Die Nacht wird lang!
Galerien im Kontorhausviertel

14. April 2017 • Text von

Der 22. April wird ein Feiertag beziehungsweise eine Feiernacht für alle Kunstbegeisterten in der Hansestadt. Die Galerien im Kontorhausviertel haben ihre „Lange Nacht“ auf dasselbe Datum gelegt, wie die Hamburger Museen. Zur besseren Orientierung hat sich gallerytalk.net im Kontorhausviertel umgehört.

© Rolf Rose und Galerie Nanna Preußners

© Rolf Rose und Galerie Nanna Preußners

Galerie Nanna Preußners – ungegenständliche Kunst mit Herz und Seele

gallerytalk.net: Was zeichnet Dein Programm aus?
Nanna Preußners: Mir ist die ungegenständliche Kunst sehr vertraut, sie spricht für mich Herz und Seele an. Da verwundert es nicht, dass reduzierte Positionen aus den Bereichen Minimalismus, Farbfeldmalerei, monochrome Kunst, geometrische und organische Abstraktion den Fokus des Programms meiner 2008 gegründeten Galerie bilden.

Am 22.4. ist „Lange Nacht der Galerien im Kontorhausviertel“. Was gibt es da von Dir zu sehen?
Ich freue mich sehr, Rolf Rose bei mir in der Galerie und mit seinen großen Formaten auch nebenan in der Barlach Halle K zeigen zu können. Rolf Rose hat sich früh entschlossen, die figürliche Malerei zu verlassen und die Farbe selbst zum Gegenstand seiner Bilder zu machen. So hat er seine eigene Form einer auf den ersten Blick „monochromen“ Malerei erschaffen, in der er Farbe auf Wirkungen und Interaktionen mit dem Licht untersucht. Was auf den ersten Blick monochrom anmutet, entpuppt sich bei genauerer Auseinandersetzung als polychrom und zeigt, wie Farbe, Licht, Körper und Raum einander bedingen.

Wie kam es zu der Dopplung der „Langen Nächte“?
Ich bin 2013 ins Galeriehaus Hamburg am Klosterwall 13 gezogen. Bei der Lage bietet es sich an, den Besucherstrom der „Langen Nacht der Museen“ zu nutzen und zeitgleich die „Lange Nacht der Galerien“ zu veranstalten. Dieses Jahr zum zweiten Mal übrigens. Ich finde es toll, dass sich 12 Galerien zusammengeschlossen haben und gemeinsam einladen. Somit können kunstinteressierte Hamburger an diesem Abend nicht nur die großen Ausstellungshäuser besuchen, sondern auch spannende Ausstellungen in den Galerien im und rund um das Kontorhausviertel. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Deichtorhallen, Haus der Photographie, Kunstverein, Kunsthaus und weiteren bedeutenden Museen der Kunstmeile stärken die kreative Atmosphäre und das besondere Flair des Viertels.

Welche Aktionen der „Galerien im Kontorhausviertel“ sollten sich Hamburger außerdem nicht entgehen lassen?
Wir veranstalten hier im Viertel im September den gemeinsamen Saisonstart nach der Sommerpause. Diese Aktionen haben sich bewährt und die Hamburger merken, dass sich in ihrer Stadt in Sachen zeitgenössischer Kunst richtig was entwickelt hat und es eine vitale Szene mit einer Vielfalt an künstlerischen Positionen gibt. Darüber hinaus laden wir drei Galeristinnen im Galeriehaus, das sind noch Mikiko Sato und Kerstin Hengevoss-Dürkop, jedes Jahr gemeinsam zum Neujahrsempfang und im August zu einem rauschenden Sommerfest ein!

Yin Meng: Mauer, Tusche, Aquarellstifte und Pastellkreide auf chinesischem Papier

Yin Meng: Mauer, Tusche, Aquarellstifte und Pastellkreide auf chinesischem Papier

Ausstellungsraum Kleine Reichenstraße 1 – viel Abwechslung in schneller Folge

Den Ausstellungsraum Kleine Reichenstraße 1 teilen sich drei Galerien, wie sieht das konkret aus? Und stellt Euch doch einmal vor!
Carolyn Heinz: Wir, das sind die Galerie Carolyn Heinz, Cristine Janssen Galerie und Galerie Ruth Sachse, betreiben seit September letzten Jahres gemeinsam den Ausstellungsraum Kleine Reichenstraße 1. In schneller Folge, die Ausstellungen dauern in der Regel nur ein bis zwei Wochen, zeigen wir Künstler aus unseren jeweiligen Galerieprogrammen. Alle drei Galerien haben unterschiedliche Schwerpunkte, für Abwechslung ist also gesorgt.

