Berliner Kunstgriff
21.11. - 28.11.17

21. November 2017 • Text von

Berlin ist schon lange ein Ort des Austauschs zwischen internationalen Kulturschaffenden. Welch‘ Glück wir hier haben, wird an zwei Veranstaltungen dieser Woche deutlich, während die Dritte den Blick auf Orte richtet, wo dies noch nicht der Fall ist.

Ed Atkins: Good Smoke, 2017, HD video with surround sound (Videostill). Courtesy the artist.

Ed Atkins ist nur einer von vielen Künstler*innen, die durch das Berliner Künstlerprogramm des DAAD in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach Berlin kamen und die Stadt mit ihrer Kunst bereicherten. 2015 war Atkins Stipendiat des daad, heute lebt er in London und stellt aktuell neue Videoarbeiten unter dem Titel „Old Food“ im Martin Gropius Bau aus. Als Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung findet am Mittwoch eine Lesung des Künstlers begleitet von zwei Konzerten in der daad Galerie statt. Die Verbindung von post-internet art und Musik wird bereits im Martin Gropius Bau vorweggenommen: Der Komponist Jürg Frey hat ein Klavierstück komponiert, das sich als Soundtrack zu Atkins Videoarbeiten durch die ganze Ausstellung zieht. Neben einem Konzert von Frey, präsentiert Antoine Beuger ihre Performance “we are voices” für zwei singende, spielende und sprechende Performer.

WANN: Konzert und Lesung finden am Mittwoch, 22. November, um 19:00 Uhr, statt. (Kein Nacheinlass)
WO: daadgalerie, 1. OG (Studio), Oranienstraße 161, 10969 Berlin. Alles weitere online.

Berlin 2017 © S. Cubasch.

Die Wichtigkeit des Austauschs zwischen europäischen Kulturschaffenden ist auch Thema eines Symposiums der Akademie der Künste, das diese Woche in Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft der bildenden Künste (IGBK) ausgerichtet wird. Angesichts nationalistischer Politiken in Europa und deren Auswirkungen auf Kunst- und Meinungsfreiheit wird darüber diskutiert, wie künstlerische Praktiken, ebenso wie institutionelle Rahmenbedingungen eine vielfältige europäische Gemeinschaft erhalten und befördern können. Einzelne Diskussionsrunden konzentrieren sich auf aktuelle Entwicklungen in Ungarn, Polen, Großbritannien und der Türkei. Zentrale Fragestellung des zweitägigen Programms ist, wie sich Künstler*innen angesichts politischer Einflussnahme zwischen Aktivismus und Instrumentalisierung positionieren können.

WANN: Das Symposium beginnt am Donnerstag, den 23. November, um 19:00 Uhr und endet am Freitag, den 24. November, gegen 22 Uhr.
WO: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin. Anmeldung und Details hier.

Ahmet Öğüt: Pleasure Places of All Kinds, Qingdao, 2014 (Detail). 1/75 scale model, acrylic, sand, soil, polystyrene, wood, 70 x 150 x 150 cm. Photo: Ladislav Zajac | KOW. Courtesy of Ahmet Öğüt and KOW, Berlin.

Exemplarisch für das politische Potential der Kunst, genauer die Möglichkeit der Sichtbarmachung gesellschaftlicher Missstände, ist die Praxis des Künstlers Ahmet Öğüt, der am kommenden Samstag eine Ausstellung in der Galerie KOW eröffnet. Unter anderem wird dort eine skulpturale Arbeit zu sehen sein, in der er sich mit sogenannten Nagelhäusern beschäftigt. Der Begriff ist Wortspiel, das sich auf die chinesische Baubranche bezieht und Gebäude bezeichnet, deren Besitzer sich weigern ihr Haus für einen Neubau zu verkaufen. Öğüt hat exemplarisch zwei berühmte Beispiel – aus der Türkei und China – für dieses Phänomen des Widerstands gegen ökonomische Interessen nachgebaut. Außerdem wird ein Video in der Ästhetik von koreanischen Comics gezeigt, dass sich mit jugendlichen Opfern von staatlicher Gewalt auseinandersetzt und deren Erfahrungen im Umgang mit Tränengas für Aktivisten fruchtbar macht.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Samstag, den 25. November, um 18 Uhr.
WO: KOW, Brunnenstr. 9, 10119 Berlin. Details online.

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