Berliner Kunstgriff
19.01. - 26.01.2016

19. Januar 2016 • Text von

Der dieswöchige Kunstgriff schaut genauer hin: Im ZK/U lässt er den Blick in die Zukunft des Urbanen schweifen, bei DUVE Berlin betrachtet er die Auseinandersetzung von Iris Touliatou mit den Grenzen von lebendiger und lebloser Umwelt. Und schließlich folgt er Birte Kaufmanns fotografischem Blick auf die größte Minderheitsgruppierung Irlands.

Als Vorspiel für die diesjährige Transmediale in Berlin, lädt das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, am Donnerstag, den 21. Januar, zum OPERNHAUS. Das sogenannte Vorspiel versteht sich nicht nur als Vor-Programm des Festivals, sondern auch als eine Gelegenheit verschiedene kulturelle Institutionen, unabhängige Projekträume und Individuen zu vernetzen. Damit ist es beim ZK/U in Moabit genau an der richtigen Adresse. Seit vier Jahren fungiert ein ehemaliger Güterbahnhof als Denk- und Produktionsraum, in dem raumtheoretischen Fragen der Urbanistik nachgegangen wird.  Ein Residency Programm und ein Co-Working Studio schaffen den Rahmen, um die Schnittstelle von geographischer, anthropologischer und sozialwissenschaftlicher Stadtforschung mit künstlerischen Formaten wie Architektur, Tanz und bildender Kunst zu schaffen. Die Mission des ZK/U ist es, Fragen und Antworten für die Zukunft des Urbanen zu stellen und zu finden – der Prozess steht im Vordergrund. Hinter der Veranstaltung mit dem spießbürgerlichen Titel OPERNHAUS versteckt sich die Gelegenheit, einmal im Monat Einblick in die Arbeit der TeilnehmerInnen des Residency Programmes zu bekommen und anschließend gemeinsam über ihre Arbeit zu diskutieren. Diese Woche bedeutet das: Eine Tanzperformance von Choi Myung Hyun und eine partizipative „Food Sharing“- und Kochperformance von Hyemin Park. Das macht Hunger auf mehr!

WO: ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Siemensstrasse 27, 10551 Berlin.
WANN: 21.Januar 2016, 19 Uhr. Details hier.

Iris Touliatou: Installationsansicht der Ausstellung Meet Factory, Prag, 2014. © Copyright 2016 – DUVE Berlin All Rights Reserved.

Weiter geht’s am Freitag, den 22. Januar, bei DUVE Berlin. Nicht nur für die Galerie ist es eine große Freude die dritte Einzelausstellung der griechischen Künstlerin Iris Touliatou zu eröffnen. Im Zwei- und Dreidimensionalen untersucht sie die Grenze zwischen organisch und anorganisch, lebendig und leblos, sowie zwischen Natürlichkeit und Zeitlosigkeit. Wenn über Kunst gesprochen oder geschrieben wird, fallen oft Begriffspaare wie diese. Wer will nicht die Grenzen der Wahrnehmung erweitern? In dieser schnelllebigen Welt des 21. Jahrhunderts kann man jedoch nicht oft genug darüber nachdenken, wann und warum wir zwischen Natur und Kultur (als etwas vom Menschen gemachtes) unterscheiden. Ist das Smartphone nicht schon längst mehr als ein technisches Gerät – nämlich eine anorganische Verlängerung unseres organischen Armes? Folgt man diesem Gedanken, besteht unsere lebendige Umwelt aus weit mehr als Pflanzen und Tieren. Iris Touliatou verwendet synthetische Materialen in Verbindung mit Flüssigkeiten und Harzen zur Herstellung ihrer Skulpturen und ätzt Zeichnungen in weißen Gummi. Wenn die bei DUVE Berlin ausgestellten Arbeiten dieselbe poetisch-philosophische Leichtigkeit vermitteln wie die Beschreibung ihres inhaltlichen Kontextes und ihres Herstellungsprozesses, wird der lebendige Kunstinteressierte beseelt nach Hause gehen.

WO: DUVE Berlin, Gitschiner Strasse 94/94a (Eingang D, 2. Stock), 10969 Berlin.
WANN: 22. Januar, 18 – 21 Uhr. Genaueres hier.

Pamela is lying in the caravan.

Birte Kaufmann: The Travellers, Fotografie, 2011-2014. © Birte Kaufmann/ INSTITUTE.

Die Kunstwoche und dieser Kunstgriff finden ein Ende mit der Einladung zum 3. Gespräch von „Beyond the Ring“, einer Reihe von informellen Gesprächen, Präsentationen und Performances von und mit internationalen KünstlerInnen, die über kurz oder lang Berlin based sind. Am Dienstag, den 26. Januar, stellt Birte Kaufmann ihre zwischen 2011 und 2015 entstandene Fotoarbeit „The Travellers“ vor. Die Absolventin der Ostkreuzfotoschule widmet sich darin der größten Minderheitsgruppierung Irlands. Die sogenannten „Traveller“ stammen aus der Tradition nomadisch lebender Wanderarbeiter, in der heutigen Zeit leben sie in einer Parallelgesellschaft. An illegalen oder eigens dafür errichteten Plätzen kampieren die Clans am Straßenrand. Birte Kaufmann begleitete einen von diesen über längere Zeit mit ihrer Kamera. Düsteres Thema, großartige Bilder. Kunst oder Dokumentation?

WO: Walterstraße 30, 2.OG, 12051 Berlin.
WANN: 26. Januar, 20 Uhr.
!: Bitte vorher in einer E-Mail an ethanrose@gmail.com anmelden.

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