Gallery Weekend Special
Diese Events solltet ihr nicht verpassen

25. April 2017 • Text von

Heieiei. Wisst ihr auch nicht, in wie viele Teile ihr euch zersägen sollt, um am Gallery Weekend alle Programmpunkte abzuhaken? Von uns gibt’s sechs ultimative Veranstaltungstipps, die nur diese Woche laufen und deshalb Vorrang haben.

Anthony McCall. _Line Describing a Cone_ (1973). Installation drawing, Courtesy of KW Institute for Contemporary Art.

Anthony McCall. „Line Describing a Cone“ (1973). Ink on paper, 9 1/4″ x 12″, 21 cm x 27.9 cm.

Eingeläutet wird das Gallery Weekend bereits am Mittwoch von den Kunst-Werken. Hier wird die erste Installation der neuen Programmreihe „Pause“ zu sehen sein, eines Formates, für das für ein paar Tage die laufenden Ausstellungen unterbrochen werden. Es soll angehalten, reflektiert und neue zeitliche Verknüpfungen zwischen den einzelnen Shows hergestellt werden. Den Anfang macht der Brite Anthony McCall, bekannt für seine außergewöhnlichen Lichtprojektionen, dessen ikonische Arbeit „Line Describing a Cone“ in Filmversion in der leeren Erdgeschosshalle der Margarinefabrik gezeigt wird. Hier zeichnet immer zur vollen Stunde ein Lichtstrahl über eine Zeitspanne von dreißig Minuten einen feinen Kreis an die Wand. Durch den künstlichen Nebel im Raum wird dabei ein Lichtkegel in die Luft geworfen, dessen Beschaffung sich je nach Perspektive des Betrachters verändert. Diese radikal reduzierte Arbeit wird hier als Antwort auf Ian Wilson – den Minimalisten schlechthin – inszeniert, dessen kaum sichtbaren Kreiszeichnungen aus Kreide und Bleistift noch bis vor kurzem Boden und Wände im Raum nebenan schmückten. Ein weiterer Baustein für das vielschichtige, miteinander verwebte neue Programm der KW wäre damit gelegt.

WANN: Die Eröffnung findet am Mittwoch, den 26. April, zwischen 19 und 22 Uhr, statt. Der Film wird um 19 Uhr, 20 Uhr und 21 Uhr gezeigt. Die Ausstellung läuft nur über das Wochenende, bis zum 30. April. Infos gibt’s hier.
WO: KW Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69, 10117 Berlin.

Milen Till, Erwin Wurm & Jeff Koons, Courtesy Milen Till.

Milen Till, Erwin Wurm & Jeff Koons, Courtesy Milen Till.

Eigentlich kann man mittlerweile gar nicht mehr von einem Gallery Weekend im herkömmlichen Sinne sprechen, da sich niemand mehr um den klar umgrenzenden Sinn des Begriffes zu scheren scheint. Neben Galerien mischen immer mehr Projekträume, Pop-Ups, Musikshows und diverse weitere Formate als erfrischende Alternative mit. Und auf das viel zu kurze Wochenende lassen sich die meisten Akteure auch nicht beschränken und geben schon unter der Woche Gas. So auch Milen Till, der extra aus dem Süden anreist um bereits am Donnerstag seine leidenschaftlichen Kollagen mit kunsthistorischem Twist vorzustellen. In der Serie „Kiss Cuts“ kombiniert der Münchner, der erst kürzlich das Ufer zwischen Nachtleben und Kunst gewechselt hat, Bilder der Popkultur und der klassischen Kunstgeschichte, und beschwört so zeit- und mediumlose Begegnungen großer Künstler und Persönlichkeiten in Form heißblütiger Kussszenen herauf. Die Arbeiten werden in intimen Rahmen präsentiert: The Curve ist tatsächlich der Gang zwischen Wohnzimmer und Küche der Privatwohnung von Valerie von Meiss, den sie einmal im Monat in einen unkonventionellen Ausstellungsraum umfunktioniert.

WANN: Die Ausstellung ist nur am Donnerstag, dem 27. April, von 18 bis 21 Uhr, zu sehen. Infos? Bitteschön.
WO: Berlin Mitte – Wenn ihr euch unter valerie@thecurveberlin.com anmeldet, erfahrt ihr die genaue Adresse.

Status Quo Vadis. Courtey: Acurd Macht Neu.

Detail von EJ Hill: Surrendered (A Harrowing Descent), 2016. Acryl, Collage und Fotografie auf Birkenholz. Courtesy of the artist and the Studio Museum in Harlem.

Am Donnerstagabend richtet das Acud Macht Neu eine Veranstaltung der ifa-Galerie Berlin aus. Der Titel des Abends – „Status quo vadis?“ – richtet sich in einer offenen Frage an die Zukunft europäischer Wohlstandsgesellschaften im postkolonialen Zeitalter. Die Übersetzung aus dem Lateinischen kann entweder heißen „Status, wohin gehst du?“ oder „Gehst du, Status quo?“. Im Rahmen des einjährigen Projekts „Untie to tie – On colonial legacies and contemporary societies“ lädt das Berliner Büro des Instituts für Auslandbeziehungen – kurz ifa – zu Talk und Book Launch ein. Ab 18 Uhr diskutieren der Künstler Lamin Fofana, die Kuratorin Imara Limon und der Soziologe Rolando Vasquez über Grenzen und Möglichkeiten der Prämisse des „Globalen“ in ihren jeweiligen Fachbereichen. Im Anschluss präsentiert das Online Magazin „Contemporary And (C&)“ sein erstes Buchprojekt mit dem Titel “I am built inside you”: Eine Auswahl von 20 Artikeln, die sich mit internationaler Kunst aus afrikanischen Perspektiven auseinandersetzten und damit das Potential einer alternativen Kanonisierung von Kunst jenseits einer eurozentrischen Perspektive erproben.

