Das einfache Leben
Das Reeperbahn Festival und die Kunst

13. September 2016 • Text von

Tiefgreifende Fragen werden  gerne in alkoholgetränkten nächtlichen Gesprächen leicht lallend erörtert. Insofern ist der Hamburger Kiez sicher einer der populärphilosophischsten Orte Deutschlands. Eine gehörige Portion Musik und Kunst kommt dazu, denn es ist wieder Reeperbahn-Festival-Zeit!

entspanntes Festivalfeeling auf dem Spielbudenplatz Foto: Lisa Meinen

Entspanntes Festivalfeeling auf dem Spielbudenplatz. Foto: Lisa Meinen

In diesem Jahr rückt die Kunst noch weiter ins Zentrum des Geschehens und wird stärker im öffentlichen Raum agieren. Das Herz, nicht nur des gesamten Festivalgeschehens, sondern auch des Kunstprogramms schlägt am Spielbudenplatz. Hier ziehen zwölf Hamburger Kunststudenten am Festivaldonnerstag in den „Caravan Art Square“, eine Art utopistische Kurzzeitkunstkommune, und träumen einen alten Tagtraum neu: losfahren und das alte Leben hinter sich lassen. Wer kennt dieses Gedankenspiel nicht? Auch die Festivalbesucher können sich hier für eine Weile aus dem Konzerttrubel ausklinken und sich zum Beispiel Zeit mit „Budny and Rossmann“ vertreiben. Nein, hier gibt’s keine Seife, vielmehr heißen so die Antihelden in einer Mini-Serie von Syrina Hartje und Waldemar Meln. Oder sie widmen sich dem „Simple Life“ und lassen sich anregen, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben.

The simple Life © Paula Erstmann

The simple Life © Paula Erstmann

Christina Schäfers, Kuratorin des Kunstprogramms, erklärt dazu: „The Simple Life ist ein Projekt von Studierenden verschiedenster Semester der HfbK Hamburg. Hier werden Videos, Fotografien, Malereien, Skulpturen, Installationen und Performances gezeigt, die sich in die Idee des Simple Lifes einfügen und in drei Caravans das Thema rund um Fragestellungen wie „Was braucht der Mensch zum Leben?“ oder „Worin liegt die individuelle Essenz jedes Lebens?“ inszenieren.“

Besonders gemütlich wird es in Caravan Nummer vier, hier können es sich Festivalbesucher mit den Künstlern bequem machen und philosophieren oder einfach nur quatschen.

So ähnlich könnte das weltweit erste mit Drohnen angefertigte Actionpainting des Pollockocopter ausserhen.

So ähnlich könnte das weltweit erste mit Drohnen angefertigte Actionpainting des Pollockocopter ausserhen.

Wenige Schritte weiter, auf dem riesigen weißen Bauzaun, wird es bereits am Festivalmittwoch spektakulär. Hier schleudern Racing Copter, also Renndrohnen, zum weltweit ersten Mal mit bis zu 130 km/h Farbbeutel auf die weiße Wand. So entsteht ein riesiges Action Painting à la Jackson Pollock, nur schneller, höher und größer. Dementsprechend nennt sich die ganze Aktion auch „Pollockocopter„.

Lediglich ein paar Guckmeter entfernt wird die „Open Air Gallery“ von elf Street-Art-Künstlern bestückt, die sich in Zusammenarbeit mit Clueso und Viva con Agua mit den elf Tracks auf Cluesos kommendem Album „Neuanfang“ visuell auseinandersetzen.

 Budny & Rossmann (c) Syrina Hartje & Waldemar Meln


Budny & Rossmann (c) Syrina Hartje & Waldemar Meln

Für alle, die finden, dass das alles zwar interessant klingt, Kunst gucken alleine aber zu langweilig ist, haben wir auch eine Lösung parat: „Betreutes Kunstgucken“ made by uns höchstpersönlich. Wir professionelle Kunstguckerinnen von gallerytalk.net bieten also am Freitag und Samstag des Festivals exklusiv für alle Interessierten gesellige Kunstspaziergänge rund um den Spielbudenplatz an. Dabei handelt es sich um eine Weltpremiere. Erscheinen wird belohnt!

Foto: Florian Trykowski

Foto: Florian Trykowski

Auch jenseits des Spielbudenplatzes hat das Kunstprogramm so einiges zu bieten. Christina Schäfers: „Die Ausstellung „Ladyflash“ in der Galerie Kulturreich zeigt Fotos, die Fotografin Katja Ruge in den letzten Jahren von starken Frauen aus dem Musikbusiness geschossen hat. Wer die Galerien der Neustadt entdecken will, kann am „Gallery Hopping“ der Jungen Freunde teilnehmen.“

P.S.: Das Reeperbahn Festival ist übrigens durchaus auch für seine empfehlenswerten musikalischen Darbietungen bekannt. Hingehen lohnt sich!

WANN: Vom 21. bis 24. September wird gefeiert. Das komplette Programm ist hier zu finden & unsere Kunstrundgänge finden am Freitag und Samstag jeweils um 16 Uhr statt. Trefft uns an der Infothek auf dem Spielbudenplatz, juhu!
WO: Das Zentrum des Geschehens befindet sich rund um den Spielbudenplatz.

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