Berliner Kunstgriff
29.08.-05.09.17

29. August 2017 • Text von

Kunst existiert nicht losgelöst von Ort und Zeit. Die drei vorgestellten Ausstellungen dieser Woche machen auf vergessene Gegenden aufmerksam, wertschätzen die lokale Community und lassen sich von historischen Orten inspirieren.

Sam LeWitt. Courtesy Gallery Buchholz, Berlin/Köln/New York.

Drei Monate vor dem Ende der 57. Kunstbiennale in Venedig eröffnet der im Arsenale vertretene Künstler Sam Lewitt am kommenden Mittwoch eine Einzelausstellung in der Galerie Buchholz. Die Schau trägt den Titel „Filler“ und ist als Fortführung der in Venedig präsentierten Arbeiten zu verstehen, wo Lewitt historische Lampen aus einem ehemaligen Heizkraftwerk zur Beleuchtung deren Reproduktionen ausstellte. Über die inhaltistische Materialästhetik hinaus, ist diese Arbeit als Reflexion über Funktionalität und Originalität zu verstehen. In Berlin kehrt der Künstler die beiden Pole um, indem er Imitationen der originalen Lampen als Kunstwerke ausstellt und sie gleichzeitig von ihrer Beleuchtungsfunktion befreit. Ob das Licht der Erkenntnis auch auf den Betrachter fällt bleibt abzuwarten. An demselben Abend eröffnet die Galerie Buchholz eine weitere Einzelausstellung von Moyra Davey.

WANN: Die Vernissagen finden am Mittwoch, den 30. August, zwischen 19 und 21 Uhr, statt.
WO: Galerie Buchholz, Fasanenstraße 30, 10719 Berlin. Details hier.

Whenever the Heart Skips a Beat.

Zwischen dem gentrifizierten Bergmannkiez und dem kommerzialisierten Potsdamer Platz gelegen, ist der Mehringplatz in Berlin-Kreuzberg ein kulturelles Niemandsland. Die kreisförmige Architektur des Platzes erscheint von Außen unzugänglich und die Sozialbauten aus den siebziger Jahren haben sehr wenig Ähnlichkeit mit dem barocken Aussehen des Platzes vor dem 2. Weltkrieg, den Ernst Ludwig Kirchner in einer seiner bekanntesten Großstadtszenen festhielt. Das Ausstellungsprojekt „Whenever The Heart Skips a Beat“ der Kuratorinnen Marenka Krasomil und Gislind Köhler zielt auf die kulturelle Wiederbelebung dieses Areals ab. 20 internationale KünstlerInnen bespielen für einen Zeitraum von zwei Wochen diese Kulisse mit Performances und Workshops im öffentlichen Raum. Darüber hinaus widmet sich eine Ausstellung in den Schaufenstern der Geschäfte Ritualen und kulturellen Praktiken der Gastfreundschaft in Form von künstlerischen Prozessen.

WANN: Das Projekt startet am Freitag, den 01. September, um 15 Uhr, mit der Ausstellunsgeröffnung und einem BBQ.
WO: Café MadaMe, Mehringplatz 10, 10969 Berlin. Details online.

Jonas Paul Wilisch, re-ponere [rapid turnover], 2016/2017 Ephemere Installation mit readymade, Ausstellungssockel, Sektglas, MDF, Lack, Protokoll, Toolkit für Ausstellungsaufsichten.

Auch in Tempelhof-Schöneberg steht am Freitagabend die lokale Kunstproduktion im Vordergrund: 2017 zeichnet das Haus am Kleistpark zum 15. Mal eine künstlerische Position mit seinem Kunstpreis aus. Aus über 300 Bewerbungen wählte eine unabhängige Jury 19 KünstlerInnen aus, die mit einer Ausstellung gewürdigt werden. Unter dem Titel „Capriccio“ liegt das Augenmerk dieses Jahr auf künstlerischen Praktiken, die Abweichungen von Konventionen und Normen zum Thema ihrer Arbeiten machen und mit unter die Wirklichkeit an sich in Frage stellen. Als historische Referenz bezeichnet „Capriccio“, ein von Giorgio Vasari in die Kunsttheorie eingeführter Begriff, die spielerische Abweichung von akademischen Normen und rigiden Darstellungstraditionen. Fernab von der italienischen Neuzeit demonstrieren die KünstlerInnen der Ausstellung im Haus am Kleistpark die Wichtigkeit der phantasievollen Aneignung und Ablehnung von Mehrheitskunst.

WANN: Am Freitag, den 01. September, wird um 19 Uhr die Ausstellung eröffnet und im Anschluss der Kunstpreis verliehen.
WO: Haus am Kleistpark, Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin. Alles weiter hier.

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