Berliner Kunstgriff
13.03. - 19.03.18

13. März 2018 • Text von

Definitionen und Abstraktion über Bord geworfen, ein Symposium im HKW fragt nach möglichen Formen von Solidarität. Bei WENTRUP schafft Jesper Just eine monumentale und audio-visuelle Erfahrung seiner Videoarbeiten. Neu trifft alt – Feminismus generationsübergreifend bei Mehdi Chouakri.

Michael Busch, ohne Titel, Videostill, 2018.

Schon 1988, in ihrem Buch „Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten“ plädierten der politische Philosoph Étienne Balibar und der Soziologe Immanuel Wallerstein für eine Neuverortung und ein damit einhergehendes Neu-Verstehen von Rassismus in unserer Gesellschaft: seine Manifestierung in Klassenverhältnissen, sein Anfeuern nationalistischer Tendenzen. Das dreitägige Symposium „Gefährliche Konjunkturen. Zur Aktualität von Balibar/Wallersteins Rasse, Klasse, Nation“ am Haus der Kulturen der Welt nimmt dieses Werk zum Ausgangspunkt einer erneut wichtigen Re-Aktualisierung. Als „Praxis der Theorie“ verstand und versteht sich dieser Versuch, die Konzepte von Rasse, Klasse und Nation innerhalb heutiger Machtgefüge neu zu bestimmen, um Kritik und Gegen-Politiken zu entwerfen. Es sprechen Theoretiker*innen und Aktivist*innen.

WANN: Das Symposium findet von Donnerstag, 15. März bis Samstag, 17.März statt. Eintritt frei. Das Programm gibt es hier.
WO: Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin.

Jesper Just, Continuous Monuments, 2017 (in collaboration with Kim Gordon), single channel video, 06:00 min, courtesy the artist, Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen and Perrotin, Paris, New York, Hong Kong, Seoul, Tokyo.

„Continuous Moments“ ist die erste Einzelausstellung des dänischen Künstlers Jesper Just bei WENTRUP. In einer ortsspezifischen Installation sind sechs Videoarbeiten der letzten sechs Jahren zu sehen. Im titelgebenden Video sehen und hören wir Kim Gordon, die frühere Bassistin und Sängerin von Sonic Youth. In kurzen Tutu mäandert sie entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Mit einem Holzstock klopft sie, tastend, die Stäbe des Grenzzauns ab. Neben diesem Zaun, unendlich lang, seine Umgebung menschenleer, wirkt die Figur merkwürdig klein und fremd. Das Geräusch dagegen ist unmittelbar, es klingt rhythmisch. Die Bilder sind monochrom, ästhetisch total, wie wir sie auch von James Benning kennen. Just interessiert sich für künstlich geschaffene Strukturen und Architekturen und deren ideologischen Gehalt. Die Ausstellung vereint verschiedene Elemente: bewegtes Bild, Sound und Architektur.

WANN: Eröffnet wird am Freitag, 16. März ab 18 Uhr.
WO: WENTRUP, Tempelhofer Ufer 22, 10963 Berlin-Kreuzberg.

 

Obwohl es vorab noch keine Infos gab, interessiert uns die Ausstellung „VALIE EXPORT / SYLVIE FLEURY“, die kommenden Freitag bei Mehdi Chouakri eröffnet. Im Rahmen von #MeToo ist die Forderung nach einem starken Feminismus neu entflammt. Beide Künstlerinnen beschäftigen sich mit Fragen der weiblichen Identität, des weiblichen Körpers und deren/dessen Repräsentation in einer, immer noch, von Männern dominierten (Kunst-)Welt. VALIE EXPORT ist Vertreterin eines in den späten 1960er und 1970er Jahren durch die Kunst gelebten, weiblichen Aktionismus. Die zwanzig Jahre jüngere Sylvie Fleury verwendet nicht mehr den eigenen Körper. Sie kommentiert ironisch und ‚verweiblicht‘ kanonisierte und männlich stilisierte Stile und Werke der Kunstgeschichte.

WANN: Eröffnet wird am Freitag, 16. März ab 19 Uhr.
WO: Mehdi Chouakri, Mommsenstrasse / Bleibtreustrasse 41 (Eingang über Mommsenstrasse 4), 10623 Berlin.

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