Hamburger Kunstgriff
17.1. – 16.2.19

17. Januar 2019 • Text von

Die Hamburger Kunstszene startet mit vier Reisen ins neue Jahr: Im Kunsthaus geht es YouTube-theoretisch in den Zoo, bei Vera Munro auf abstrakt-kunsthistorische Zeitreise. Bei Evelyn Drewes reist ihr in die schizophren-gegensätzlichen Welten von Westhessen und Nevada und der Kunstverein führt euch vom emotionalen Mikrokosmos persönlicher Trauerarbeit in die Weiten des Universums.

The Current Dance Collective, The Entertainer, 2017, Model: Alexander Varekhine, Foto: Maria Gibert

The Current Dance Collective, The Entertainer, 2017, Model: Alexander Varekhine, Foto: Maria Gibert

“Me at the Zoo” – das klingt nach Selfie-Generation und Instagram-Caption. Und genau das verbirgt sich hinter dem kryptische Namen der Gruppenausstellung im Kunsthaus Hamburg, die am Donnerstag, den 17. Januar, Eröffnung feiert. Denn “Me at the Zoo” lautet der Titel des ersten jemals auf YouTube hochgeladenen Videos. Nur 19 Sekunden dauerte der Clip. 2005 war das, der digitalen Zeitrechnung nach also irgendwann im Paläozoikum. Was sich in der virtuellen und der davon kaum noch zu trennenden realen Welt getan hat, seitdem jeder seine 19 Sekunden Fame und damit die Macht hat, seinen Alltag zum Video-Weltereignis zu transformieren, damit beschäftigt sich die Ausstellung des Berufsverbands bildender Künstler*innen Hamburg.

WANN: “Me at the Zoo” eröffnet am Donnerstag, den 17. Januar, um 19 Uhr. Mit dabei: Vorträge von Bianca Müllner (Vorstand BBK) und Dr. Thomas Piesbergen (freier Autor) sowie eine Performance von The Current Dance Collective. Keine Zeit? Dann könnt ihr die Ausstellung noch bis zum 3. März besuchen.
WO: Kunsthaus Hamburg, Klosterwall 15, 20095 Hamburg.

Anne Laure Sacriste, After masolino, Acryl auf Holz, 20x30 cm

Anne Laure Sacriste, After masolino, Acryl auf Holz, 20×30 cm

Den ersten Jahresmonat beschließen wir mit einem Abstecher nach Eppendorf. Am Mittwoch, den 30. Januar, eröffnet in der Galerie Vera Munro “Orion Aveugle”, die erste Ausstellung der französischen Künstlerin Anne Laure Sacriste in Deutschland. Ihre facettenreichen Arbeiten in gedämpfter Farbpalette beziehen ihre Inspiration tief aus der Kunstgeschichte: Fundiert recherchierte Auseinandersetzungen mit Nicolas Poussin, Caspar David Friedrich, Jean Baptiste Dominique Ingres oder Arnold Böcklin liefern den intellektuellen Nährboden von Anne Laure Sacristes abstrakten Landschaften.

WANN: Eröffnung ist am Mittwoch, den 30. Januar, von 18 bis 20 Uhr. Bis zum 31. März habt ihr danach noch die Gelegenheit “Orion Aveugle” in Augenschein zu nehmen.
WO: Galerie Vera Munro, Heilwigstrasse 64, 20249 Hamburg.

Robert Sturmhoevel | Ausflug, Acryl auf Leinwand, 170 x 240 cm, 2018

Robert Sturmhoevel | Ausflug, Acryl auf Leinwand, 170 x 240 cm, 2018

Gleich mit zwei Eröffnungen startet Evelyn Drewes am Freitag, den 8. Februar, ins neue Jahr. Im Kontorhausviertel habt ihr die Wahl: Nicole Baumfalk lässt unter dem Titel „Watchlist I/2019“ das eigentlich altmeisterliche Genre des Stilllebens in Knallfarben mit subversiver Discounter-Ästhetik neu erblühen.

Robert Sturmhoevel beschäftigt sich in “Hinterm Horizont” dagegen mit zwei Landschaften, wie sie wohl kaum weiter auseinander liegen können: Der hessischen Naturregion der Schwalm sowie der Wüste Nevadas und der dystopischen Glitzerwelt von “Sin City” Las Vegas. Mythen ranken sich um beide Regionen: Die Schwalm war Märchenlandschaft der Brüder Grimm, die Wüste des “Silver State” Ort der mysteriösen Area 51. Sturmhoevel verarbeitet die Einflüsse beider Regionen zu “Traumlandschaften” im wahrsten Sinne des Wortes.

WANN: Zur Doppel-Vernissage lädt die Galerie am Freitag, den 8. Februar, von 18 bis 21 Uhr. Beide Ausstellungen sind dann noch bis zum 29. März zu sehen.
WO: Galerie Evelyn Drewes, Burchardstr. 14, 20095 Hamburg.

Hannah Perry, Rage Fluids, Ausstellungsansicht, Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien, Graz, 2018, Foto: Markus Krottendorfer

Hannah Perry, Rage Fluids, Ausstellungsansicht, Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien, Graz, 2018, Foto: Markus Krottendorfer

Auch im Kunstverein Hamburg erwartet euch ein Doppelschlag mit zwei Eröffnungen. Genauer gesagt am Freitag, den 15. Februar. In ihrer ersten Einzelausstellung in einer deutschen Institution setzt sich die britische Künstlerin Hannah Perry über Skulptur, Video, Installationen und Performance mit der Funktion von Erinnerung in unserer durchtechnologisierten Welt auseinander. Ihre aktuelle Werkreihe behandelt ein sehr persönliches Thema: den Selbstmord eines guten Freundes der Künstlerin. In den Situationen und Umgebungen, die Hanna Perry im Kunstverein schafft, konfrontiert sie das Publikum mit den verschiedenen Phasen der Trauerbewältigung.

Derweil widmet sich Marguerite Humeau in ihrer Ausstellung “Ecstasies” dem Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spekulation, Fakt und Fiktion. Ihre großformatige Installation im Kunstverein behandelt kein geringeres Thema als die Ursprünge und die Geschichte der Menschheit. Venusfiguren, Nachbildungen von Tiergehirnen, Anspielungen auf schamanistische Praktiken setzen die kurze Existenz der Menschheit in Relation zur Unvorstellbarkeit der kosmischen und geologischen Zeit.

WANN: Die Ausstellungen von Hannah Perry und Marguerite Humeau eröffnen beide am Freitag, den 15. Februar um 19 Uhr. Bis zum 28. April habt ihr dann die Chance, die Arbeiten der Künstlerinnen im Kunstverein zu sehen.
WO: Kunstverein Hamburg, Klosterwall 23, 20095 Hamburg.

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