Berliner Kunstgriff
20.06. - 26.06.17

20. Juni 2017 • Text von

Wusstet ihr, dass Ozzy Osbourne während eines Drogenexzesses mal alle seine siebzehn Katzen erschoss? Nein? Wir auch nicht. Mit unnützem Wissen lässt sich aber bei den vielen Eröffnungen diese Woche garantiert gut prahlen.

Der Startschuss für die Kunstwoche fällt am Mittwoch bei Capitain Petzel, wo die Ausstellung „Cloak and Dagger“ der britischen Künstler- und Filmemacherin Sarah Morris eröffnet. Bekannt geworden ist diese mit ihren knalligen, abstrakt angeordneten Gemälden, in denen sie sich mit den urbanen Biografien amerikanischer Metropolen auseinandersetzt. Den Arbeiten von Sarah Morris liegt eine tiefgreifende Recherche zugrunde: Die Künstlerin besucht die jeweiligen Städte mit Kamera und Notizblock und eignet sich auf diese Weise ihre räumlichen und atmosphärischen Charakteristika an. Seit den späten 90er Jahren hat sich Morris außerdem dem Filmemachen verschrieben und seziert das Großstadtleben auf der Leinwand.

WANN: Die Eröffnung findet am Mittwoch, den 21. Juni, von 18 Uhr bis 20.30 Uhr, statt. Infos gibt’s hier.
WO: Capitain Petzel, Karl-Marx-Allee 45, 10178 Berlin.

Ausstellungsansicht Klasse Frances Scholz, Projektraum Shoot the Lobster, New York / 2017.

Für Fotografie-Fans könnte am Mittwoch eine andere Ausstellung von Interesse sein: In der koal Galerie eröffnet die Werkschau „Tell Them We Said No“ der Klasse Frances Scholz der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Thema der Ausstellung ist die Relation von Individualismus und Kollektivität: Wird aus dem Zeitalter des Hyperindividuums eine neue Form kollektiver Zusammengehörigkeit hervorgehen? Welchen Stellenwert hat gemeinsame Erfahrung und was bedeutet es für die Kunst, wenn sich der Einzelne zurückzieht? Vorangegangen ist der Schau ein Zine-Workshop mit den beiden amerikanischen Künstern V. Vale und Marian Wallace, in dem die Malereiklasse Konzepte künstlerischer Selbstbeschränkung sowie Konsum- und Erfolgsverweigerung untersuchte. Wir sagen Yes!

WANN: Die Eröffnung findet am Mittwoch, den 21. Juni, von 19 bis 22 Uhr, statt. Nachlesen dürft ihr hier.
WO: Galerie koal . Leipziger Strasse 47 / Jerusalemer Strasse . 10117 Berlin

Verena-Landau „Wound up Attack“ © Verena Landau, VG Bild Kunst Bonn.

Und dann rotieren wir auch schon weiter zum Freitag, wo in der Studiogalerie vom Haus am Lützowplatz die Gruppenausstellung „Farbauftrag“ eröffnet. Im Fokus stehen gegenwärtige Verhandlungen und Sujets der Gattung Malerei. Die Arbeiten der beteiligten Künstler*innen sprengen laut der Pressemitteilung unseren Wortschatz: Von lebendig, energetisch, kritisch, leidenschaftlich, experimentell, romantisch, intensiv, poetisch, erotisch bis hin zu mystisch lassen sie sich beschreiben. Vor allem aber loten die Künstler*innen in den ausgestellten Werken ihre Vorstellung von scheinbar gegensätzlichen Begrifflichkeiten wie Freiheit und Zwang, Natur und Kultur, Individuum und Gemeinschaft aus. Anhand der Positionen wird deutlich, dass diese Paare oft weniger disparat sind, als man denkt.

WANN: Die Eröffnung findet am Freitag, den 23. Juni, ab 19 Uhr, statt. Für Infos hier entlang.
WO: Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, 10785 Berlin.

ORLAN, Smile of pleasure, 7th Surgery Performance titled Omnipresence, New York, 1993. Courtesy: ORLAN.

Ebenfalls am Freitag schicken wir euch dann zu „La Plaque Tournante“, wo die Einzelausstellung „This is my Body… This is my software…“ der französischen Künstlerin ORLAN eröffnet. ORLAN gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Body-Art – durch ihre Interpretation von Fleisch als künstlerischem Material wurde sie zur Begründerin der sogenannten Carnal Art. Die Ausstellung bei La Plaque Tournante gewährt nun Einblick in ihr facettenreiche Oeuvre: Neben Arbeiten aus den Serien „Self-Hybridisation“ (ab 1989), „Exogene“ (1997) und dem originalen Buch „Birth of War“ (1989) werden Bücher, Plakate, Sammelstücke und Dokumente präsentiert, die die Werke kommentieren. Zur Vernissage am Freitag geben ORLAN sowie der schwedische Elektro-Akustik-Komponist Mads Lindström außerdem zwei Performances zum Besten.

WANN: Die Eröffnung findet am Freiatg, den 23. Juni, ab 19 Uhr, im Rahmen des 48 Stunden Neukölln Festivals statt. Infos gibt’s hier.
WO: La Plaque Tournante, Sonnenallee 99, 12045 Berlin.

ELMAR HAARDT, LAS VEGAS, 2017. Courtesy of the artist.

Einer geht noch diesen Freitag: Bei Jarmuschek & Partner eröffnet die Ausstellung „Land of Dreams – New Image (s)“ des Fotografen Elmar Haardt. Dessen Arbeiten liegt eine unkonventionelle Aufnahmetechnik zugrunde: Der Künstler setzt seine Bilder aus mehreren analogen Großbild-Dias zusammen, aus denen er mithilfe digitaler Scans neuartige visuelle Landschaften komponiert. Der thematische Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den USA – Entstehungsland der präsentierten Fotografien, in denen Elmar Haardt den fragilen Status des „Land of Dreams“ hinterfragt. Dank der besonderen Zusammensetzung der Bilder werden die Besucher gewissermaßen zum Hinschauen gezwungen: Die Landschaften, die sich vor ihren Augen eröffnen, strotzen vor visuellen Informationen und geben eine verschlingende Tiefe her.

WANN: Die Eröffnung findet am Freitag, den 23. Juni, ab 18 Uhr, statt. Nachlesen dürft ihr hier.
WO: Jarmuschek & Partner, Potsdamer Str. 81 A, 10785 Berlin.

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