Münchner Kunstgriff
18.10. – 24.10.17

18. Oktober 2017 • Text von

Goldener Herbst und gute Ausstellungen. Was will man mehr. Nigin Beck in der Galerie Jo van de Loo, Andreas Peiffer in der PLATFORM und Yorgos Sapountzis in der Galerie Barbara Gross.

Andreas Peiffer: DER BAU, 2017, PLATFORM München.

Schwere Bauelemente, die zu schweben scheinen, Eingriffe in die Architektur oder überdimensionierte Brunnen in kleinsten Räumen. Der Bildhauer Andreas Peiffer arbeitet gerne site-spezifisch und greift in die Vorgefundene Architektur ein. Er nutzt massive Elemente wie Rolltreppen oder Industriemotoren und integriert sie in seine Arbeiten. Ab Mittwoch bespielt er nun die Halle der PLATFORM mit einer ortsspezifische Installation. Unter dem Titel “DER BAU” hat sich der diesjährige Preisträger des Kunstklub 13 e.V., ausgehend von Kafkas unvollendeter Erzählung, Teile einer Behelfsbrücke angeeignet und diese transformiert.

WANN: Die Eröffnung ist am 18. Oktober ab 19 Uhr, zu sehen bis 12. November.
WO: PLATFORM, Kistlerhofstraße 70, Haus 60, 3. Stock, 81379 München.

Yorgos Sapountzis: Nacktes Erbe: Wir brauchen Euch Alle, 2017, Installation view „Made in Germany drei“, Sprengel Museum, Hannover.

Wer sich in diesem Sommer auch nur mit minimaler Aufmerksamkeit übers Arsenale-Gelände der Biennale Art in Venedig bewegt oder sich wegen „Produktion: Made in Germany Drei“ nach Hannover verirrt hat, muss ihn bereits lieben. Jetzt sind die Arbeiten von Yorgos Sapountzis endlich wieder in München zu sehen. Bei Barbara Gross könnt ihr euch ab Donnerstag davon überzeugen, dass eine Konstruktion aus buntem Stoff und Aluminiumstangen zwar denkbar provisorisch klingt, dafür aber lange im Gedächtnis bleibt. Wie schnell sich eine Installation wieder auseinanderbauen lässt, entscheidet schließlich nicht über den Eindruck, der fortbesteht, wenn das Spektakel vorbei ist. Sapountzis kreiert Kulissen, die dramatisch wirken, ohne bespielt zu werden. Wer sie von allen Seiten betrachtet, entdeckt Leben in ihrer Statik. Ob die Stofffahnen lebendig bleiben, wenn sie einmal konventionell gerahmt werden, muss sich zeigen. Das macht die Sache aber nicht weniger spannend.

WANN: Die Eröffnung ist am 19. Oktober, um 19 Uhr, zu sehen bis 28. November
WO: Barbara Gross Galerie, Theresienstraße 56, 80333 München.

Nigin Beck: My yellow is yours, your red is mine, 2017, Kunstwerke Berlin.

Wer eine Oma hat oder hatte, weiß, dass Omas einem Süßigkeiten zustecken. Dass sie Lavendel nicht nur in der Natur als wohlriechend empfinden und manchmal etwas angestaubte Ansichten vertreten. Viele Omas sind so. Aber nicht alle und vor allem sind nicht alle Geschichten über Großmütter so rosig-normal, wie es einem die Werbepausen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender glauben lassen. Die Großmutter von Nigin Beck wurde im Iran geboren. Von dort emigrierte sie 1964 nach Deutschland. Als Kind erlebte Beck bei ihr die Geborgenheit, die man von der Klischee-Omi erwartet – womöglich gar noch etwas mehr. Doch immer schwang da auch etwas mit: Sehnsucht nach der Heimat. In „PLACES THAT ARE NOT – Nostalgia for Mahdieh“ befasst sich Beck ab Donnerstag in der Galerie Jo van de Loo mit dem Thema Migration. Ausgangspunkt ist die Geschichte ihrer Familie. Doch mit ihren künstlerischen Positionen trifft sie Aussagen von gesamtgesellschaftlicher Relevanz.

WANN: Die Eröffnung ist am 19. Oktober ab 18 Uhr.
WO: Galerie Jo van de Loo, Theresienstraße 48, 80333 München.

Die Absätze zu den Ausstellungen Barbara Gross und Jo van de Loo wurden von Anna Meinecke verfasst und sind bereits in der Oktober-Ausgabe des Superpaper erschienen.

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