Zur „Langen Nacht der Galerien“ zeigen wir unter dem Titel „Hamburger Allerlei“ Fotografien von Florian Borkenhagen, Zeichnungen von Fernando de Brito und Yin Meng, Collagen von Chris Göttel und Malerei von Dieter Mammel.

Installationsansicht Yevgeniya Safronova: Knoten und Kristalle  © Foto Hannappel, 2017

Installationsansicht Yevgeniya Safronova: Knoten und Kristalle
© Foto Hannappel, 2017

Galerie Borchardt – die Verbindung von Kunst und Architektur

Erzähl ein bisschen von der Galerie, wer seid Ihr und was macht Ihr?
Galerie Borchardt: Die Galerie ist 1996 gegründet worden. Der erste Standort war das damals neu eröffnete stilwerk am Hamburger Fischmarkt. 2009 hat die Galerie gemeinsam mit BN Architekten große Räume in der „Hopfenburg“, einem historischen Kontorhaus bezogen. Auslöser war die thematische Ausrichtung auf die Verbindung von Kunst und Architektur.

Was zeichnet Euer Programm aus?
Das Spektrum der künstlerischen Ansätze ist so weit, wie die unterschiedlichen Nutzungskonzepte der geplanten Gebäude. Das spiegelt auch unser Ausstellungsprogramm wieder. Vom Figürlichen bis zum Minimalismus ist bei uns alles zu finden. In der Regel haben wir mit den Künstlern im Vorfeld gemeinsame Projekte realisiert. Da die Ergebnisse naturgemäß ortsgebunden sind, zeigen wir in den Ausstellungen vorwiegend die Atelierarbeiten der Künstler.

Was gibt es am 22. April bei Euch zu sehen?
Wir zeigen Skulpturen und Installationen der Künstlerin Yevgeniya Safronova, „Knoten und Kristalle“. Auch sie arbeitet im Kontext von Kunst und Architektur. Ihre Interventionen sind ausdrücklich raumbezogen und beeindrucken durch ihre individuelle künstlerische Haltung, die die Ausstellungssituation prägt. Die „Knoten“ und „Kristalle“ wachsen im Prozess ihrer künstlerischen Auseinandersetzung zu ausgewachsenen Rauminstallationen heran.

Installationsansicht Phillip Zaiser: Troglinien

Installationsansicht Phillip Zaiser: Troglinien

Galerie Kai Erdmann – Kunst mit dem Willen zur Tat

Wer seid Ihr und was macht Eure Galerie aus?
Kai Erdmann und Felix Karolus: Die Galerie sind seit 2010 Kai Erdmann und Felix Karolus. Geprägt wurden wir in den 90ern durch unsere Kontakte zu Studenten der Städel Schule, mit denen wir zum Teil heute noch zusammenarbeiten. Dazu kommt unsere „2. Generation“, zumeist aus Berlin.

Was zeichnet Euer Programm aus?
Uns interessieren grundsätzlich eindeutige Arbeiten mit dem nötigen konzeptuellen Fundament die psychisch anbohren. Formalästhetisch umfasst das die gesamte Palette der Ausdrucksmöglichkeiten. Allen Künstlern gemein ist der unbedingte Wille zur Tat. Hier wird auch gegen Widerstände gearbeitet.

Was zeigt Ihr während der „Langen Nacht“?
Bei uns kann man eine neue Werkgruppe des Bildhauers Phillip Zaiser sehen. Er widmet sich konsequent dem Faltenwurf, den er auf seine humorvolle Art umsetzt. Die Ausstellung ist eine Mischung aus einem verhängten Sommerhaus in den Hamptons und einer katholischen Beerdigung mit jeder Menge cineastischen Bezügen.

Installationsansicht Xpon-art gallery

Installationsansicht Xpon-art gallery Foto: Niko Wolf

XPon-art gallery – ein Projektraum feiert Geburtstag

Wer seid Ihr und was gibt es bei Euch am 22. April zu sehen?
Arne Lösekann: Wir sind ein nicht-kommerzieller Projektraum, der dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert. Unser Schwerpunkt liegt hierbei auf Installationen, Objekten und performativen Arbeiten. Wir werden sechs zeitgenössische Künstler zeigen, die sich im Dialog mit Originalen von Joseph Beuys mit dem Begriff der Intuition auseinandersetzen. Die Ausstellung ist der Auftakt zu einem fünfteiligen Zyklus, der sich im Rahmen des Galeriejubiläums anhand der Begriffe Intuition, Materialisierung, Utopie, Kommunikation und Archiv mit den Möglichkeiten der Kunst auseinandersetzt.

Außerdem einen Besuch wert sind „Troy“ bei Evelyn Drewes und „Ilse Aberer“ bei Renate Kammer.

Weitere Artikel aus Hamburg