Berliner Kunstgriff
18.10. - 24.10.16

18. Oktober 2016 • Text von

Kommt es wirklich darauf an, wer die dickste Ente im Teich hat? Was bedeutet es, ein Zeitgenosse zu sein? Antworten auf diese Fragen findet man von Dienstag bis Dienstag in Berlin. Wissen macht Ah!

Die Kunstwoche startet am Donnerstag in der daadgalerie. Der Name Ed Atkins wird so manchem ein Begriff sein: Richtig, der Typ, der des Öfteren leicht gruselige, fleischfarbene Avatars entwirft, die durch apokalyptische Mondlandschaften spazieren. Ed Atkins macht allerdings nicht nur klasse Kunst, sondern kennt sich auch mit dem Schreiben aus, was er am Donnerstag in der daad Galerie unter Beweis stellen wird. „A Primer for Cadavers“ lautet der Titel eines kürzlich erschienen Bandes, der eine Auswahl der zwischen 2010 und 2016 von dem Künstler verfassten Texte vereint. Die Sammlung umfasst dabei sowohl Prosagedichten als auch Regieanweisungen, drehbuchartig Manuskripte und Traumarbeiten. Der Unterhalter und Vorleser des Abends: Ed Atkins selbst.

WANN: Die Lesung findet am Donnerstag, den 20. Oktober, um 19 Uhr, statt. Alles weitere hier.
WO: daadgalerie, Zimmerstraße 90 / 91, 10117 Berlin.

 

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Graduale 16: No New Kind of Duck. Courtesy: Graduiertenschule UdK.

Wer lieber schauen, statt hören möchte, der kann sich am Donnerstag alternativ zur Eröffnung der Ausstellung „Graduale 16: No New Kind of Duck- Wie man konfliktreiche Welten aus der Wirklichkeit herausschnitzt“ begeben. Hinter dem ellenlangen Titel verbirgt sich die Abschlussveranstaltung des Stipendienprogramms der Graduiertenschule der UdK, die in diesem Jahr von dem Kunstkritiker Jan Verwoert kuratiert wird. Thematisch befasst sich die Schau mit der Realität, beziehungsweise mit den Dingen, die dahinter liegen. Statt sich dem faktisch Gegebenen und dem politischen Diskurs unserer Zeit widerstandslos zu unterwerfen, versuchen die KünstlerInnen einen Raum zu eröffnen, in dem die Dinge beweglich und damit veränderbar sind. Am Donnerstag wird Eröffnung der Ausstellung mit einem Empfang, einem Konzert und einer Performance zelebriert. Die darauffolgenden Tage sind mit einem bunten, künstlerischen Rahmenprogramm bestückt, das sich in verschiedenen Spielstätten in Berlin zuträgt.

WANN: Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 20. Oktober, ab 17 Uhr, statt. Info’s gibt’s hier.
WO: Galerie Yvonne Lambert, Rosa-Luxemburg-Straße 45, 10178 Berlin.

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Francesca Fini „Gold“, 2016. Video still. Courtesy: the artist.

Weiter geht es dann am Freitag, wo im RADIALSYSTEM V das ID Festival eröffnet. Hä? ID? Was soll das denn? Nein, keine Sorge, Personalausweise werden hier nicht inspiziert, um Identität geht es trotzdem irgendwie: ID steht für israelisch-deutsche Kunst und genau diese wird auf dem dreitägigen Festival in Hülle und Fülle präsentiert. Das Thema der Veranstaltung, welches nicht nur in Israels Geschichte tief verwurzelt ist, lautet „Migration und Geflüchtete“, wobei die beteiligten KünstlerInnen die Auswirkungen der Flüchtlingsbewegungen auf die israelische Künstlergemeinschaft untersuchen. Als Auftakt wird am Freitag die Gruppenausstellung „Mother, I have reached the land of my dreams“ eröffnet, die anhand von Einzelschicksalen und persönlichen Familienbiographien Einwanderungsgeschichte – damals und heute – untersucht. Am Wochenende geht’s dann weiter mit einem Programm aus Musik, Film, Theater und bildender Kunst, womit jeder Langeweile Abhilfe geschafft wäre.

WANN: Die Eröffnung des Festivals findet am Freitag, den 21. Oktober, von 17 bis 24 Uhr, statt. Info’s gibt’s hier.
WO: RADIALSYSTEM V, Holzmarktstraße 33, 10243 Berlin.

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Jeppe Hein „YOU ARE RIGHT HERE RIGHT NOW“, 2012. Courtesy: KÖNIG GALERIE, Berlin, 303 Gallery, New York, Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen. Foto: Studio Jeppe Hein.

 

Nummer vier auf unserer Liste führt uns schließlich am Samstagabend ins KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, wo im Maschinenhaus gleich zwei Ausstellungen parallel eröffnet werden. Die Gruppenausstellung „How Long Is Now?“ stellt sich die Frage, was es bedeutet, ein Zeitgenosse zu sein und verweist dabei auf die grundsätzliche Problematik, eine Zeit zu reflektieren, der man gleichzeitig angehört. Bei der zweiten Schau handelt es sich um die Einzelausstellung „Inhalt“ des deutschen Malers Eberhard Havekost, der dafür bekannt ist, Fotografien digital zu bearbeiten und anschließend als Vorlage für seine teils gespenstisch anmutenden Porträts und Gemälde zu verwenden. Im KINDL Zentrum kann nun Einblick in die letzten zehn Schaffensjahre des Künstlers gewonnen werden, wobei die Ausstellung auch neue, bisher noch unveröffentlichte Werkgruppen umfasst.

WANN: Beide Eröffnungen finden zeitgleich am Samstag, den 22. Oktober, um 18 Uhr, statt. Nachgelesen werden kann hier.
WO: KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 2, 12053 Berlin.

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