Berliner Kunstgriff
22.05.17 – 29.05.17

23. Mai 2017 • Text von

Heute vor vier Jahren wurde vom Flughafen Luanda, Angola, eine Boing 727 gestohlen. Wie man sowas anstellt? Wissen wir nicht. Wo es diese Woche schnieke Kunst zu gucken und Spannendes zu diskutieren gibt, dafür umso besser. Voilà!

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Ofir Dor, Tourists. Courtesy of the artist.

Five is a magic number – am Mittwoch werden im Künstlerhaus Bethanien gleich fünf Ausstellungen parallel eröffnet. Da an dieser Stelle Platz und Worte fehlen, um alle Arbeiten erschöpfend zu beschreiben, versuchen wir es in einem Satz: Orawan Arunrak lässt in ihrer Installation „Exit – Entrance“ einen Mönch, eine Nonne und einen Anthropologen aus ihrer Heimat mit einem Berliner Priester und zwei vietnamesischen Frauen plauschen. Riccardo Benassi kommuniziert in „Sleep’n’Spleen“ mit vorübergehenden Passanten und gibt den Besuchern Sticker mit auf den Weg. Ofir Dor kitzelt in „Woman with a Mirror, Man with a Camera“ den Voyeur aus uns heraus, indem wir Paare in erotischen Situationen beobachten dürfen. In Elizabeth Hoak-Doerings Ausstellung „psychopomp“ fährt der Betrachter auf der Ostseeautobahn A20, die aus dem Schutt der Berliner Mauer gebaut ist. Daniel M. Thurau illustriert in „It’s Only Rock’N’Roll (But They Will Play It At McDonals)“ selbstironisch die Fallhöhe zwischen eigenem Anspruch und Wirklichkeit. Puste weg, los geht’s.

WANN: Die Eröffnungen finden am Mittwoch, den 24. Mai, ab 19 Uhr, statt. Hier gibt’s alle Infos.
WO: Künstlerhaus Bethanien, Kottbusser Str. 10, 10999 Berlin.

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THIS IS A FREE ZONE, Abb: queerhana 1-3. Foto: Shay Ben Efraim.

Danach darf erst mal Luft geholt werden, bevor es am Freitag mit dickem Programm weitergeht. „Queerhana“ ist der Name einer queeren Bewegung, die 2002 auf einer selbstorganisierten Party unter einer Tel Aviver Autobahnbrücke geboren wurde. Inspiriert von Hakim Beys Konzept der „Temporären Autonomen Zone“ organisierte „Queerhana“ bis 2009 in und um Jaffa / Tel Aviv Partys, die sich als geschützte Zone für jüdische und palästinensische Queers etablierten. In einer von Rassismus und Gewalt geprägten Gesellschaft schufen die Mitglieder so einen Ort der Freiheit und des politischen Aktivismus und boten all denjenigen Unterschlupf, die sich der von der israelischen Besatzungspolitik diktierten Norm nicht fügen konnten und wollten. Am Freitag eröffnet im nGbK nun die Ausstellung „THIS IS A FREE ZONE“, die die Entstehung und Entwicklung von „Queerhana“ im Kontext anderer autonomer Bewegungen in Israel und Palästina in den Fokus rückt. Dabei wird nicht nur ein Blick in die Vergangenheit geworfen, sondern vor allem auch der Zusammenhang von Politik und Partys beleuchtet.

WANN: Die Eröffnung findet am Freitag, den 26. Mai, ab 19 Uhr, statt. Infos gibt’s hier.
WO: nGbK, Oranienstraße 25, 10999 Berlin.

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Orawan Arunrak, Exit – Entrance, 2017. Courtesy of the artist.

Wem am Freitag der Sinn eher nach diskutieren steht, der sollte sich in die Akademie der Künste begeben. Um 19 Uhr findet dort die Podiumsdiskussion „Culture & Populism – Do we believe that art can help to counter populism and simplifications?“ statt, die den Blick auf die Rolle der Kunst in einem kapitalistischen und zunehmend rechtspopulistisch geprägten Zeitalter lenkt. Wie sollten Kunst- und Kulturschaffende auf gegenwärtige kapitalistische Machtverhältnisse und die politische Neigung zum Populismus reagieren? Lassen sich die schädlichen Auswirkungen dieser Tendenzen bekämpfen? Ist die Kunst in der Lage, eine Gegenkultur zu etablieren, und demokratische, egalitäre und pluralistische Ideen in Gesellschaft und Politik wiederzubeleben? Wir sind gespannt auf In- und Output.

WANN: Die Diskussion findet am Freitag, den 26. Mai, um 19 Uhr, statt. Nachlesen dürft ihr hier.
WO: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin.

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