für ein exquisites Vernissage-Hopping, denn Nürnberg ist aus dem sommerlochinduzierten Dornröschenschlaf erwacht!

Oliver Husain: „Isla Santa Maria 3D“, 2016, production still. courtesy the artist

Oliver Husain: „Isla Santa Maria 3D“, 2016, production still. courtesy the artist

Der „Pilgerschritt“ bezeichnet im Tanz eine Choreografie, bei der nach einigen Schritten vorwärts ein Rückwärtsschritt folgt. Diese Metapher nimmt der Kunstverein Nürnberg zum Anlass die Künstler Will Benedict, Rodrigo Hernández, Oliver Husain, Anahita Razmi und Eric Sidnerüber über die nicht-lineare Beschaffenheit von (Kunst-)Geschichte und Weltgeschehen sinnieren zu lassen. Denn im Leben wie in der Kunst geht es nicht immer nur vorwärts. Wie man auch Stagnation und Rückschläge produktiv nutzen kann, erfahren wir in der Ausstellung „Pilger Mills – Von unzeitgemäßen Formen in der Gegenwart“.

WANN: Die Tanzübungen beginnen am Freitag, den 8. September, um 19 Uhr.
WO: Die Tanzfläche befindet sich im Kunstverein Nürnberg, Albrecht-Dürer-Gesellschaft in der Kressengartenstraße 2.

Andrea Sohler: „scape" © VG Bild-Kunst Bonn 2017

Andrea Sohler: „scape“ © VG Bild-Kunst Bonn 2017

Warum in die Ferne reisen wenn das Spektakuläre so nah sein kann? Andrea Sohler, Absolventin der Hochschule für Angewandte Künste Budapest und Meisterschülerin bei Prof. Ottmar Hörl an der AdBK Nürnberg, wird in ihrer Ausstellung „nűber“ im Kunstverein Kohlenhof ein weiteres Mal unter Beweis stellen, dass sich das Fremdartige, Hintersinnige und Exotische auch auf dem Pflasterstein nebenan finden lässt. Ihre fotografischen Arbeiten sind durchdrungen von einer subtilen Poesie, die dem Alltäglichen und normalerweise Übersehenen im Bild Raum gibt, um seine kleinen Wunder zu entfalten.

WANN: Die Schönheit einfacher Dinge entdecken wir am Samstag, den 9. September, um 19 Uhr.
WO: Auf Entdeckungsreise geht’s in der Grasersgasse 15/21 im Kohlenhof Kunstverein Nürnberg e.V.

Matthias Ströckel: „Helix“, 2017, 45x30 cm, Fotografie als Digitaldruck © the artist

Matthias Ströckel: „Helix“, 2017, 45×30 cm, Fotografie als Digitaldruck © the artist

Die Arbeiten von Matthias Ströckel bestehen oft aus simplen, aber poetischen Versuchsanordnungen, in denen verschiedenste Objekte und Techniken miteinander in Beziehung gesetzt und letzlich in einen „Experimentierzustand“ (Ströckel) gebracht werden. Obwohl sie in ihrer klaren Formensprache immer genau durchdacht zu sein scheinen, verlieren sie nicht ihre spielerisch-intuitive Anmutung. „All Away Above“ zeigt rostige Kanonenkugeln, sorgsam drapiert wie Planetenmodelle, Zeichnungen rätselhaft in ihrer Entstehung und platziert alltägliche Dinge so geschickt in neuen Kontexten, dass deren Wesenhaftigkeit und Lesbarkeit auf faszinierende Weise durch den Betrachter neu zu verhandeln ist.

WANN: Eröffnet wird am Dienstag, den 12. September, um 19 Uhr.
WO: Die Galerie Sima ist im zweiten Stock der Hochstraße 33.

Alicia Framis: „Room for Forbidden Books“, 2014, Holzkiste, 200 Bücher, Kissen, Matratzen, Licht, 250x250x250 cm, Unikat, Banco Sabadell Collection

Alicia Framis: „Room for Forbidden Books“, 2014, Holzkiste, 200 Bücher, Kissen, Matratzen, Licht, 250x250x250 cm, Unikat, Banco Sabadell Collection

Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen wurde seit ihrer Festschreibung 1948 von 193 Staaten unterzeichnet. Leider ist es mitnichten so, dass sich diese Staaten alle an deren Durchsetzung halten würden. Die traurige Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit, die sich hierin offenbart, ist ein Leitmotiv in der künstlerischen Auseinandersetzung der spanischen Künstlerin Alicia Framis. In ihren Arbeiten hinterfragt sie gesellschaftliche Missstände und Zwänge. Parallel zur Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises stellt die Kunsthalle Nürnberg in der Ausstellung „fearless“ das vielseitige Werk der in Amsterdam lebenden Künstlerin vor, die in ihren Performances, Kostümen, Objekten und Installationen Kunst und Leben in Beziehung setzt und einlädt gesellschaftliche und politische Strukturen neu zu denken.

WANN: Furchtlos startet die Ausstellung am Mittwoch, den 13. September, um 20 Uhr.
WO: Die Kunsthalle Nürnberg in der Lorenzer Straße 32 wird dabei zum Zentrum kritischer Betrachtungen.

Jude Griebel: „Modern Grotesque 2“, 2017 © the artist

Jude Griebel: „Modern Grotesque 2“, 2017 © the artist

Ebenfalls mit akuten und drängenden Problemen der Menschheit beschäftigt sich die Ausstellung „Arms, Eyes, Detritus“ (Arme, Augen, Schutt) von Jude Griebel in der Galerie Sturm. Hier wird allerdings ein anderer, humorvoller, zuweilen sarkastischer Tonfall angeschlagen: Globale, normalerweise sehr abstrakte Herausforderungen vor allem ökologischer Art, wie Luftverschmutzung, Klimawandel oder die Verschmutzung der Weltmeere werden in grotesken, teils absurd ausbalancierten Figuren vermenschlicht. Das wenig hoffnungsvoll stimmende Zusammentreffen von Mensch und Natur, die moderne Konsum- und Wegwerfgesellschaft finden in Griebels Skulpturen eine Ausdrucksform, die uns schmunzelnd aber auch nachdenklich zurücklässt.

WANN: Zum Ende der Kunstwoche, am Donnerstag, den 14. September, eröffnet „Arms, Eyes, Detritus“ um 19.30 Uhr.
WO: Südlich des Bahnhofs findet sich die Galerie Sturm in der Galgenhofstraße 33.

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