Berliner Kunstgriff
17.05. - 23.05.16

17. Mai 2016 • Text von

Im dieswöchigen Kunstgriff wird deutlich, was an vielfältiger künstlerischer Produktivität in Deutschland allein steckt. Doch braucht es auch immer wieder einen Blick nach draußen, nach China oder ganz weit weg, um einen klaren Blick auf die eigene Umgebung wahren zu können.

Installationsansicht "J.MAYER.H - Strukturalien. Architektur als urbane Plastik", 2016, Haus am Waldsee, Foto: Roman März.

Installationsansicht „J.MAYER.H – Strukturalien. Architektur als urbane Plastik“, 2016, Haus am Waldsee, Foto: Roman März.

In der zeitgenössischen Kunstszene wird sie häufig vernachlässigt, doch nun erinnert uns das Haus am Waldsee wieder daran: Auch Architektur ist Kunst. Besonders die Arbeit von Jürgen Mayer H. und seinem in Berlin ansässigen Architekturbüro J. Mayer H., da sie sich mit aktuellen Fragen zu den Grenzen der Bautätigkeit beschäftigt. Denn auch das bauliche Objekt möchte sich der Darstellung von Wirklichkeit widmen, doch wie kann ein unbeweglicher Baukörper eine konstanter Transformation unterworfene Gegenwart spiegeln? Jürgen Mayer H. beantwortet diese Frage mit fließend-organischen Formen, die von Kunst und Bildhauerei inspiriert sind und Körper, Raum und Technologie miteinander in Beziehung setzen. Die Ausstellung „Strukturalien – Architektur als urbane Plastik“ zeigt den kreativen Prozess der Entwurfspraxis anhand von Skizzen und Modellen auf und würdigt mittels Fotografien die realisierten Projekte des Architekturbüros. Am Donnerstag, den 19. Mai, findet außerdem ein Künstlergespräch mit dem preisgekrönten Architekten und der Kuratorin und Leiterin des Hauses Katja Blomberg statt.

WANN: Gesprochen wird am Donnerstag, den 19. Mai, um 19.30 Uhr.
WO: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 15163 Berlin.
WAS: Teilnahme inklusive Eintritt kostet 10€, für Mitglieder sind es 7€.

Wilhelm Müller, ohne Titel, © Galerie Gebr. Lehmann.

Wilhelm Müller, ohne Titel, © Galerie Gebr. Lehmann.

Am Freitag, den 20. Mai, lädt die Galerie Gebr. Lehmann zur Eröffnung der Ausstellung „Virus Form. Geometrisches aus Dresden 1920 bis 2016“. Der Formalismus hatte es schwer im 20. Jahrhundert. In der Nazi-Zeit als entartet verpönt, wurde er auch während der DDR im Zuge des Formalismusstreits öffentlich unterbunden. Doch wie die Ausstellung aufzeigt, konnte sich der geometrische Virus dennoch stetig ausbreiten und gedeiht bis heute. Besonders Dresden bot dabei einen besonders fruchtbaren Boden für die Avantgardisten Deutschlands. Hermann Glöckner und sein Schüler Wilhelm Müller spielten hier eine Einfluss gebende Rolle und sind neben neun weiteren Künstlern in der Werkschau vertreten. In erfrischender Aufbereitung will die Kuratorin Vorurteilen gegenüber der konkreten und konstruktivistischen Tradition Dresdens die Stirn bieten und Raum für eine kunsthistorische Neubewertung der Strömung schaffen.

WANN: Die Ausstellung wird am Freitag, den 20. Mai von 18 bis 21 Uhr eröffnet.
WO: Galerie Gebr. Lehmann, Lindenstraße 35, 10969 Berlin.

Video Still Bag, © ACUD Macht Neu.

Phillip Klein, Ecomaniac, © ACUD Macht Neu.

Das ACUD Macht Neu hat für das Programm des kommenden Wochenendes Studierende der Bauhaus-Universität Weimar ans Werk gelassen. Die Jungs haben dort eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die den Titel „Gestalten Medialer Umgebungen“ trägt, genau wie die Professur, aus dessen Umfeld sie stammen. Gezeigt werden Versuche zur Interaktion von Mensch, Technik und Umwelt im Kunstkontext. So beispielsweise ein Kaktus, der nur durch menschliche Betastung zu seinen überlebensnotwendigen Nährstoffen gelangt. Oder ein mit feuchter Erde gefüllter White Cube, der bei Berührung der Erde Klänge von sich gibt. Sehr experimentell und interaktiv gehen die Weimarer Studenten ans Werk. Zur Eröffnung am Freitag wird frisch gebrühter Kaffee serviert und eine eigens entwickelte Maschine gezeigt, die mit Käfern Musik komponiert. 

WANN: Eröffnet wird am Freitag, den 20. Mai ab 19 Uhr. Die Ausstellung läuft Samstag und Sonntag von 12 bis 19 Uhr.
WO: ACUD Macht Neu, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin.

Luo Yang. 屁屁 Pi Pi, 2015 (Highway), © MO-Industries.

Luo Yang. 屁屁 Pi Pi, 2015 (Highway), © MO-Industries.

Raus aus Deutschland beamen können wir uns bei MO-Industries, und rein in Pekings Underground. Die Pop-Up Galerie zum Zwecke des kulturellen Austausches zwischen Deutschland und Asien stellt ebenfalls ab Freitag die Fotografien von Luo Yang aus. Der Protegé Ai Weiweis porträtiert in ihrer Serie „Girls“ junge Mädchen chinesischer Subkulturen in purer Form. Ihre Modelle wirken stark und rebellisch, doch gleichzeitig zart und gebrechlich, und brechen somit ihrerseits Erwartungen und Stereotypen des traditionell chinesischen Frauenbildes. Gleichzeitig zeigen sie eine weitgehend unbekannte Facette chinesischer Kultur nach Außen in Richtung Westen.

WANN: Am Freitag, den 20. Mai wird ab 19 Uhr eröffnet.
WO: MO-Industries, Rosa-Luxemburgstraße 16, 10178 Berlin.

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