Berliner Kunstgriff
13.06. - 19.06.17

13. Juni 2017 • Text von

„Studiovisit“ klingt so cool, als wäre er nur Kuratoren und Sammlern vorbehalten. Als müsse man im Gegenzug für den privaten Einblick in den Schaffensprozess des Künstlers selbst auch was im Gepäck haben – Chancen oder Geld. Doch selbst wem es an beidem fehlt, kommt dieses Wochenende auf seine Kosten.

Ohad Fishof / Noa Zuk, The Burnt Room (2016), Tanzperformance, Center for Contemporary Art, Tel Aviv, 2016 © Asaf Saban

Im Neuen Berliner Kunstverein wird am Freitag, den 16. Juni, ein kooperatives Rechercheprojekt mit dem Center for Contemporary Art in Tel Aviv in Form der Performance-Ausstellung „Conditions of Political Choreography“ eingeläutet. Künstler aus Berlin und Tel Aviv gestalten hier mit performativen Strategien ein vielfältiges, dichtes Programm, das sich im Laufe eines Monats in Form von bildender Kunst, Tanz, Theater und Film entfaltet. Ausgangspunkt der unterschiedlichen Ansätze bildet ein gemeinsamer Erinnerungsbereich zwischen Deutschland und Israel, der besonders – wenn auch nicht ausschließlich – vom Holocaust im Dritten Reich geprägt ist. Im Prozess der Absteckung dieses Raumes wird im Hinblick auf gegenwärtige sozial-politische Entwicklungen der Aktualität von Geschichte nachgespürt. In der Zusammenarbeit soll die Bildung eines transnationalen Gedächtnisses in Abgrenzung zu lokaler Erinnerungskultur gefördert werden. Ein solches soll auch mit Blick auf die zunehmende globale Migration im 21. Jahrhundert zugunsten einer gemeinsamen Verständigung und Toleranz gefördert werden. Eröffnet wird mit einem Konzert der Band Jewdyssee, die traditionelle jiddische Musik mit elektronischen Sounds aus den Berliner Clubs verschmelzen lässt.

WANN: Das Konzert beginnt am Freitag, den 16. Juni, um 20 Uhr. Das vollständige Programm der Ausstellung findet ihr hier.
WO: Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.), Chausseestraße 128/129, 10115 Berlin.

Atelieransicht Wiebke Maria Wachmann Foto: Wachmann

Das kommende Wochenende lockt mit der Chance, gleich mehrere Blicke hinter die Kulissen des Kunstbetriebs zu erhaschen: In Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee öffnen rund 170 Künstler im Rahmen von „artspring“ die Türen ihrer Ateliers für Interessenten. Sie bieten somit eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Kunst, ihrer Arbeitsweise und ihrem Alltag, sie laden ein zu persönlichen Gesprächen, Workshops und Lesungen. Als Besucher hat man die Möglichkeit, das kreative Potenzial des Bezirks Pankow auszuleuchten, auf neue, junge Künstler zu stoßen und unterschiedliche Produktionsprozesse und Formen des gemeinschaftlichen Arbeitens kennenzulernen. Eine Veranstaltungszeitung sorgt hierbei für Orientierung und ein ausgedehntes Begleitprogramm für Interaktion: Sei es eine Life-Tattoo-Aktion, Foto Porträt Performance oder Aktzeichnen. Eine zentrale Eröffnungsfeier wird am Abend des 16. Juni mit viel Musik im Hof der Ateliergemeinschaft Michlhof – dem Organisator des Wochenendes – abgehalten.

WANN: Die Eröffnungsfeier beginnt am Freitag, den 16. Juni, um 19 Uhr. Die Ateliers können Samstag und Sonntag zwischen 12 und 20 Uhr besichtigt werden.
WO: Im Michlhof e. V., Schwedter Straße 232, 10437 Berlin wird eröffnet. Das restliche Programm inklusive Schauplätze ist hier abzurufen.

Lukas Bugla, Gefangene des Sommers, 2017, Courtesy der Künstler

Das Haus am Waldsee wird seine Türen ab dem 19. Juni für ein ganzes Jahr schließen müssen, um das historische Gebäude zu sanieren und zugleich auszuweiten. Kurz vor der langen Pause liefert es uns jedoch einen letzten Grund, zu dem idyllischen Grundstück in Zehlendorf zu pilgern: Wie es scheint, stellt das Haus nicht nur begnadete Künstler aus, sondern beschäftigt sie auch auf den eigenen Rängen. Unter den Mitarbeitern und Aufbauhelfern finden sich junge Absolventen der gängigen Kunstakademien, die sich neben ihrer Arbeit ein autonomes Werk aufgebaut haben. Nun haben sie die Möglichkeit, ab Freitag, den 16. Juni, ihre Arbeiten für fünf Tage in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten auszustellen. Und wir haben die Möglichkeit, sie zu sehen.

WANN: Am Freitag, den 16. Juni, findet von 18 bis 21 Uhr ein Empfang statt. Die Ausstellung kann vom 15.-18. Juni besucht werden.
WO: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin.

 

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