WANN: Am Donnerstag, den 27. April, beginnt die Podiumsdiskussion um 18 Uhr, die Buchvorstellung um 21 Uhr. Nachlesen dürft ihr hier.
WO: Acud Macht Neu, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin. 

Angela Bulloch, Heavy Metal Stack of Six: Greige, 2016. Courtesy of the artist and Esther Schipper, Berlin.

Angela Bulloch, Heavy Metal Stack of Six: Greige, 2016. Courtesy of the artist and Esther Schipper, Berlin.

 Es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit, einen Umzug in neue Ausstellungsräumlichkeiten zu zelebrieren, als an Berlins großem Kunst-Wochenende. Das hat sich auch die Galerie Esther Schipper gedacht. In dem neuen Space in der Potsdamer Straße darf am Wochenende gleich zwei Eröffnungsausstellungen gefrönt werden. In Anri Salas Schau „Take Over“ beschäftigt sich die albanische Künstlerin mit den Beziehungen zwischen Musik und Narrativ sowie Architektur und Film. Im Mittelpunkt steht eine großangelegte, namensgebende Installation, in der sich die Künstlerin mit der politischen sowie kulturellen Verflechtung zweier bekannter Musikstücke, der Marseillaise und der Internationale, auseinandersetzt. Die zweite Künstlerin, Angela Bulloch, hingegen, präsentiert in „Heavy Metal Body“ drei neue Skulpturen, die mit der optischen Wahrnehmung des Betrachters spielen. Die Künstlerin nutzt digitale Technologien, um euklidische Geometrien in einen dreidimensionalen Raum zu versetzen und schafft auf diese Weise eine Sphäre, in der Virtualität und Realität koexistieren.

WANN: Beide Eröffnungen finden am Freitag, den 29. April, zwischen 18 und 21 Uhr, statt. Infos findet ihr hier.
WO: Esther Schipper, Potsdamer Str. 81E, 10785 Berlin.

Museum-Berlin_John-Bock_Der-Magische-Krug_Photo-Martin-Schlecht

John Bock, Der magische Krug, 2013, Video, (Part of the installation Der magische Krug, 2013), © John Bock, Courtesy Sprüth Magers, Foto: Martin Schlecht.

John Bocks opulente Schau „Im Moloch der Wesenspräsenz“ in der Berlinischen Galerie zu besuchen, ist allein schon eine Erfahrung für sich. Eine ganz andere jedoch ist es, wenn der Künstler selbst durch den von ihm zusammengeschmolzenen Kosmos an Filmprojektionen, Installationen und beweglichen Objekten führt. Am Samstag ergibt sich nun die einmalige Gelegenheit, sich von John Bock persönlich das groteske Dahinter seiner Arbeiten offenbaren zu lassen. Denn seien wir mal ganz ehrlich: So genau kennen wir uns mit den Sexualtrieben von Kugelschreibern und Plastiktüten, dem Alltag von in Socken vegetierenden Essig-Gürkchen und in Vogelkäfigen sitzenden Apokalypsen-Priestern nicht aus. Sinnstiftend wird das Unterfangen nicht sein, dafür – und da sprechen wir aus eigener Erfahrung – umso amüsanter. Parallel wird außerdem der neue Spielfilm des Künstlers „Hell’s Bells“ gescreent.

WANN: Die Führung findet am Samstag, den 29. April, um 15 Uhr, statt. Der Film wird zwischen 10.30 Uhr und 18 Uhr alle neunzig Minuten gezeigt. Hier geht’s zur Ausstellung.
WO: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124 – 128, 10969 Berlin.

Santiag Sierra

Santiago Sierra, 133 persons paid to have their hair dyed, 2000, 62 min, Copyright Sammlung Haubrok.

Seit Franklin D. Roosevelt gelten die ersten 100 Tage eines amerikanischen Präsidenten als Maßstab für dessen Erfolg. Zu Beginn der Legislaturperiode sind die höchsten Zugeständnisse von Kongress zu erwarten, der Rückhalt in der amerikanischen Bevölkerung ist durch die Wahl gesichert. Doch die Ausnahme bestätigt die Regel: Donald Trump bezog das Oval Office mit den geringsten Zustimmungswerten in der Geschichte der Vereinigten Staaten und sein Amtsantritt wurde von Gegendemonstrationen auf der ganzen Welt begleitet. Nichtsdestotrotz konnte er unter anderem den umstrittenen Bau einer Mauer entlang der mexikanischen Grenze durchsetzten. Insbesondere die Trumpsche Migrationspolitik nimmt die Sammlung haubrok zum Anlass am 100. Tag seiner Amtszeit einen Film von Santiago Sierra zu zeigen. Der spanische Künstler dokumentiert in “133 persons have paid to have their hair dyed” eine Aktion im Rahmen der Venedig Biennale 2001. Sierra zahlte über 100 Straßenverkäufern jeweils 60 $, damit diese sich auf dem Gelände der Arsenale ihre Haare blond färben. Großteils handelte es sich dabei um Immigranten mit afrikanischen Wurzeln, die durch die helle Haarfarbe „zu Europäern werden sollten.“ Als kritischer Kommentar zu der oberflächlichen Assimilation von Migranten hat dieses Werk von Santiago Sierra keinerlei Aktualität verloren.

WANN: Das Filmscreening findet am Sonntag, den 30. April 2017, um 16 Uhr, statt. Infos findet ihr hier.
WO: haubrok foundation, FAHRBEREITSCHAFT, Herzbergstraße 40 – 43, 10365 Berlin.

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