Berliner Kunstgriff
23.01. – 30.01.18

23. Januar 2018 • Text von

Wir leben in Zeiten des Aufruhrs. Diese Woche hat es in sich. Europa und seine Verantwortung angesichts seiner kolonialen Vergangenheit ist Thema in der Akademie der Künste, die ifa-Galerie untersucht die Natur des Ausnahmezustands und Widerstands und das CTM Festival ist musikalischer Spiegel unserer Gegenwart.

John Akomfrah, „Riot“ (Filmstill), 1999. Digi beta colour film, 50 min. © Smoking Dogs Films. Courtesy: Lisson Gallery.

“Über Aufstände und Widerstand” heißt das vierte und letzte Kapitel des einjährigen Recherche- und Ausstellungsprogramms “Untie to Tie – Über koloniale Vermächtnisse und zeitgenössische Gesellschaften”, das seit April letzten Jahres von der ifa-Galerie Berlin unternommen wird. Die Ausstellung mit dem Titel „Riots: Allmähliches Aufkündigen der Zukunft“ verhandelt den Aufstand als essenziell konstitutives Moment der Entstehung neuer gesellschaftlicher Strukturen. Mit dem Aufstand wehrt sich ein kollektives Wir gegen eine hegemonial vorbestimmte Zukunft und kann diese so nach eigener Vorstellungskraft neu gestalten. Der Aufstand besitzt etwas Ungreifbares. Ein Aufstand ist Ende und Neuanfang. Ein Aufstand ist nie frei von Ideologie. Die  künstlerischen Arbeiten und Recherchepositionen beleuchten diese so vielschichtigen Aspekte des Sich-Wehrens und versuchen so dem unsicheren Wesen des Aufruhrs eventuell ein wenig näher zu kommen.

WANN: Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 25. Januar um 19 Uhr statt. Infos zum Begleitprogramm hier.
WO: ifa-Galerie Berlin, Linienstr. 139/140, 10115 Berlin.

Ayrson Heráclito, O Sacudimento da Casa da Torre Díptico I, 2015. Filmstill aus der 2-Kanal Videoarbeit O Sacudimento da Casa da Torre and O Sacudimento da Maison des Esclaves em Gorée © Ayrson Heráclito

Der Aufarbeitung des Kolonialismus in und von Europa widmet sich die Veranstaltungsreihe „Koloniales Erbe/Colonial Repercussions“ in der Akademie der Künste. Von Januar bis Juni 2018 untersuchen drei Symposien mit Panels, Performances, Vorträgen, künstlerischen Projekten und Workshops, inwiefern koloniale Machtverhältnisse heute in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft wirken. Den Auftakt bilden eine Konferenz zu juristischen Fragen zum Thema Völkerrecht, das unleugbar mit der Geschichte eines europäischen Kolonialismus verzahnt ist, sowie zum Thema politische Verantwortung und (Nicht-)Handeln in Form von Reparationen oder einer aktuellen europäischen Migrationspolitik. Die Jazzperformance Die Verdammten dieser Erde des kongolesischen Autors Fiston Mwanza Mujila sowie die Videoarbeiten des brasilianischen Künstlers Ayrson Heráclito und des Akademie-Mitglieds Marcel Odenbach eröffnen komplementäre Perspektiven auf die rechtstheoretisch entfalteten Themen.

WANN: Das Symposium I findet am 26. und 27. Januar statt. Das genaue Programm für beide Tage inklusive künstlerischer Positionen findet Ihr hier. Eintritt frei, Reservierung empfohlen. In deutscher und englischer Sprache.
WO: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin.

Von 26. Januar bis 4. Februar findet das diesjährige CTM Festival in seiner 19. Ausführung statt. Das Thema dieses Jahr lautet „TURMOIL“, also der Aufruhr, der Tumult, die Unruhe. Wir alle spüren diese Unruhe. Schleichend ist sie bis an die verstecktesten Orte unseres Lebens vorgedrungen. Eine Ästhetik der Angst hat sich in glatten, geschmeidigen und immer gleich aussehenden und klingenden Oberflächen ausgebildet. Dass Musik der Umsturz eigen ist, also das Stören und Aufwühlen von Oberflächen, das Wellenschlagen, macht sich das Festival zum Leitsatz und stellt Künstlerinnen und Künstler vor, die mit ihrer Musik nichts verstecken oder ausbügeln wollen, sondern explizit die Angstzustände, das Unbehagliche, ja die Cracks in unserer Gesellschaft ausdrücken wollen. Das Motto ist ehrlich: Uneasy times demand uneasy music. Parallel zum Musikprogramm gibt es eine Ausstellung, Screenings, Talks und Performances.

WANN: Das Festival läuft von Freitag, den 26. Januar bis Dienstag, den 4. Februar. Das volle Programm gibt es hier, Tickets hier.
WO: Eine Liste der verschiedenen Veranstaltungsorte ist hier zu finden.

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