Berliner Kunstgriff
27.03. - 02.04.18

27. März 2018 • Text von

Mutterzunge – ist das die Zunge deiner Mutter oder die Sprache deiner Kindheit? Ein Neunziger-Roman oder hochaktuelles Kunstprojekt? Diese und weitere Sprach- und Blickverschiebungen stehen in den Ostertagen auf dem Programm.

Timon & Melchior Grau, Birds, 2018.

Es begann eines Winterabends im Cafe Warschau auf der Sonnenallee, und wird nun offiziell im Babylon Kino gelauncht: Das Projekt „Mutterzunge“. Der Begriff wurde von der in Berlin lebenden Autorin ‚Emine‘ Sevgi Özdamar geprägt, deren gleichnamiges Buch die Gedanken und Weltanschauungen einer jungen türkischen Migrantentochter verhandelt. Ausgehend von den einzelnen Kapiteln und Geschichten des Buches verarbeitet das von Kurator Misal Adnan Yıldız initiierte Projekt „Mutterzunge“ über den Zeitraum von sieben Monaten an diversen Schauplätzen in Berlin dessen Leitthemen in künstlerische Gesten. Fragen und Gedanken zu Sprache, Sinnverschiebungen, Erinnerung, Zugehörigkeit werden dabei immer wieder aufgegriffen. Der Startschuss fällt am Freitag, den 30. März, mit einer Ausstellung in Kooperation mit dem Apartment Project in Neukölln. Am Samstag, den 31. März, wird schließlich das gesamte Babylon Kino mit Lesungen, Screenings und Vorträgen bespielt.

WANN: Ausstellungseröffnung ist am Freitag, den 30. März, ab 18 Uhr. Der Kinoabend geht am Samstag, den 31. März von 17 bis 22 Uhr. 
WO: Tag Eins findet in der Hertzbergstraße 13, 12055 Berlin-Neukölln statt. Das Babylon Kino ist in der Rosa-Luxemburg-Straße 30, 10178 Berlin. Mehr Infos zum Projekt auf der Website.

In the Mood for Frankie von Trajal Harrell, Foto: Paula Court.

„In the Mood for Frankie” feierte im Mai 2016 seine Premiere im New Yorker MoMA i und wird nun in einer auf das HAU1 angepassten Bearbeitung erstmals in einem Theater gezeigt. Der Choreograf Trajal Harrell führt seine Beschäftigung mit dem Universum des Butoh-Choreografen Tatsumi Hijikata fort und widmet sich in seinem Stück insbesondere der Figur der Muse, einerseits in Hijikatas Werk, andererseits in Hinblick auf wichtige Einflüsse auf seine eigene Arbeit. Auf einer an einen Catwalk erinnernden Bühne stützt er sich in seiner Performance auf höchst unterschiedliche Inspirationsquellen, etwa die Butoh-Tänzerin Yoko Tashikawa, die zeitgenössische Choreografin Katherine Dunham, den Filmemacher Wong Kar-Wai, die Modedesignerin Rei Kawakubo (Comme des Garçons), die Sängerin Sade, den Tänzer und Choreografen Ōno Kazuo und nicht zuletzt Harrells Zusammenarbeit mit den Tänzern Thibault Lac und Ondrej Vidlar, mit denen er gemeinsam auf der Bühne stehen wird. Harrell zufolge zeigt „In the Mood for Frankie“ einen überquellenden Musenpark im alles andere als sicheren Zwischenreich von Geschichte und Imagination.

WANN: Deutschlandpremiere ist am Mittwoch, den 28. März, um 19 Uhr. Tickets gibt es hier.
WO: HAU1, Stresemannstr. 29, 10963 Berlin.

Katja Eydel, Streit des Karneval gegen die Fasten, Courtesy Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus & Frankfurt (Oder).

Nur noch bis zum 8. April ist im Schloss Biesdorf die Ausstellung „Blick Verschiebung“ des ZKR mit fotografischen und filmischen Erkundungen vergehender Landschaften und urbaner
Strukturen in Ostdeutschland seit den späten 1980er Jahren zu sehen. Die Arbeiten der 22 Künstler reflektieren künstlerisch, wie sich veränderte Lebensbedingungen, vorherrschende Ökonomien und gesellschaftliche Gefüge in öffentliche Räume einschreiben. Während die um 1990 datierten Arbeiten oftmals von den sich bereits andeutenden Umschwüngen ihrer Zeit zeugen, verweisen die Kunstwerke der jüngeren Geschichte meist auf den Status quo und die Spuren eines tiefgreifenden Wandels. Transformierte Städte, verwilderte Grenzstreifen und persönliche Geschichten lassen noch bevorstehende Entwicklungen erahnen oder zeigen bereits die Veränderungen öffentlicher Räume durch einen der entscheidenden gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit – die Vereinigung von Ost- und Westdeutschland. Es handelt sich um die letzte Ausstellung des ZKR im Schloss, deshalb nichts wie hin! Doch das Zentrum bleibt uns glücklicherweise in neuem Format erhalten und realisiert von nun an an diversen öffentlichen Räumen in Berlin künstlerische Projekte. Hier könnt ihr informiert bleiben.

WANN: „Blick Verschiebung“ ist noch bis Sonntag, den 8. April, zu sehen.
WO: ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum, Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, 12683 Berlin.In th

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