Mehr Schein als Sein
Stefanie Moshammer in der Galerie Ostlicht

18. November 2016 • Text von

Für ihre Fotoserien folgte Stefanie Moshammer Stripperinnen in Las Vegas und streifte durch die Favelas von Rio de Janeiro. So unterschiedlich diese Orte auch sind, ist es der Schein nach außen, der beiden gemein ist.  Die Arbeiten zeigen uns einen neuen Aspekt dieser Städte – nämlich wie das wahre Leben eigentlich aussieht.

Desert Breeze aus der Serie "Vegas and She", 2014 © Stefanie Moshammer

Desert Breeze aus der Serie „Vegas and She“, 2014 © Stefanie Moshammer

Stefanie Moshammer gehört derzeit zu den hoffnungsvollen Sternchen der heimischen Fotografie. Sämtliche Zeitungen und Magazine, wie Die Zeit, Vice und Süddeutsche, reißen sich um ihre Arbeiten. Auf fesselnde Weise bewegen sich ihre Bilder an der Grenze zwischen Kunst- und Dokumentarfotografie. Für ihre künstlerische Arbeit verbrachte die Fotografin mehrere Monate in den Städten Las Vegas und Rio de Janeiro. Die entstandenen Werkserien werden derzeit in der Galerie Ostlicht gezeigt.

Gorgeous aus der Serie „Vegas and She“ © Stefanie Moshammer

Gorgeous aus der Serie „Vegas and She“ © Stefanie Moshammer

Ohne viel Tamtam schmiegen sich die Arbeiten von Stefanie Moshammer in die übrige Ausstellung der Galerie in der Ankerbrotfabrik. Die Serie „Vegas and She“, welche im ersten Raum zu sehen ist, beschäftigt sich mit einem Ort, der mehr Schein als Sein ist. Der Schauplatz ist Las Vegas. Eine Stadt, die mitten im Nichts der Wüste von Nevada aufragt und so berühmt für ihr Nachtleben ist, wie kaum ein anderer Ort auf der Welt. Jeder kennt Las Vegas von Fotos oder aus Filmen. Betrachtet man aber Moshammers Bilder, erkennt man, dass ein wesentlicher Teil in all dem schon Bekannten ausbleibt.

Tiania aka Toni aus der Serie „Vegas and She“ © Stefanie Moshammer

Tiania aka Toni aus der Serie „Vegas and She“ © Stefanie Moshammer

Abseits dessen, was man angeblich von Las Vegas kennt, die glanzvollen Hotelkomplexe und Casinos, berichtet die Arbeiten Moshammers aus dem Off der Stadt. Die Fotografin folgte für ihre Arbeiten Stripperinnen aus den Clubs von Las Vegas. In den Hotelzimmern wirkt alles inszeniert und bewusst gestellt, von der Dekoration des Raumes mit der beinahe penetranten Tapete bis hin zu der Pose der Frau auf dem Bett. Die Pose von Tiania aka Toni offenbart, dass sie es gewohnt ist, angeschaut zu werden, sich zu präsentieren und in Szene zu setzen. 

Camouflage aus der Serie „Land of Black Milk“, 2016 © Stefanie Moshammer

Camouflage aus der Serie „Land of Black Milk“, 2016 © Stefanie Moshammer

Auch die Auswahl der Motive in den Bildern und die Zusammensetzung, lässt eine bewusste Inszenierung vermuten. Die typischen Merkmale der Stadt werden ausgelassen. Ein seltsamer Gegensatz zwischen der umliegenden Steppe und der örtlichen Adult Entertainment Industrie macht sich in den Bildern breit. Nach demselben Prinzip scheint Moshammer auch in ihrer neuesten Werkserie zu arbeiten, für welche sie die Favelas von Rio bereiste.

Verde e Rosa aus der Serie „Land of Black Milk“, 2016 © Stefanie Moshammer

Verde e Rosa aus der Serie „Land of Black Milk“, 2016 © Stefanie Moshammer

Die zweite Serie nimmt den großen Galerieraum ein. Ein poetisch anmutender Text an der Wand von der Künstlerin selbst gibt den Arbeiten einen kontextuellen Rahmen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf jener zweiten Werkserie, Moshammers neuestem Projekt „Land of Black Milk“, welche in der Galerie Ostlicht erstmals umfassend gezeigt wird. Die Orientierung am wahren, wirklichen Leben bleibt auch in diesen Arbeiten erhalten. Von Copacabana oder Cristo von Redentor keine Spur. Stattdessen sehen wir Bilder von Bewohnern der Favelas von Rio und bunten, aber dennoch verfallenen Häusern. Wiederum wird ein Gegensatz in den Bildern sichtbar zwischen den farbenprächtigen Häusern der Favelas und der zugleich herrschenden Armut. Wieder geht es darum, den falschen Schein nach außen zu enthüllen. 

Favela Ghost Or Pão De Açúcar aus der Serie "Land of Black Milk", 2016 © Stefanie Moshammer

Favela Ghost Or Pão De Açúcar aus der Serie „Land of Black Milk“, 2016 © Stefanie Moshammer

Beide Werkserien sind von einer unglaublichen Farbenpracht gekennzeichnet. Gleichzeitig aber werden Schattenseiten der Welt gezeigt, sei es nun die Selbstinszenierung der Stripperinnen in Las Vegas oder die offensichtliche Armut der Menschen in den Favelas von Rio. Die Künstlerin interessiert sich nicht für die tausend Mal gesehenen Touristenattraktionen als Charakteristika dieser Städte. Vielmehr sind die Menschen und ihre Lebensgeschichten im Fokus, welche Stefanie Moshammers Bilder ausmachen.

WANN: Die Ausstellung läuft noch bis 23. Dezember.
WO: OstLicht, Galerie für Fotografie, Absberggasse 27, 1100 Wien.

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