Berliner Kunstgriff
22.08. - 28.08.17

22. August 2017 • Text von

Wort des Jahres 2016: Postfaktisch – Das scheint auch der Leitgedanke der kommenden Kunstwoche zu sein. Es geht um privilegierte Massenmedien, politische Meinungsschleudern und fiktive Realitäten als eskapistische Alternative.

DSG.org – Damjanski, Vasco Barbossa, Derek Evan Harms, blow_hot_and_cold, Import Projects, 2017

„Do Something Good“ ist ein multidisziplinäres Inkubationskollektiv aus New York, das immersive Installationen realisiert, die sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie bewegen. Die auf diverse Disziplinen spezialisierten Mitwirkenden kreieren gemeinsam komplexe Multimedial-Installationen, die den Puls der Zeit treffen. So auch bei Import Projects: Ein kinetisches Gebilde fordert den Betrachter auf, bezüglich der anstehenden Bundestagswahlen Stellung zu beziehen. Eine von einem Adler bekrönte Flagge wird von acht Ventilatoren umringt, die jeweils das Pro und Kontra der vier Haupt-Wahlprogrammpunkte der deutschen Parteien repräsentieren: Soziale Gerechtigkeit, Flüchtlingspolitik, EU-Austritt und Energiewende. Das Kollektiv hat einen Algorithmus programmiert, der das Sentiment der Deutschen bezüglich dieser Themen anhand deren Twitter-Tweets einfängt, und je nach Stärke dieser Meinungen einen Luftzug erzeugen lässt, der die Fahne in die entsprechende Richtung bläst. Wo weht der politische Wind in Deutschland? Finde es heraus, ab Donnerstag, den 24. August.

WANN: „Blow_Hot_And_Cold“ eröffnet am Donnerstag, den 24. August, zwischen 18 und 22 Uhr. Mehr Infos hier.
WO: Import Projects, Keithstraße 10,10787 Berlin.

DSG.org – Damjanski, Vasco Barbossa, Derek Evan Harms, blow_hot_and_cold, Import Projects, 2017

Die Performances des iranisch-deutschen Choreografen Reza Mirabi haben einen „Purpose“ – eine Aufgabe, einen Sinn, eine Bestimmung gar: Sie vermitteln transzendentes Wissen, versetzen in einen meditativen Zustand von Friedlichkeit, Zugehörigkeit, Einheit. Sie dehnen die Gegenwart und malen ein Multiversum aus, das Bedeutung stiftet, in dem Gemeinschaft möglich ist. Sie erzeugen das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein – der eigenen Existenz ergeben. Derartige Empfindungen kennt man aus intensiver Meditation, aus der Betrachtung erhabener Naturwunder und exotischen Reisen. Dem, der sie inmitten des Betondschungels von Berlin erleben möchte, sei geraten, am Freitag, den 25. August, die Kunstsaele zu besuchen.

WANN: Vernissage von „Purpose“ ist am Freitag, den 25. August, von 19 bis 21 Uhr. Die Ausstellung ist nur bis zum 31. August angesetzt, zudem ist eine persönliche Terminvereinbarung erforderlich. Kontaktiert hierfür +493081801873 oder info@kunstsaele.de.
WO: Kunstsaele Berlin, Bülowstraße 90, 10783 Berlin.

Reza Mirabis, „Purpose“, Courtesy of Kunstsaele, Foto: Bea Rodrigues

In der Galerie Wedding realisiert das KuratorInnenteam Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Solvej Helweg Ovesen seit 2015 gesellschaftspolitische Ausstellungen mit Fokus auf Positionen aus Berlin. Dieses Jahr widmet sich das Programm unter dem Titel „Unsustainable Privilages“ Themen und Fragestellungen zu dem Einfluss von Migration auf die Gesellschaft und dem Potenzial einer Umverteilung von Privilegien innerhalb Nordeuropas. Die anstehende Ausstellung „Looking Into The Distance Becomes Difficult“ von Surya Gied thematisiert hierzu auf malerischem Weg die Hypervisibilität von Krisensituationen in den sogenannten „privilegierten“ Medien der westlichen Welt. Gied stellt sich der Frage, wie man die Realitäten verbildlichen kann, ohne den Betrachter abzustumpfen, den Leidtragenden zu verdinglichen und das Geschehnis zu fetischisieren. Ihre individuelle Antwort findet sie in der Abstraktion und Fragmentierung von fotojournalistischen Materialien. Sie visualisiert die Zwischenräume von Farben, Formen, Ideologie und Politik und findet so zu einem emotional aufgeladenen Umgang mit den Bildern, die uns täglich aus den Zeitungen und dem Internet entgegenspringen.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Samstag, den 26. August, um 19 Uhr. Um 20:30 beginnt die Performance des syrischen Violinisten Ali Moraly. Details gibt es unter diesem Link.
WO: Galerie Wedding – Raum für zeitgenössische Kunst, Müllerstraße 146/147, 13353 Berlin.

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