Berliner Kunstgriff
28.03. - 03.04.2017

28. März 2017 • Text von

Am Samstag dürfen wir den Eltern wieder erzählen, dass wir schwanger sind oder den Nachbar auf sein brennendes Haus hinweisen. Neben allen Aprilscherzen sollte aber noch ein bisschen Zeit für Kunst übrig bleiben.

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Kat Válastur „OILinity“. Foto: Dorothea Tuch.

Am Mittwoch dürft ihr euch ins HAU begeben, wo die Werkschau „We were better In the future“ der Choreografin und Performerin Kat Válastur eröffnet. Im Fokus der Schau steht die Trilogie „The marginal Sculptures of NewTopia“ der Künstlerin, in denen diese das Aufeinandertreffen des Körpers mit einer rituell geprägten utopischen räumlichen Struktur thematisiert. Ausgangspunkt ist hierbei ein fiktives Szenario, das in den Prozess des Stückes mit einfließt – entweder wir bekommen es mit der Postapokalypse oder mit einem anthropozentrischen Zeitalter zu tun. Vom 29. März bis zum 2. April besteht die Möglichkeit, sich die einzelnen Teile der Produktion anzuschauen. Den Auftakt bilden am Freitag die Inszenierungen „OILinity“ sowie „lang“. Während sich die Künstlerin sich in Ersterer mit der Abhängigkeit der westlichen Gesellschaften vom Erdöl auseinandersetzt und TänzerInnen durch eine mit Öl befeuerte, surreale Landschaft streifen lässt, beschäftigt sie sich in Letzterer mit der unablässigen Ausdehnung des Körpers in der Zeit. Neben den performativen Darbietungen werden außerdem Videos, Installationen sowie eigens für die Ausstellung kreierte Skulpturen zu sehen sein.

WANN: Die Werkschau eröffnet am Mittwoch, den 29. März, mit den Inszenierungen „OILinity“ um 20 Uhr und „lang“ um 21.30 Uhr. Bis Sonntag, den 2. April, laufen allabendlich weitere Aufführungen. Info’s und das komplette Programm findet ihr hier.
WO: HAU 1, HAU 2, HAU 3, für genauen Ort im Programm nachschauen.

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Silvia Binda Heiserova „Modular Composition“ Courtesy of the artist, Berlin Blue Art.

Danach darf sich bis zum Wochenende ausgeruht werden, dann aber heißt es: Beine in Hand nehmen und bloß nicht zu wenig Kunst schauen. Los geht’s am Freitag in der Newcomer-Galerie Berlin Blue Art, wo die Einzelausstellung „URBAN HI(S)STORY“der slowakischen Künstlerin Silvia Binda Heiserova eröffnet. In ihren Arbeiten erforscht diese Konzepte männlicher Macht, deren historischen Kontext und Etablierungsmechanismen. Indem sie eine Hybridisierung und ein Neuarrangement von Bildelemente, Farben und Formen vornimmt, stellt die Künstlerin patriarchale Strukturen und Machtverhältnisse infrage. Thematischen Mittelpunkt der Schau bildet der urbane Raum, den Silvia Binda Heiserova aus einer feministischen Perspektive heraus betrachtet. Die Reglementierung unserer Umgebung durch eine  patriarchale Ordnung drückt sich in der akribischen Geometrie der Arbeiten aus, aus denen sich phallozentrische Objekte wie Obelisken oder männliche Büsten schälen. Berlin Blue Art wurde übrigens von drei Künstlerinnen ins Leben gerufen, um aufstrebenden weiblichen Kunstschaffenden zukünftig eine Plattform zu bieten. Finden wir super.

WANN: Die Eröffnung findet am Freitag, den 31. März, zwischen 18 und 21 Uhr statt. Info’s findet ihr hier.
WO: Berlin Blue Art, Köpenicker Str.96, 10179 Berlin.

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Shirana Shahbazi „Gasstation“ 2014. Courtesy of the artist.

Am Samstag schicken wir euch dann nach Neukölln, wo im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst die Ausstellung „First Things First“ der aus Teheran stammenden Künstlerin Shirana Shahbazi eröffnet. Gezeigt wird eine Auswahl an fotografischen Arbeiten aus verschiedensten Werkgruppen der vergangenen zehn Jahre, wobei die Schau ein freies und gleichberechtigtes Nebeneinander unterschiedlichster Motive und Bildsprachen propagiert. Unaufgeregte Landschaftsaufnahmen werden akribisch angeordneten Frucht- und Blumenstillleben, Szenen des Stadtalltages geometrisch-abstrakten Kompositionen gegenübergestellt. Shahbazis Werken liegen oft Transformationsprozesse zugrunde, in denen sie beispielsweise Reisefotografien in zweifarbige Lithografien übersetzt und hierbei immer wieder auf die intendierte Herstellung des Bildes verweist.

WANN: Die Eröffnung findet am Samstag, den 1. April, um 17 Uhr, statt. Nachgelesen werden darf hier. 
WO: KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin.

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