Berliner Kunstgriff
30.10. – 05.11.18

30. Oktober 2018 • Text von

Sinnliche Erfahrung mit intensiven Farbkompositionen, ein Projekt, das dem „Molyneux Problem“ auf den Grund geht und eine Performance, die dem Körper als Ausdrucksort von Widerstand und Kraft huldigt. Die Eröffnungen der kommenden Woche bieten ein vielfältiges Programm.

Das Molyneux Problem, Ein Projekt von Katharina Schmitt mit Jaschka Lämmert & Volker König und Musik von Michal Rataj, EIGEN + ART Lab, 2018. Foto: Peter Fabo, courtesy Katharina Schmitt und EIGEN + ART Lab.

Ein Darkroom. Es ist dunkel. Oder besser stockfinster. Wie viel sieht man, wenn man eigentlich gar nichts mehr sieht? Oder kann man überhaupt noch sehen? Und was sehen Menschen, die nicht sehen können? Diesen und weiteren Fragen hat sich die deutsche Schauspielerin Katharina Schmitt in ihrem Projekt „Das Molyneux Problem“ gewidmet, das nun zum ersten Mal in Form einer Performance im Eigen+Art LAB am kommenden Donnerstag uraufgeführt wird. Ausgehend von der nach dem irischen Naturphilosophen William Molyneux benannten Fragestellung, ob ein zunächst Blinder, der plötzlich sehen kann, die ihm durch Fühlen bekannten Gegenstände sogleich mit seinen Augen realisieren könne, und einer 2016 entstandenen Reihe von Interviews mit blind geborenen Menschen, entstand ein Konzept, das musikalisch von der Komposition des Filmmusikers Michel Rataj unterstützt wird. „Das Molyneux Problem“ möchte Träume blind geborener Menschen zeigen – wir sind gespannt was wir zu sehen bekommen.

WANN: Die Eröffnung und Premiere der Performance „Das Molyneux Problem“ findet am Donnerstag, den 1. November, um 19 Uhr statt. Weitere Performances am Freitag, den 2. November, ebenfalls um 19 Uhr und Samstag, dem 3. November, 17 und 19 Uhr.
WO: EIGEN + ART Lab, Torstraße 220. 10115 Berlin.

Manuel Pelmus, Movements at an Exhibition, 2017, Photo: Eddie C.Y. Lam.

Der Körper als Medium ständiger Kommunikation. Der Körper als Austragungsort von Widerstand, im Sinne einer politischen Idee. Performativ wird es ab Donnerstag auch am Rosa-Luxemburg-Platz zugehen. Dort zeigt die Performances-Reihe ASSEMBLE die Produktion „An Abstraction that Dictates Reality (after Geta Brătescu)“ des rumänischen Künstlers Manuel Pelmuş in Kollaboration mit dem L40 Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz. Den Besucher erwartet eine viertägige Live-Ausstellung, die die Ideen zweier Revolutionärinnen zum Ausgangspunkt nimmt, die beide separat vor 100 Jahren in Berlin wirkten: Rosa Luxemburg und Mary Wigman. Pelmuş schafft in seinem Werk dabei kein Denkmal für die beiden historischen Figuren, sondern verbindet sie in ihrem Dasein als revolutionäre Frauen.

WANN: Die Performance von Manuel Pelmuş
 „An Abstraction that Dictates Reality (after Geta Brătescu)“ dauert
 vier Tage vom 1. bis 4. November, jeweils von 17 Uhr bis 19 Uhr. Besucher sind dazu eingeladen, den Raum während der Öffnungszeiten zu jedem Zeitpunkt zu betreten und zu verlassen.
WO: L40 Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz, Linienstraße 40, 10119 Berlin.

Bernd Koberling, Memories of Water II, 2008, Acrylic on gesso on wood, © Bernd Koberling, courtesy KEWENIG and the artist, Photo: Eric Tschernow.

Wild, vielfältig und bunt. So präsentierten sich die farbenreichen Bildkompositionen von Bernd Koberling, dessen Werk ab Samstag, den 3. November, in der Galerie Kewenig in einer Einzelausstellung gewürdigt wird. Inspiration findet der Maler in Begegnungen mit der Natur − insbesondere der reichen Landschaft Nordskandinaviens, deren Eindrücke er in intensiven und leuchtenden Farbkompositionen zu Papier und Leinwand bringt. Werke, wie die 2018 entstandene Serie „12 Jahreszeiten“ oder auch „Memories of Water“, erinnern an die Kunst der Abstrakten Expressionisten und zeugen von einer unheimlichen Kraft, Begegnungen mit der Natur sichtbar werden zu lassen. Nicht nur sichtbar, sondern auch sinnlich erfahrbar.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Samstag, dem 3. November, zwischen 17 und 20 Uhr.
WO: Galerie KEWENIG, Brüderstraße 10, 10178 Berlin.

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